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Keine Angst vorm ersten Mal – So funktioniert die Blutspende

Einen halben Liter Blut abgeben? Freiwillig? Wer noch nie Blut gespendet hat, kämpft manchmal mit einem mulmigen Gefühl und fragt sich: Was genau kommt da auf mich zu? Von Lea Sibbel

Das Deutsche Rote Kreuz organisiert hierzulande bis zu 90 Prozent der Blutversorgung (Foto: DRK)

Das Deutsche Rote Kreuz organisiert hierzulande bis zu 90 Prozent der Blutversorgung (Foto: DRK)

Eins sei gleich vorneweg gesagt: Das Blutspenden an sich ist schon nach wenigen Minuten vorbei. Und dass jemandem schwindlig wird, ist eher die Ausnahme. Falls es doch einmal dazu kommt, könnten die Ärzte vor Ort sofort helfen, sagt Kerstin Schweiger vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) anlässlich des Weltblutspendetags am 14. Juni. Deshalb sei Angst vor dem Blutspenden völlig unnötig.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern ist in Deutschland eine pauschalierte Aufwandsentschädigungen für Fahrten zu Blutspenden in Höhe von bis zu 25 Euro üblich. Aber nicht jeder darf überhaupt spenden. Eine der Voraussetzungen ist zum Beispiel, dass der Spender volljährig ist. Der Spendewillige muss seinen Personalausweis mitbringen. So können die Mitarbeiter des Blutspendedienstes die Kontaktdaten aufnehmen.

Spender muss alle Fragen ehrlich beantworten

Dann bekommt der Interessent das sogenannte Anamneseblatt. Dort muss er Fragen beantworten, die Aufschluss darüber geben, ob er Blut abgeben darf.

War er vor kurzer Zeit zum Beispiel in einem tropischen Gebiet oder hat er sich piercen oder tätowieren lassen, darf er nicht spenden. Denn dann besteht die Gefahr, dass zum Beispiel eine Infektion in ihm schlummert, erklärte Schweiger. Der Betreffende muss deshalb alle Fragen ehrlich beantworten.

Was beim Arztgespräch passiert

Danach geht es zum Arztgespräch. Der Mediziner sieht den Anamnesebogen durch und fragt in manchen Fällen noch einmal nach. Dann misst er den Hämoglobinwert: Dieser muss hoch genug sein, sonst ist die Spende nicht möglich. Auch der Blutdruck muss in einem normalen Bereich liegen – nicht zu hoch und nicht zu niedrig. Zum Ende misst der Arzt noch die Körpertemperatur.

Eine wichtige Frage im Gespräch lautet: „Haben Sie heute gut gegessen und getrunken?“ Denn das unterstütze das Fließen des Blutes, erklärte Schweiger. Sich auf leeren Magen Blut abzapfen zu lassen, erhöht die Gefahr von Kreislaufproblemen.

Hat der Arzt nichts auszusetzen, folgt die eigentliche Spende. „Die dauert nur rund fünf Minuten“, sagte Schweiger. 500 Milliliter Blut werden entnommen. Anschließend bleibt der Spender noch einige Minuten liegen, um sich zu erholen. Dann bekommt er einen Snack.

Eine wichtige Besonderheit

Eine Besonderheit gibt es noch: den sogenannten vertraulichen Selbstausschluss. Dort gibt der Spender anonym an, ob sein Blut verwendet werden darf oder nicht. Das sei wichtig, falls jemand zum Beispiel mit seinen Kollegen zum Blutspenden geht und vor den anderen nicht preisgeben will, dass er nicht spenden darf, erklärte Schweiger.

Das ist etwa der Fall, wenn jemand schwul ist, dies aber nicht öffentlich machen will. Denn im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern sind in Deutschland homosexuelle Männer nicht zur Blutspende zugelassen.

Wie oft ist die Spende möglich?

Nach rund 40 Minuten ist dann alles vorbei, und der Spender kann wieder nach Hause. Er sollte darauf verzichten, direkt im Anschluss Sport zu treiben. Denn der Körper braucht ein paar Tage, um den halben Liter Blut wieder herzustellen.

Nach einigen Wochen erhält der Erstspender dann seinen Spendepass. Damit erfährt er auch seine Blutgruppe. Zur nächsten Blutspende bringt er dann seinen Personalausweis und den Pass mit. Von der Angst vor dem ersten Mal befreit, sollten neue Spender aber nicht falschen Ehrgeiz an den Tag legen und jeden Monat losgehen: Frauen dürfen maximal viermal im Jahr ihr Blut abgeben, Männer sechsmal.

(dpa)

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