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Kirsten Bruhn: Im Wasser genieße ich die Leichtigkeit außerhalb des Rollstuhls

Interview mit einer der bekanntesten Athletinnen des deutschen Behindertensports zum Ausklang ihrer Weltkarriere.

Kirsten Bruhn bei der Premiere des Kinofilms

Kirsten Bruhn bei der Premiere des Kinofilms „Gold – Du kannst mehr als Du denkst“ bei der Berlinale im Februar 2013 (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Für Kirsten Bruhn war es ein goldener Abschied von der großen Schwimmbühne. Mit zwei WM-Titeln rundete die 43-Jährige, die seit 22 Jahren mit einer inkompletten Querschnittslähmung lebt, ihre beeindruckende Karriere ab (ROLLINGPLANET berichtete). Drei Paralympicssiege und sieben WM-Goldmedaillen stehen unter anderem in ihrer beeindruckenden Vita. Der Abschied fällt nicht schwer, die Zeit war schön und sie sei sehr dankbar, sagt Bruhn.

„Die Zeit war schön und ich bin sehr dankbar“

Kirsten Bruhn (PSV Union Neumünster) bei den 27. Internationalen deutschen Meisterschaften der Behinderten-Schwimmer  im Mai in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark in Berlin (Foto: Rainer Jensen /dpa)

Kirsten Bruhn (PSV Union Neumünster) bei den 27. Internationalen deutschen Meisterschaften der Behinderten-Schwimmer im Mai in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark in Berlin (Foto: Rainer Jensen /dpa)

Frau Bruhn, das waren Ihre letzten WM-Rennen. Wie schwer fällt der Abschied?

Der Abschied fällt gar nicht schwer. Ich habe viele Gefühle in mir bezüglich meines Abschiedes aus der Mannschaft, aber schwer ist da kein Gefühl. Die Zeit war schön, und ich bin sehr dankbar und froh um jedes Erlebnis, was ich in den Jahren mit dem Schwimmen erfahren und erleben durfte. Und nun kommen andere Aufgaben in meinem Leben, die sicher nicht weniger aufregend und herausfordernd sind.

Was bedeuten Ihnen ihre letzten WM-Medaillen?

Sie bedeuten einen schönen und kaum besseren Abschied von der Weltkonkurrenz als ich ihn mir hätte wünschen können und schon gar nicht erwartet habe.

Sie sitzen seit einem Motorradunfall im Juli 1991 im Rollstuhl. Was hat Ihnen der Leistungssport gegeben, wie wichtig war er für sie?

Der Sport war sehr wichtig in meinem Leben, sowohl vor als auch nach meinem Unfall 1991. Er hat mir immer Selbstvertrauen und Bestätigung gegeben. Ganz besonders in meinem Leben mit meiner Behinderung. Es war immer ein Stück Normalität und somit Parallele zu meinem so sehr geliebten und genossenen Leben ohne Behinderung. Im Wasser fühle ich meine Beeinträchtigung nicht und genieße diese Leichtigkeit und Bewegung außerhalb des Rollstuhls.

Wie fällt rückblickend ein Fazit auf ihre Sportkarriere aus?

Rundum positiv. Ich hatte stets das Glück, mich verbessern zu können und meine Leistungen abrufen zu können. Das gab mir Motivation und Lust, weiter zu machen. Was will man mehr?

Was waren die Höhepunkte, gibt es einen ganz besonderen Moment?

Jeder Moment einer Bestzeit und Erfolg war und ist besonders. 2003 bei meinem ersten internationalen Event im kanadischen Edmonton schwamm ich meinen ersten Weltrekord über 100 Meter Brust, und den habe ich schon als sehr speziell und intensiv in Erinnerung.

Auf was freuen Sie sich nun am meisten?

Da ich ja noch nicht aufhöre mit dem Schwimmen und wir wahrscheinlich eine Europameisterschaft im nächsten Jahr haben, zunächst einmal auf den Urlaub mit meinen Partner und dann gehe ich mit neuer Kraft ins Training und in meinen Job beim Unfallkrankenhaus Berlin.

(dpa)


Schwimm-Weltmeisterschaften Montreal 2013
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