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Kirsten Bruhn ist jetzt kein Fisch mehr

Ihre Sportkarriere ist nun fast beendet: Die Schwimm-EM war für die mehrfache Paralympics-Siegerin der letzte große Wettkampf. Von Sandra Degenhardt

Kirsten Bruhn (Foto: dpa)

Kirsten Bruhn (Foto: dpa)

Das Kacheln zählen hat für Kirsten Bruhn ein Ende. Eine der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Behindertensportlerinnen absolvierte bei der Schwimm-EM in Eindhoven ihren letzten großen Wettkampf. Und das gewohnt erfolgreich: Mit ihren unnachahmlichen Armzügen holte die 44-Jährige noch zweimal Gold und einmal Bronze.

„Ich habe zum Abschluss mehr mitgenommen, als ich vorher erwartet hatte. Schöner hätte der Abgang nicht sein können“, sagte Bruhn nach ihrem letzten Wettkampf mit der Nationalmannschaft und ergänzte: „Es waren zwölf tolle Jahre, in denen ich unglaublich viele Eindrücke und Erfahrungen gesammelt habe. Dieser Zeit großartig nachtrauern oder den Schritt bereuen werde ich aber nicht.“

Es gibt auch ein Leben ohne Wasser

Archivfoto: Kirsten Bruhn (l.) und die frühere Eiskunstläuferin Katarina Witt (r) bei der "Nacht der Stars" in Berlin 2008 (Foto: dpa)

Archivfoto: Kirsten Bruhn (l.) und die frühere Eiskunstläuferin Katarina Witt (r) bei der „Nacht der Stars“ in Berlin 2008 (Foto: dpa)

Die dreimalige Paralympics-Siegerin, die nach einem Motorradunfall wegen einer inkompletten Querschnittslähmung seit 1991 im Rollstuhl sitzt, trug wieder zur deutschen EM-Erfolgsbilanz bei. Die deutschen Schwimmer mit Handicap holten insgesamt 24 Medaillen: sechsmal Gold, achtmal Silber und zehnmal Bronze. Europameister wurden auch Sebastian Iwanow (2 Titel), Elena Krawzow und Daniela Schulte (je 1). Mit insgesamt fünf Medaillen war Iwanow erfolgreichster Deutscher. Im Medaillenspiegel landete Deutschland auf dem siebten Platz.

Nun will sich Bruhn neuen Herausforderungen stellen. „Jetzt kommen andere Aufgaben in meinem Leben, die sicher nicht weniger aufregend und herausfordernd sind“, sagte Bruhn, die sich nun noch mehr auf ihren Beruf als Botschafterin des Unfallkrankenhauses Berlin konzentrieren wird. Im Grunde ist ihre herausragende Karriere beendet. Aber einzelne Starts will sie in diesem Jahr noch absolvieren, beispielsweise Ende August in London. An der Stätte ihres dritten Paralympics-Sieges will Bruhn noch einmal schwimmen.

Zum Abschied eine Warnung

Die siebenfache Weltmeisterin und Europameisterin war stets ein Vorbild im Becken und auch abseits, unglaubliche 96 Mal wurde sie deutsche Meisterin. Dazu kamen 65 Welt- und 76 Europarekorde und viele Auszeichnungen: 2012 erhielt sie den Bambi in der Kategorie Sport, dreimal das „Silberne Lorbeerblatt“, viermal wurde sie Sportlerin des Jahres in Schleswig-Holstein.

Nun aber sorgt sich die Ausnahme-Athletin um die internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Behindertensports. „Wenn wir in Rio und den nachfolgenden Paralympics mit den anderen Nationen noch ein bisschen mithalten wollen, dann muss sich etwas tun“, sagte Bruhn vor der EM. Der deutsche Verband habe immer „ganz hohe Ansprüche, will immer mit den großen Nationen mithalten im Medaillenspiegel.“ Das sei keine Frage des Geldes, die Mittel müssten nur richtig beantragt und genutzt werden.

(dpa)

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