Kleines Mädchen trifft vor ihrer Erblindung den Papst

Seit zwei Jahren weiß Lizzy, dass sie ihr Augenlicht und ihr Gehör verlieren wird. Bis dahin wollen die Eltern ihr die Welt zeigen und alle Wünsche erfüllen. Von Carola Frentzen

Generalaudienz auf dem Petersplatz: Lizzy und ihre Mutter warten auf den Papst. (Foto: EPA/Alessandro Di Meo)

Generalaudienz auf dem Petersplatz: Lizzy und ihre Mutter warten auf den Papst. (Foto: EPA/Alessandro Di Meo)

Der große Augenblick: Papst Franziskus und Lizzy. (Foto: EPA/Alessandro Di Meo)

Der große Augenblick: Papst Franziskus und Lizzy. (Foto: EPA/Alessandro Di Meo)

In wenigen Jahren wird die Welt um Lizzy Myers dunkel und still werden. Die Sechsjährige aus dem US-Bundesstaat Ohio lebt mit einer seltenen genetischen Krankheit, die zu einer fortschreitenden Netzhautdegeneration und starker Schwerhörigkeit führt – die Rede ist vom sogenannten Usher-Syndrom Typ II. In der verbleibenden Zeit, in der Lizzy noch mit allen Sinnen die Welt erkunden kann, möchten ihre Eltern ihr jeden nur möglichen Wunsch erfüllen – und Lizzy wusste genau, was sie sich am meisten wünschte: Sie wollte Papst Franziskus treffen. Am Mittwoch wurde der Traum des Mädchens Wirklichkeit.

Für den großen Moment hatte sie sich schick gemacht, trug ein fröhliches weiß-blau gestreiftes Sommerkleid und eine passende Haarschleife. Dann war es so weit: Nach der Generalaudienz auf dem Petersplatz wurde sie mitsamt Vater, Mutter und Schwester Kayla zum Papst vorgelassen, und plötzlich war das Oberhaupt von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken nur noch Zentimeter von ihr entfernt. Franziskus zögerte nicht lange, beugte sich liebevoll zu Lizzy herunter und legte ihr die Hand auf die Augen.

Erinnerungen und Emotionen schenken

Steve und Christine Myers hatten nach der Diagnose 2014 entschieden, dass sie ihrer Tochter so viele Erinnerungen und Emotionen schenken wollten, wie nur möglich – Orte, Erlebnisse und Erfahrungen, an denen sie sich festhalten kann, wenn sie das Augenlicht verloren haben wird. Die Prognose der Ärzte lässt kaum Hoffnung: Etwa fünf Jahre hat das Mädchen nur noch Zeit, vielleicht ein wenig länger, um die Welt zu erkunden und sich Formen, Farben und Klänge einzuprägen. Ein Besuch in der Ewigen Stadt und bei Franziskus im Vatikan stand ganz oben auf ihrer Wunschliste – übertraf aber die finanziellen Möglichkeiten der Eltern.

Da wurde der Direktor von Turkish Airlines auf die Geschichte aufmerksam, nachdem amerikanische Zeitungen über den Fall berichtet hatten – und entschied prompt, der Familie ein Gratis-Ticket zu einem Ziel ihrer Wahl zu schenken. „Wir wollten einem Mädchen helfen, das nie die Möglichkeit haben wird, die Welt zu sehen“, sagte Tuncay Eminoglu. Und Lizzys Wahl fiel auf Rom – wohl auch deshalb, weil ihre Mutter italienische Wurzeln hat und die ganze Familie katholisch ist.

Ein Hotel stellte gratis ein Zimmer zur Verfügung, und ein katholisches Unternehmen, das auf Wallfahrten und Transporte für Kranke spezialisiert ist, übernahm die Fahrten in Rom. „Das Jubiläum der Barmherzigkeit, das wir in diesem Jahr feiern, beinhaltet auch Geschichten wie die der kleinen Lizzy“, sagte ein Mitarbeiter. „Sie hat eine fast grenzenlose Welle der Solidarität und Barmherzigkeit ausgelöst.“

(dpa)

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