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Kostenexplosion und Korruptionsverdacht beim Berufsförderungswerk Hamburg

Neubau (Wohnheim) des BFW Hamburg

Im BFW Hamburg ist es offenbar zu Verstößen gegen Ausschreibungsrichtlinien gekommen. Bei dem Vorgang in dem städtischen Unternehmen habe es auch persönliche Verflechtungen zwischen einer Mitarbeiterin des Unternehmens und einem Vertragspartner gegeben. Die für Korruptionsbekämpfung zuständige Stelle der Stadt Hamburg, das Dezernat Interne Ermittlungen, hat angekündigt, den Fall zu untersuchen.

(ots) – Das 1962 gegründete Berufsförderungswerk Hamburg ist in der Stadt eine Reha-Institution. Dementsprechend sagt man selbstbewusst: „Wir verstehen uns heute als modernes, werteorientiertes Dienstleistungsunternehmen im sozialen Bereich. Unverändert bleibt unser Ziel: Wir wollen gesundheitlich beeinträchtigten Erwachsenen neue Perspektiven für Arbeit und Beruf eröffnen. Denn am Arbeitsleben dauerhaft teilzuhaben, bedeutet auch, der Gesellschaft anzugehören.“ Das Haus nennt seine Qualifizierungs- und Integrationsangebote stolz „Methode BFW Hamburg“.

Die „Methode BFW Hamburg“ scheint nicht immer ganz korrekt zu sein, glaubt man aktuellen Vorwürfen. Das staatliche Unternehmen wird derzeit genauer unter die Lupe genommen. Das berichtet das Regionalmagazin „Hamburg Journal“ im NDR Fernsehen.

4-Mio.-Auftrag ohne Ausschreibung

Hintergrund ist die Erneuerung der Datenverarbeitung beim Berufsförderungswerk. Für solche Projekte hat die Stadt zur Kostenminimierung und -kontrolle einen Generalvertrag mit T-Systems geschlossen. Als Subunternehmer ist hier auch die Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting (SMC) eingebunden. Entsprechend sind diese beiden Firmen auch mit der Softwareeinführung im Berufsförderungswerk betraut. Im Zuge des Projekts sei es aber über das vorgesehene Auftragsvolumen hinaus zu mehreren direkten Auftragsvergaben an SMC sowie eine weitere Beratungsfirma über insgesamt vier Millionen Euro gekommen – ohne die sonst übliche Ausschreibung.

„Häusliche Lebensgemeinschaft“ der beiden Vertragspartner

Unterzeichnet wurden die Aufträge zum Teil von der Geschäftsführerin des Berufsförderungswerkes sowie einem hochrangigen Manager bei SMC. Beide leben nach Informationen des „Hamburg Journal“ seit Jahren in einer häuslichen Lebensgemeinschaft. Die ursprünglich für das Projekt veranschlagten Kosten haben sich nach NDR Angaben inzwischen vervierfacht.

Die Geschäftsführerin des Berufsförderungswerkes und SMC bestätigten die persönliche Beziehung der verantwortlichen Projektleiter. Aus diesem Grund sei der Mitarbeiter von SMC vor wenigen Tagen von dem Projekt abgezogen worden. Für die zusätzlichen Aufträge an SMC, über deren Höhe sich die Verantwortlichen nicht äußern wollten, seien laut Berufsförderungswerk keine Ausschreibungen notwendig gewesen. Mittlerweile hat der Aufsichtsrat des Berufsförderungswerkes eine interne Untersuchung der Vorfälle angeordnet.

Mitarbeiter von Kurzarbeit bedroht

Die Vorgänge um die Softwareeinführung im Berufsförderungswerk belasten das Unternehmen. Die städtische Firma sei dadurch in Schieflage geraten, so der NDR, da die Teilnehmerzahlen für die beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen im Zuge der Wirtschaftskrise dramatisch eingebrochen seien. Einem Teil der 450 Mitarbeiter stehe wahrscheinlich Kurzarbeit bevor.

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