""

Kinetose: Wenn die Urlaubsfreude aus dem Gleichgewicht gerät

Bei der Reisekrankheit bringen unterschiedliche Bewegungsinformationen das Gehirn durcheinander – ein ganz einfaches Mittel kann helfen. Von Elke Gersmann

Übelkeit und Schwindelgefühle kennzeichnen die Reisekrankheit (Foto: Uschi Dreiucker/pixelio.de

Übelkeit und Schwindelgefühle kennzeichnen die Reisekrankheit (Foto: Uschi Dreiucker/pixelio.de

Die Vorfreude auf die Fernreise ist groß, doch vor der Anreise graut es so manchem. Der Grund ist die sogenannte Reisekrankheit, Fachbegriff Kinetose. Sie trete zwar besonders häufig bei Kindern auf, könne im Prinzip aber jeden treffen, sagt Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin. Es gibt jedoch Möglichkeiten, sich vor dem besonders im Auto, Bus oder Schiff und seltener auch im Flugzeug auftretenden Unwohlsein zu schützen.

Eine Krankheit, die keine Krankheit ist

Bei der sogenannten Reisekrankheit handelt es sich nicht um eine Erkrankung. „Es ist eine Anpassungsstörung der Sinnesorgane, die diese Übelkeit verursacht“, erläutert Jelinek. Sie entstehe, weil Augen und Gleichgewichtssinn unterschiedliche Informationen an das Gehirn weitergeben. Beispielsweise meldet das Gleichgewichtsorgan, dass sich der Körper bewegt, während die Augen gleichzeitig einen Ruhezustand registrieren.

Diese widersprüchlichen Signale können das Gehirn durcheinanderbringen und zu Schwindel und Übelkeit führen. Zusätzlich könne die innere Einstellung entscheidend sein: „Wer sich während der Reise selbst ängstlich und intensiv beobachtet, kann damit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Reisekrankheit auftritt“, sagt Jelinek. Entspannungsübungen können helfen, solche Ängste abzubauen.

Was hilft bei Kinetose?

Auch Ablenkung schützt vor Reisekrankheit. Ein Buch oder ein Computerspiel ist dafür allerdings weniger geeignet: Durch den nach unten gerichteten Blick können die widersprüchlichen Signale verstärkt werden, mahnt Jelinek. Am besten folgt man mit den Augen der Bewegung und schaut nach vorne aus dem Fenster. Im Bus sind deshalb die besten Plätze zur Vermeidung der Reisekrankheit im vorderen Teil, da man dort den Straßenverlauf gut beobachten kann.

Kinder lassen sich durch Spiele von kurvigen Straßen und aufkommender Übelkeit ablenken. Dabei sollten die Fahrtbewegung und die vorbeiziehende Umgebung einbezogen werden. Kennzeichen zu raten oder rote Autos zu zählen, seien bewährte Beispiele.

Den Blick auf Straße oder Horizont richten

Auf dem Schiff ist es nicht ratsam, sich bei aufkommendem Unwohlsein in der Kabine zu verkriechen. Stattdessen sollte man sich möglichst an Deck aufhalten und in Fahrtrichtung einen Punkt am Horizont fixieren. Das helfe dem Gehirn, die widersprüchlichen Signale in Einklang zu bringen. Für Schiffsreisende hat der Reisemediziner unabhängig davon eine gute Nachricht parat: „Spätestens nach drei Tagen ist die Seekrankheit in der Regel überstanden, da sich dann das Gehirn an die neue Situation gewöhnt hat.“

Essen ja – aber richtig

Auf Essen sollte man vor und während der Reise nicht verzichten. „Bei der Reisekrankheit hat eine aufkommende Übelkeit ihre Ursache nicht im Magen, sondern im Gehirn“, sagt Jelinek. Ein leerer Magen könne für zusätzliche irritierende Signale sorgen. Allerdings sollte nur leichte, fettarme Kost gewählt werden. So hat der Magen zwar etwas zu tun, wird aber nicht zu sehr belastet.

Spezielle Wirkstoffe oder Medikamente gegen die Ursachen der Reisekrankheit gebe es zwar nicht, ein bewährtes Mittel sei jedoch Ingwer. Diesen sollte man vor Beginn der Reise in Form von Kapseln oder Tabletten einnehmen, wie sie in Apotheken erhältlich sind, rät Jelinek. Auch Antihistaminika, die die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Histamin abschwächen und häufig als Präparate gegen Reisekrankheit verkauft werden, können Übelkeit verhindern, sollten jedoch nicht ohne Beratung bei einem Arzt oder in der Apotheke eingenommen werden. Da sie Müdigkeit hervorrufen, seien sie nämlich nicht für jeden geeignet, betont der Reisemediziner.

(dapd)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN