Kinderwunsch: Hilfe für Frauen mit Mitochondrien-Defekt

Britischer Ethikrat macht sich für neue Methode stark. Von AP-Korrespondentin Maria Cheng

Risikolosere Schwangerschaft für Frauen mit Mitochondrien-Defekt? (Foto: JMG /pixelio.de)

Frauen mit Mitochondrien-Defekt, die sich ein Kind wünschen, können in Großbritannien neue Hoffnung schöpfen: Der einflussreiche Nuffield-Ethikrat hat empfohlen, in solchen Fällen den Einsatz einer Spendereizelle wohlwollend zu prüfen. Von der Spenderin würden nur Spuren genetischen Materials verwendet, so dass auch die alleinige Mutterschaft der Empfängerin nicht in Frage gestellt wäre, ist das Resümee der Experten.

Zwar können auch von Mitochondrien-Defekten betroffene Frauen Kinder bekommen, doch sind die Risiken enorm. Vererbte genetische Störungen aufgrund von Mutationen in der Mitochondrien-DNA können beim Kind unter anderem zu Organversagen, Schlaganfällen, Demenz, Blindheit und Taubheit führen. Bislang sind mehrere Dutzend Krankheiten bekannt, die durch Fehlfunktionen der Mitochondrien verursacht werden können.

Mitochondrien sind spezielle Zellorganelle und gelten als Kraftwerk der Zelle. Sind Defekte in den Mitochondrien von Frauen mit Kinderwunsch bekannt, sollte es nach Ansicht der britischen Forscher möglich sein, zwei Eizellen zur Befruchtung zu kombinieren und damit gesunde Mitochondrien der Spenderin einzusetzen. Bei der Methode, mit der britische Wissenschaftler 2008 erstmals einen Embryo erzeugten, wird die befruchtete Eizelle der Mutter in die geleerte Eizelle einer gesunden Spenderin eingepasst.

Sicherheit der Methode muss gewährleistet sein

Da über die Mitochondrien nur wenig genetisches Material vererbt wird, wäre es nach Ansicht des Ethikrats falsch, von drei Elternteilen zu sprechen. Voraussetzung für ein solches Vorgehen sei jedoch, dass die Sicherheit der Methode gewährleistet sei. „Wenn in angemessenem Umfang nachgewiesen ist, dass diese neuen Techniken ausreichend sicher und als Behandlung wirksam sind, dann ist die Anwendung für Familien auch moralisch vertretbar“, heißt es in dem Bericht. Frühestens in einigen Jahren wird mit der Einsetzbarkeit des Verfahrens gerechnet.

Während Kritiker warnen, ein solches Vorgehen öffne der genetischen Modifikation von Babys die Tür, betonen Befürworter die Chance, den Tod und schreckliche Krankheiten von Kindern vermeiden zu helfen.

(dapd/AP)

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