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Konzept fürs Alter fehlt

(Foto: Ich und Du/pixelio.de)

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat ein Themenjahr gegen Altersdiskriminierung ausgerufen. ROLLINGPLANET veröffentlicht dazu einen Kommentar der „Rheinischen Post“.

Über die alternde Gesellschaft gibt es ein Missverständnis. Sie wird als Bedrohung wahrgenommen: Die Kosten in den Sozialsystemen explodieren, die Pflegekräfte müssen aus aller Welt geholt werden, und das kreative Potenzial des Landes erlahmt. Das ist das Horrorszenario. Der Prozess der alternden und schrumpfenden Gesellschaft vollzieht sich in Wahrheit aber langsam genug, dass die Menschen werden Schritt halten können, auch die Alten. Die politische Herausforderung besteht darin, Entscheidungen zu treffen, die über den Tellerrand einer Wahlperiode hinausreichen. Mit der Rente ab 67 ist dies beispielsweise gelungen. Nun gilt es, den Betroffenen die Chance zu geben, dass sie tatsächlich länger arbeiten können. Ein Themenjahr für das Alter ist dafür ein positiver Impuls. Es ist aber auch ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn die Macht einer Antidiskriminierungsbeauftragten ist begrenzt. Es entsteht auch kein gutes Bild für die Öffentlichkeit, wenn eine Beauftragte der Regierung allein ein Themenjahr ausruft und eine Kommission einsetzt, ohne dass ein Ministerium die Sache unterstützt. Gefragt wären Familien- oder Arbeitsministerium. Angesichts von so wenig Miteinander droht die Arbeit der Kommission am Ende in der Schublade zu verschwinden.

Themenjahr

[spoiler show=“Darum geht es der Antidiskriminierungsstelle des Bundes“] „Im besten Alter. Immer.“ Das ist unser Motto für das Jahr 2012, um Zuschreibungen wie „zu jung“ oder „zu alt“ in Frage zu stellen. Denn dahinter stecken oft Vorurteile, wie etwa, dass junge Menschen wenig Erfahrung hätten oder ältere nicht mehr flexibel seien. Nach einer repräsentativen Umfrage wissen wir: Jeder fünfte Mensch in Deutschland hat bereits Situationen erlebt, in denen er wegen seines Alters benachteiligt wurde. Deshalb hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2012 zum Themenjahr gegen Altersdiskriminierung erklärt.

Ziel des Themenjahres ist es, zu ermutigen, aufzuklären und Verbesserungsvorschläge zu machen. Ermutigen wollen wir etwa im Bereich Arbeitsmarkt, indem wir gute Beispiele aus der Praxis bekannt machen. Und wir haben Botschafterinnen und Botschafter gewonnen, die diesem Thema ein Gesicht geben und während der Aktionswoche im April vor Ort sein werden. Eine Expertenkommission wird Handlungsempfehlungen erarbeiten, die wir im Dezember vorstellen werden.

Warum setzen wir einen Schwerpunkt auf das Thema Alter? Alter ist eines von sechs Merkmalen, die das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt und wegen denen kein Menschen diskriminiert werden darf. Weitere Diskriminierungsgründe sind ethnische Herkunft, Behinderung, Religion bzw. Weltanschauung, sexuelle Identität und Geschlecht. Welche Form Diskriminierungen aufgrund des einzelnen Merkmals haben, ist nicht immer leicht nachzuvollziehen. Deshalb haben wir uns entschieden, in jedem Kalenderjahr einen Schwerpunkt auf ein Merkmal zu setzen. Auftakt der in alphabetischer Reihenfolge geplanten Themenjahre macht 2012 das Alter.

Quelle: www.antidiskriminierungsstelle.de

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