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Kleinwüchsige wehren sich gegen Vorurteile und Unterschätzung

Europas größte Veranstaltung dieser Art: Von Donnerstag bis Sonntag findet in Hohenroda das 25. Kleinwuchsforum statt.

Wolfgang Küssner, Sprecher des Verbandes Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V., hat einen hat einen 29-jährigen Sohn, der 1,44 Meter groß ist (Bild: Privat).

Wolfgang Küssner, Sprecher des Verbandes Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V., hat einen 29-jährigen Sohn, der 1,44 Meter groß ist (Bild: Privat).

Kleinwüchsige Menschen werden in Deutschland nach Ansicht eines Interessenverbandes häufig unterschätzt. „Viele denken: Kleiner Mensch mit wenig Intelligenz und großem Unterstützungsbedarf. Doch die einzige Besonderheit ist tatsächlich nur die geringe Körpergröße“, sagt Wolfgang Küssner (61), Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien (BKMF).

Der Verband veranstaltet von Donnerstag bis Sonntag (29. Mai bis 1. Juni) im osthessischen Hohenroda das 25. Kleinwuchsforum. Es ist nach Angaben des Verbandes die größte Veranstaltung dieser Art in Europa. 600 Teilnehmer werden erwartet.

Bei der Integration von Kleinwüchsigen in die Gesellschaft habe sich aber schon etwas bewegt in Deutschland, befand Küssner vor dem Treffen. Bei der Inklusion in der Schule zeigten sich Erfolge. „Kleinwüchsige Kinder kommen bereits immer häufiger auf normale Schulen statt auf Förderschulen. Ihre geistige Aufnahmefähigkeit und ihr Sprachvermögen sind schließlich ebenso gut“, erklärte Küssner. „Bei der Inklusion sind wir auf einem guten Weg.“

100.000 Kleinwüchsige in Deutschland

Nach Verbandsangaben leben rund 100.000 Kleinwüchsige in Deutschland. Frauen werden meist nicht größer als 140, Männer nicht größer als 145 Zentimeter. Es gibt 650 verschiedene Kleinwuchsformen.

Beim Kleinwuchsforum informieren sich die Teilnehmer auch über medizinische Möglichkeiten und Behandlungsformen. „Durch orthopädische Methoden ist eine Verlängerung der Körpergröße um zehn bis 15 Zentimeter möglich“, erläuterte Küssner. Zudem gebe es die Möglichkeit von Hormonbehandlungen, die das Wachstum fördern sollen. „Doch das sind teure Therapien“, sagte Küssner. In den USA und England seien die Ärzte mit der Medikamenten-Behandlung schon weiter.

Zunehmend Finanzprobleme

Kleinwuchs ist mittlerweile schon während der Schwangerschaft feststellbar. „Für viele Eltern ist das ein Schock“, sagte Küssner. Manch ein Paar treibe das Kind ab oder gebe es nach der Geburt in eine Pflegefamilie. „Dabei ist auch dieses Leben absolut lebenswert“, betonte Küssner, der einen kleinwüchsigen Sohn hat. Der 29-jährige Hendrik ist 1,44 Meter groß.

In der Beratungs- und Geschäftsstelle im Deutschen Zentrum für Kleinwuchsfragen in Bremen können sich Betroffene informieren. Doch die Einrichtung hat wie viele kleinere Selbsthilfegruppen in Deutschland zunehmend mit Finanzproblemen zu kämpfen. „Unser Jahresbudget schwankt aufgrund der unsicheren Zuschüsse stark und sank zuletzt um etwa 20 Prozent. Es ist ein schleichender Abwärtstrend“, sagte Geschäftsführerin Sabine Rademacher. Die Unterstützung aus den Töpfen von Ministerien und Krankenkassen schrumpfe.

(dpa)

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