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Kinderlangstöcke für blinde Kinder erstmals im Hilfsmittelkatalog

Der Berliner Verein Anders Sehen freut sich, dass sein mit einem Partner entwickeltes „natürliches“ Sehwerkzeug anerkannt ist.

Die von Anders Sehen e.V. in Zusammenarbeit mit der Firma Comde-Derenda entstandenen Kinderlangstöcke. (Foto: Jo Bayer)

Die von Anders Sehen e.V. in Zusammenarbeit mit der Firma Comde-Derenda entstandenen Kinderlangstöcke. (Foto: Jo Bayer)

Wie zahlreiche Beobachtungen und erfolgreiche Mobilitätstrainings mit Kleinkindern zeigen, ist die Langstocknutzung schon sinnvoll, wenn das blinde Kind erstmals selbst stehen kann, aber auch vorher. „Gebt blinden Kindern einen Stock, und sie sind plötzlich wie von Fesseln befreit“ sagt Steffen Zimmermann, Vorstand von Anderes Sehen e.V. Der Berliner Verein teilt mit, dass Kinderlangstöcke für blinde Kinder nun erstmals im Hilfsmittelkatalog und damit „amtlich“ sind.

Bronwen Scott (australischer Mobilitätstrainer) schreibt über die Erfahrung mit Kindern ab zehn Monate: „Wenn ich laufen kann, kann ich auch einen Langstock benutzen!“.

Der Einstieg im ersten Lebensjahr ist optimal: Besonders die Akzeptanz des Stocks als „natürliches“ Sehwerkzeug entwickelt sich wie selbstverständlich, wenn früh begonnen wird.

Aufgrund veralteter Auffassungen vieler restriktiver Krankenkassen wurden blinde Kinder in Deutschland in der Vergangenheit oft erst ab dem Schulalter mit einem Langstock versorgt. Doch mit der Aufnahme der speziellen Kinderlangstöcke in die Hilfsmittelliste sind die oft schwierigen Verhandlungen mit den Krankenkassen Vergangenheit. Den gemeinsam von Anderes Sehen und Comde-Derenda GmbH entwickelten Langstöcken, die speziell den Anforderungen von Kindern entsprechen, wurde eine Hilfsmittelnummer erteilt. Diese garantiert die mögliche Abrechnung über die Krankenkasse.

Wie sollte ein Kinderlangstock beschaffen sein?

„Gebt den blinden Kindern einen Stock, und sie sind plötzlich wie von Fesseln befreit.“ (Foto: Anders Sehen e.V.)

„Gebt den blinden Kindern einen Stock, und sie sind plötzlich wie von Fesseln befreit.“ (Foto: Anders Sehen e.V.)

Anders Sehen e.V. gibt hierzu folgende folgende Empfehlungen:

Ein Langstock für Kinder bis zu sechs oder sieben Jahren sollte aus einem Stück bestehen und der Körpergröße des Kindes entsprechen. Er darf lieber etwas länger sein als zu kurz. Man sollte daher jährlich einen neuen passenden Langstock anschaffen. Kinder brauchen verhältnismäßig lange Stöcke, da sie damit mehr Sicherheit, also “Voraussicht” haben.

Der Stock sollte möglichst leicht sein, sonst leidet durch die Hebelwirkung das Handgelenk. Ein 90cm Stock darf etwa 90g wiegen. Auch die Spitze darf nicht schwer sein! Sie soll leicht über den Boden “tanzen” können.

Der Griff sollte dünn genug für eine Kinderhand sein und etwa 20 Prozent der Länge ausmachen, dadurch kann das Kind in engen Situationen und für die ideale Balance des Stockes auch weiter vorn greifen.

Wir empfehlen für alle blinden Kinder bis 140 cm den von uns entwickelten Kinderlangstock.

Die Hilfsmittelnummer für den kleinen, einteiligen Kinderlangstock (unter 90cm) lautet 07.50.01.0003, die Hilfsmittelnummer für den großen, zweiteiligen Kinderlangstock (90 bis 140 cm) 07.50.01.1016. Er besteht aus zwei Teilen, so dass bei Schäden oder dem Bedarf an einem längeren Stock nur das untere, kostengünstige Teil ausgetauscht wird.

Webseite: Anders Sehen e.V.

(RP/PM)

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