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Konstantin Wecker: Zwischen Zärtlichkeit und Wut

Der 65-Jährige beruhigt ROLLINGPLANET: „Auch in meinem hohen Alter gehe ich immer noch auf Demonstrationen.“

Konstantin Wecker bei einem Konzert am 1. Juli 2010 im Stadtpark in Hamburg

Konstantin Wecker bei einem Konzert am 1. Juli 2010 im Stadtpark in Hamburg

„ Auch in meinem hohen Alter gehe ich immer noch auf Demonstrationen. Weil mich immer noch eine maßlose Wut überkommt, wenn ich lese, wie durch eine neoliberale Politik hemmungslos Staatseigentum in Europa privatisiert wird“, sagt Konstantin Wecker im Interview mit der Philosophie-Zeitschrift „Hohe Lust“. Der Liedermacher, der sich in all den Jahren seiner künstlerischen Karriere auch immer politisch engagierte, weiß: „Jeder Mensch hat einen wunden Punkt, etwas, das einen wütend macht. Vielleicht ist es bei mir Ungerechtigkeit.“

Doch nicht nur Ungerechtigkeit hat in der Vergangenheit zu Zorn und Ärger bei dem „singenden Rebellen“ geführt. Es schien fast so, als wäre er mit dem Gefühl der Wut tief verbunden. „Ich kenne mich als wütenden Menschen. Besonders in den Jahren als ich Drogen nahm, gab ich mich diesem Gefühl hin. Es war eine Art Abwehrmechanismus: Wenn ich mich bedroht fühlte, etwa weil ich eine Wahrheit nicht hören wollte, reagierte ich mit Wut. Meine Mutter war damals eine der wenigen, die mir ins Gewissen redete – und ich habe sie angebrüllt“, bekennt der gebürtige Münchner.

Der Zornpinkel hat sich ein wenig beruhigt

„Was war ich für ein Zornpinkel! Wegen jeder Kleinigkeit ging ich auf die Barrikaden.“ Die Geburt seiner Söhne in den Jahren 1997 und 1999 hat ihn verändert. „Ich habe gesehen, wie unglaublich ängstlich so kleine Kinder schauen können. Das ließ mich erkennen, was eine laute Stimme für eine Waffe sein kann“, sagt der mehrfache Preisträger.

Mittlerweile hat der 65-Jährige ein gesundes und sogar schöpferisches Verhältnis zu der starken Emotion: „Heute ist die Wut für mich eine notwendige Voraussetzung, um Kunst zu machen“, so der Musiker. „Ich singe in einem Lied: ‚Zwischen Zärtlichkeit und Wut tut das Leben richtig gut’. Denn ich habe erkannt, dass die ganze Bandbreite der Gefühle zum Leben gehört. Und dass es gut ist, wenn man diese Gefühle zulässt“, sagt Wecker.

(ots, Foto: Wikipedia/Vermtech. Gemeinfrei.)

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