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Keine barrierefreien Praxen: So reden sich die Zahnärzte heraus

Ist das etwa ein Weisheitszahn? Verband sieht die Gesamtgesellschaft in der Pflicht und verlangt KfW-Kredite.

Zange und Weisheitszahn... (Foto: birgitH/pixelio.de)

Zange und Weisheitszahn… (Foto: birgitH/pixelio.de)

Auch ROLLINGPLANET hat heute darüber berichtet, dass Deutschlands Arztpraxen für Rollstuhlfahrer schlecht zugänglich sind. Laut Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit schneiden am schlechtesten Zahnärzte und Kieferchirurgen ab: Nur 15 Prozent ihrer Praxisräume sind für Rollis barrierefrei zu erreichen.

Verena Bentele, die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, forderte, bei neuen Zulassungen auch das Kriterium Barrierefreiheit zu prüfen. Das hat wohl bei manchen Zahnschmerzen ausgelöst – in einer Pressemitteilung beeilt sich die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung zu betonen, dass die „barrierearme Ausgestaltung von Praxen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ zu sehen ist. ROLLINGPLANET dokumentiert die Erklärung des Verbandes.

„Entsprechende Belastungen können nicht den Zahnärzten allein auferlegt werden“

Zu der heutigen Presseberichterstattung über die barrierearme Ausgestaltung von Arzt- und Zahnarztpraxen erklärt der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Dr. Wolfgang Eßer:

„Bereits seit vielen Jahren ist die Vertragszahnärzteschaft für das Thema sensibilisiert. Sie bekräftigt daher ihr Ziel, allen Menschen einen barrierearmen Zugang zu einer bedarfsgerechten Versorgung zu ermöglichen. Allerdings erfordert das erhebliche Investitionen, an denen auch die Krankenkassen angemessen beteiligt werden müssen. Entsprechende Belastungen können nicht den Zahnärzten allein auferlegt werden, denn der Abbau von Barrieren ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen. Zudem appelliere ich erneut an die Bundesregierung, ein Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau aufzulegen, um zusätzlichen Spielraum für die barrierearme Ausgestaltung von Praxen zu schaffen. Immerhin hat sich die Regierung mit dem Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, gemeinsam mit Ärzten, Zahnärzten und den Ländern ein Konzept vorzulegen, das Anreize schafft, um Investitionen zum Abbau von Barrieren in Angriff zu nehmen. Dieses Projekt unterstützt die KZBV uneingeschränkt.“

Die zahnärztlichen Aktivitäten in Sachen Barrierearmut sind schon aktuell vielfältig: so bieten die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen umfangreiche Beratungsdienstleistungen zu dem Thema an. Im September 2013 haben die Spitzenorganisationen von Zahnärzten und Ärzten bei einer gemeinsamen Fachkonferenz Lösungswege für den Abbau von Barrieren aufgezeigt und diskutiert. Neue Zahnarztpraxen werden nach derzeit gültigen Bauvorschriften zudem in der Regel barrierearm errichtet.

„Die zahnmedizinische Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung bleibt auch künftig eines der wichtigsten politischen Projekte der KZBV. So wird Anfang August unter www.kzbv.de ein virtueller Rundgang durch eine barrierearme Zahnarztpraxis online gehen. Die multimediale Anwendung informiert Zahnärzte aus der Perspektive eines Patienten mit einer Mobilitätsbeeinträchtigung, einer Hörbeeinträchtigung oder einer Sehbeeinträchtigung, welche Barrieren in einer Praxis auftreten und wie diese beseitigt werden können“, kündigte Eßer an.

(RP/PM)

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1 Kommentar

  • Klaus-Dieter Dingel

    Es gibt auch kaum Praxen für Frauenheilkunde die mit Rolli besucht werden können. Verstoßen alle gegen das Grundgesetz Artikel3 Abs.3

    24. Juli 2014 at 20:24

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