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Kirchentag: Samuel Koch und Joachim Gauck diskutieren

In Hamburg wurde heute das menschelnde Großereignis eröffnet – erstmals mit einem Zentrum Inklusion. ROLLINGPLANET nennt die wichtigsten Fakten zum Start.

Kirchentagspräsident Gerhard Robbers (r) begrüßt freiwillige Helfer im CCH in Hamburg. Rund 5500 freiwillige Helfer sind bis zum Sonntag im Einsatz. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Kirchentagspräsident Gerhard Robbers (r) begrüßt freiwillige Helfer im CCH in Hamburg. Rund 5500 freiwillige Helfer sind bis zum Sonntag im Einsatz. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Helma Orosz, Oberbürgermeisterin von Dresden, und Pilgerpastor Bernd Lohse tragen eine Kirchentagsflagge, die von Ruderpilgerern zum Kirchentag nach Hamburg gebracht wurde. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Helma Orosz, Oberbürgermeisterin von Dresden, und Pilgerpastor Bernd Lohse tragen eine Kirchentagsflagge, die von Ruderpilgerern zum Kirchentag nach Hamburg gebracht wurde. (Foto: Christian Charisius/dpa)

1. Wer ist dabei?

Der Evangelische Kirchentag in Hamburg (Mittwoch, 1.5. – Sonntag, 5.5.2013) ist nicht den Protestanten vorbehalten. Exakt 8,7 Prozent der knapp 117.000 Dauerteilnehmer sind Katholiken, haben die Veranstalter ausgerechnet. Das Gros bilden mit 88,4 Prozent natürlich die evangelischen Protestanten, hinzu kommen 2,9 Prozent „Sonstige“.

Eine Frauenquote ist beim Kirchentag nicht nötig: 59 Prozent der Teilnehmer sind weiblich. Die meisten Dauergäste kommen aus Nordrhein-Westfalen (22 664), es folgen Niedersachsen (16 173), Hamburg (16 524), Schleswig-Holstein (11 832) und Baden-Württemberg (10.175). 393 Teilnehmer kommen aus dem Saarland. Zudem sind 4796 ausländische Gäste aus 85 Staaten dabei.

Es werden rund 2500 Teilnehmer mit Behinderung – darunter 167 Rollstuhlfahrer und 351 Menschen mit geistiger Behinderung – erwartet. Insgesamt sind den Angaben zufolge mehr als 1000 Veranstaltungen während des Kirchentags barrierefrei.

2. Inklusion – was ist das denn?

Andy Holzer (M) seilte sich am 16. April 2013 bei einer Aktion unter dem Motto "Kirchentag Barrierefrei" in Hamburg von einem Hochhaus ab. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Andy Holzer (M) seilte sich am 16. April 2013 bei einer Aktion unter dem Motto „Kirchentag Barrierefrei“ in Hamburg von einem Hochhaus ab. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung ist seit 30 Jahren Thema beim Kirchentag. In Hamburg gibt es nun zum ersten Mal ein Zentrum Inklusion mit zahlreichen Angeboten rund um das Thema.

Höhepunkt ist eine Diskussion mit Joachim Gauck am Donnerstag (2.5.2013). Der Bundespräsident spricht unter anderem mit dem Schauspiel-Studenten Samuel Koch, der seit einem Unfall bei „Wetten, dass…“ querschnittsgelähmt ist, über das Thema „Starke Gesellschaft“.

Ebenfalls am Donnerstag startet Joey Kelly die Unterschriftenkampagne „Stopp den Kreislauf von Armut und Behinderung. Setz ein Zeichen“ der Christoffel-Blindenmission (CBM)

Die Band „Rosi und die Knallerbsen“, in der behinderte und nichtbehinderte Menschen zusammen musizieren, will den Kirchentag mit – wie es heißt – viel Lärm aufmischen. Bei einem „Deaf-Slam“ dichten Gehörlose um die Wette.

Bereits im Vorfeld hatte der österreichische blinde Extrem-Bergsteiger Andy Holzer die Aktion „Entdecken Sie Gute Orte für alle“ eröffnet, als er am Hamburger Gänsemarkt eine Hauswand hinunterkletterte. Der 46-Jährige ließ gemeinsam mit Industriekletterern eine 84 Quadratmeter große Fahne herab.

