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Klicksonar: Blinde Kinder sehen Berlin

Anderes Sehen e.V. für ein Projekt zur Mobilitätsförderung ausgezeichnet.

Die Klicksonar-Technik hilft Kindern, selbstständig zu werden (Foto: Anderes Sehen e.V.)

Die Klicksonar-Technik hilft Kindern, selbstständig zu werden (Foto: Anderes Sehen e.V.)

Im bundesweiten Innovationswettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2013/14 ist Anderes Sehen e.V. heute als einer von 100 Preisträgern geehrt worden. Im Vorfeld wählte eine Expertenjury aus Wissenschaftlern, Wirtschaftsmanagern, Journalisten und Politikern gemeinsam mit einem vierköpfigen Fachbeirat den Verein für sein Klicksonar-Projekt „Anderes Sehen – Mobilitätsförderung für blinde Kinder“ als Preisträger aus rund 1.000 Bewerbungen aus.

Das ist Klicksonar

Klicksonar, die fortgeschrittene Form der aktiven Echoortung, bedeutet für blinde Menschen aus dem zurückfallenden Echo eines scharfen Zungenklicks, ein differenziertes dreidimensionales Bild der Umgebung im visuellen Cortex ihres Gehirns zu erzeugen. Die 200 Meter und weiter reichende Technik wird Klicksonar (Englisch „Flash Sonar“) genannt, da sie die Umwelt blitzartig festhält – bei jedem Zungenklick.
Das Gehirn lernt ohne Mühe, aber erst nach einiger Übung, aus den zurückfallenden Echos ein Bild zu generieren. Weltweit haben einige wissenschaftliche Studien das Phänomen entschlüsselt. Es ist einfacher als erwartet. Statt die Echos wie bei Sehenden als Störung wegzufiltern, beginnt das Gehirn diese bei blinden Zungenklickern wie Lichtinformationen auszuwerten.

Die Preisübergabe fand im Kleisthaus in Berlin-Mitte in Gegenwart von Hubert Hüppe statt, dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. „Barrierefreiheit ist noch keine Inklusion, aber ohne Barrierefreiheit wird es keine Inklusion geben“, so Hüppe. „Denkt man gemeinhin an Barrierefreiheit, wird meist an Aufzüge in Bahnhöfen gedacht. Es gibt aber noch viele andere Bereiche, in denen wir etwas tun müssen. Deswegen freue ich mich, dass Anderes Sehen e.V. heute diesen Preis erhält.“

Preisverleihung: Ellen Schweizer (2.v.l.) und Steffen Zimmermann (m.), ganz rechts: Hubert Hüppe,  Behindertenbeauftragter der Bundesregierung (Foto: Anderes Sehen e.V.)

Preisverleihung: Ellen Schweizer (2.v.l.) und Steffen Zimmermann (m.), ganz rechts: Hubert Hüppe, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung (Foto: Anderes Sehen e.V.)

Initiatoren Ellen Schweizer und Steffen Zimmermann

Mit der Zunge schnalzen und anhand des Echos Bäume, Häuser und Autos erkennen – dank der Klicksonar-Technik können sich blinde Menschen auch in unbekanntem Terrain besser orientieren. Der Verein Anderes Sehen e.V., gegründet 2011 von Ellen Schweizer und Steffen Zimmermann, ist Initiator der Klicksonar-Technik im deutschsprachigen Raum (ROLLINGPLANET berichtete: Anderes Sehen: Wie Ellen Schweizer die Klicksonar-Technik nach Deutschland brachte, siehe auch Links unterhalb des Artikels).

Auf ihre Initiative hin wurden bereits mehrere hundert Menschen in ganz Deutschland in der hochentwickelten Echoortungstechnik unterrichtet. Genauso wichtig für eine uneingeschränkte Mobilität: der sehr frühe Umgang mit dem Blindenstock. Deshalb wurde vom Verein eigens ein besonderer Blindenstock für Kleinkinder entwickelt.

In Österreich wurde Klicksonar inzwischen vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur auf breiter Basis eingeführt, um die Technik blinden Österreichern zu vermitteln. „In Österreich traf unsere Arbeit schnell auf offene Ohren. Wir arbeiten daran, diese Unterstützung auch in Deutschland zu bekommen“, so Zimmermann. Auch in der Schweiz planen die Eltern eines blinden Kindes einen ersten Workshop im Frühjahr 2014.

Deutschland – Land der Ideen

Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und die Deutsche Bank zeichnen im Rahmen des Wettbewerbs gemeinsam Ideen und Projekte aus, die Lösungen für die Herausforderungen der Städte und Regionen von morgen bereithalten.

Susanne Wendlandt von der Deutschen Bank überreichte Ellen Schweizer und Steffen Zimmermann die Auszeichnung als „Ausgezeichneter Ort 2013/14“ und betonte: „Mit seiner Mobilitätsförderung trägt der Verein ‚Anderes Sehen‘ erfolgreich und vorbildlich dazu bei, dass das Leben in unseren Städten so vielfältig, bunt und lebendig ist wie seine Bewohner. Berlin geht mit positivem Beispiel voran, dass Motivation und Engagement die besten Voraussetzungen für Integration sind.“

Steffen Zimmermann, Vorsitzender des Vereins, kommentierte die Auszeichnung: „Wir sind sehr stolz, ein ‚Ausgezeichneter Ort‘ im Land der Ideen zu sein und damit eine Lösung für das Leben in der Stadt von morgen aufzeigen zu können. Die Anerkennung bringt blinden Kindern unsere Vision einer „chancengleichen Umwelt für alle“ ein Stück näher. Der Preis ist für uns ein wichtiger Schritt, um in Politik und Verwaltung mitgestalten zu können. Wir fordern aktualisierte Standards in der Förderung und Unterstützung blinder Kinder.“

(PM)

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