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Knappes Taschengeld: Haben sich Behinderte prostituiert?

Niedersachsens größte Einrichtung für behinderte Menschen – die Diakonie Himmelsthür – wird von einem möglichen Sex-Skandal erschüttert.

Diakonie Himmelsthür (Foto: Peter Steffen dpa)

Nach Prostitutionsvorwürfen in der Diakonie Himmelsthür hat die Polizei Ermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs aufgenommen. Beamte hätten den Direktor der Diakonie, Pastor Ulrich Stoebe, sowie die Leiterin der betroffenen Wohngruppe befragt, sagte eine Sprecherin der Einrichtung auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd. Medienberichten zufolge haben sich behinderte Bewohner der Diakonie prostituiert, um damit ihr knappes Taschengeld aufzubessern.

Teilweise seien die Behinderten mit Zigaretten entlohnt worden. Die Vorwürfe waren von dem Vater einer Tochter erhoben worden, die in der Einrichtung lebt. Mehrere Betreuer sowie ein ehemaliger Zivildienstleistender bestätigten die Anschuldigungen. In der „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“ hatte der Zivi berichtet, dass ein 40-jähriger Bewohner der Diakonie Himmelsthür regelmäßig nach Köln gefahren sei, um sich zu prostituieren. Er sei dafür mit Zigaretten entlohnt worden. Auch sollen „schwarze Zuhälterlimousinen“ bei der Wohnanlage vorgefahren sein und bis zu vier Frauen auf einmal mitgenommen haben.

Bewusst weggeschaut?

Die Diakonie hatte daraufhin Anzeige wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von widerstandsunfähigen Personen erstattet. Dies wird laut Paragraf 179 des Strafgesetzbuches mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet. Schon der Versuch ist strafbar.

Es gebe bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass die Vorwürfe berechtigt seien, sagte Diakonie-Direktor Stoebe dem NDR. Auch den Leitungen der unterschiedlichen Wohngruppen seien keine entsprechenden Vorfälle bekannt. „Sollte sich allerdings herausstellen, dass Mitarbeiter bewusst weggeschaut haben, obwohl sie eigentlich die Bewohner schützen sollten, wäre ich erschüttert“, betonte der Pastor. Das müsse Konsequenzen nach sich ziehen.

Die Diakonie Himmelsthür ist die größte Einrichtung für behinderte Menschen in Niedersachsen. Sie wurde 1884 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Hildesheim. Landesweit gehören 20 Standorte mit rund 2000 Wohnplätzen für Menschen mit Behinderungen und 2400 Mitarbeitern dazu. In Hildesheim und Umgebung sind es 860 Bewohner und 800 Beschäftigte.

(dapd/RP)

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