3. Alles Öko oder was?

Gesunde Kost aus nachhaltiger Produktion wird beim Kirchentag großgeschrieben. Der Konzeptname klingt eher gestelzt: „KleVer“ steht für „Klimafreundliche Verpflegung bei Großveranstaltungen“.

Praktisch sieht das so aus: Überall in der Stadt befinden sich Stationen, an denen sich Durstige mit Leitungswasser versorgen können.

Bei der Verpflegung setzen etliche Gastgeber oder Kirchentagsrestaurants auf saisonales Gemüse, pflanzliche werden tierischen Lebensmitteln vorgezogen. Beim Abend der Begegnung am Mittwoch präsentieren zahlreiche Stände regionale, biologische und fair gehandelte Erzeugnisse.

4. Welche Rolle spielt die Kunst?

Während des Kirchentags wird die Außenwand der St. Pauli Kirche in ein wachsendes Kunstwerk verwandelt.

Besucher können sich ein abwaschbares Tattoo mit dem Motiv „Glaube – Liebe – Hoffnung“ auf eine beliebige Körperstelle kleben. Dann lassen sie sich von einem Fotografen ablichten, und die Porträts werden als Plakat ausgedruckt.

Handschriftlich ergänzen die Kirchentagsbesucher dann ihre persönlichen Gedanken zum Thema „Glaube – Liebe – Hoffnung“, ehe die Plakate an die Kirchenwand gekleistert werden, die sich so mehr und mehr füllt.

Ein riesiges Bild aus 500 bis 1000 Plakaten soll so entstehen und monatelang hängen bleiben. So hinterlässt der Kirchentag sichtbare Spuren in Hamburg.

5. Welche Rolle spielt Twitter?

Bunt bemalte Kreuze liegen an einem Kirchentagsstand auf dem "Markt der Möglichkeiten" in den Messehallen in Hamburg – auch darüber werden Besucher twittern (Foto: Marcus Brandt/dpa)

Bunt bemalte Kreuze liegen an einem Kirchentagsstand auf dem „Markt der Möglichkeiten“ in den Messehallen in Hamburg – auch darüber werden Besucher twittern (Foto: Marcus Brandt/dpa)

Eine Bibelarbeit per Twitter? Die rheinische Kirche will es beim Kirchentag vormachen. „Die Auslegung des biblischen Textes wird in Sinnabschnitte auf SMS-Länge aufgegliedert“, erläutert Pastor Ralf Peter Reimann. „Per Link eingebettete Videos und Bilder unterstützen diese Exegese multimedial. Über Twitter können Besucher und Internetuser ihre Erfahrungen mit den biblischen Texten interaktiv mitteilen.“

Wer bei den Bibelarbeiten kein Smartphone dabei hat, kann im Saal auch per Karteikarte mitmachen. Diese Inhalte tippen Helfer dann in Twitter ein. Schlagwort für das Projekt ist #twibib für „Twitterbibelarbeit“.

6. Wie viel kostet so ein Kirchentag?

Nach der Ankunft eines Sonderzuges aus Tübingen gehen Teilnehmer des Kirchentages 2013 über den Hauptbahnhof in Hamburg.(Foto: Bodo Marks/dpa)

Nach der Ankunft eines Sonderzuges aus Tübingen gehen Teilnehmer des Kirchentages 2013 über den Hauptbahnhof in Hamburg.(Foto: Bodo Marks/dpa)

So ein Kirchentag kostet eine schöne Stange Geld – in Hamburg sind es 18,5 Millionen Euro. Die finanzielle Last ist auf mehrere Schultern verteilt.

Allein 7,5 Millionen Euro steuert die Freie und Hansestadt Hamburg bei. Kritiker finden es nicht gut, wenn so viel Steuergeld in ein kirchliches Fest fließt – die Stadt hofft indes auf viel Werbung und einen Imagegewinn.

Die gastgebende Nordkirche übernimmt knapp 4,3 Millionen Euro. Etwa 5,8 Millionen Euro kommen nach Angaben der Veranstalter durch Tagungsbeiträge, Sponsoring und den Verkauf von Souvenirs zusammen. Der Bund ist mit 400.000 Euro dabei, hinzu kommen knapp 600.000 Euro Projektmittel.

(RP/dpa)


Zum Themenschwerpunkt Glaube und Religion


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