Kündigung einer Demenz-WG: Käthe soll weg

Neuer Vermieter will offensichtlich eine höhere Miete erpressen. Zehntausende protestieren online.

Die 94-jährige demenzkranke Käthe wohnt mit 6 anderen – ebenfalls an Demenz erkrankten – alten Menschen in einem alten Fachwerk-Haus im Berliner Bezirk Steglitz. (Foto: Freunde alter Menschen e.V. - les petits frères des Pauvres)

Die 94-jährige demenzkranke Käthe wohnt mit 6 anderen – ebenfalls an Demenz erkrankten – alten Menschen in einem alten Fachwerk-Haus im Berliner Bezirk Steglitz. (Foto: Freunde alter Menschen e.V. – les petits frères des Pauvres)

Seit 2006 ist dieses Haus ein Ort, an dem Menschen trotz ihrer demenziellen Erkrankung ein würdevolles und auch häufig fröhliches Leben als Wohngemeinschaft der besonderen Art leben. Doch nun muss die Demenz-WG in der Albrechtstraße 54A in Berlin um ihr Zuhause bangen. Zehntausende protestieren im Netz. Eine Online-Petition namens „Kein Rauswurf der demenzkranken Käthe“ unterstützen derzeit mehr als 70.000 Menschen auf der Webseite change.org. Der Verein „Freunde alter Menschen“, der die Wohnung für Demenzkranke gemietet hat, fordert damit die Rücknahme einer Kündigung. Der neue Eigentümer, die Esplanaden Berlin Holding A/S mit Sitz in Dänemark, hat den Vertrag zu Ende November gekündigt.

„Natürlich wissen die 94-jährige Käthe und ihre (derzeit) sechs Mitbewohner noch nichts von dieser Entwicklung und alle sind bemüht, die neue Situation von ihnen fernzuhalten und weiterhin Normalität zu leben“, heißt es dort. Medien zufolge hat der Verein beim Amtsgericht Schöneberg gegen die Kündigung geklagt. Eine Gerichtssprecherin wollte sich dazu zunächst nicht äußern.

Der Geschäftsführer der deutschen Tochter der Holding, Niels Peter Nielsen betonte: „Wir sind nicht unzufrieden mit den alten Menschen als Mietern, sondern mit dem Verein.“ Demnach habe der sich unter anderem nicht um nötige Instandsetzungsarbeiten gekümmert. Man könne sich aber vorstellen, den Verein als Mieter zu behalten, wenn er seinen Verpflichtungen nachkomme oder mehr Miete zahle, damit Esplanaden selbst für die Ausbesserungen aufkommen könne.

Hier geht es zur Petition: change.org

(RP/dpa/bb)

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7 Kommentare

  • Thomas Hartmann

    Solche firmen und deren chefs gehören eingesperrt

    13. Oktober 2015 at 15:17
  • Bernd Höpfner

    eine riesen Sauerei aber wie kann man helfen?

    13. Oktober 2015 at 15:18
    • ROLLINGPLANET
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      Die genannte Petition unterschreiben…

      13. Oktober 2015 at 15:28
  • Conny

    absolute schweinerei !!!

    13. Oktober 2015 at 15:24
  • Joos

    Warum wird solchen Leuten nicht das Handwerk gelegt??

    13. Oktober 2015 at 15:25
  • Freunde alter Menschen Deutschland

    Danke für die Unterstützung!

    13. Oktober 2015 at 15:32
  • dasuxullebt

    Mal wieder typisch wie einseitig die Kommentare hier sind, und wie einseitig hier berichtet wird.

    Der Verein hat sich angeblich nicht um notwendige Instandhaltungsarbeiten gekümmert. Ist da etwas dran? Wenn ja, was genau? Und warum hat der ursprüngliche Vermieter überhaupt verkauft? Warum hat der Verein nicht von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht, das er normalerweise hat. Und dann ist es ja durchaus so, dass man Leute die hinreichend lange wo wohnen nicht einfach so rausschmeißen kann – und haben nicht behinderte Personen sogar zusätzlichen Schutz vor Kündigung?

    Das wären die interessanten Fragen hier; vor allem wären es die Fragen, die vielleicht zur Lösung beitragen. Was soll so eine Petition bitte bringen? Wenn der rechtmäßige Besitzer das Haus räumen lässt, dann darf er das, Petition hin oder her.

    Leider beschränkt sich die Berichterstattung hier wie gewohnt auf billigen Populismus, und auf den Beißreflex der Kommentatoren ist natürlich wie immer Verlass.

    13. Oktober 2015 at 20:16

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