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Kündigung vom Jobcenter? Bitte schauen Sie in Ihrer Zeitung nach

Auch das Ausland spricht nun über die „Hartz-IV-Rebellin“ Inge Hannemann. Von Lothar Epe

Inge Hannemann: wartet auf die schriftliche Kündigung (Foto: Screnshot)

Inge Hannemann: wartet auf die schriftliche Kündigung (Foto: Screnshot)

Versäumt ein Hartz-IV-Empfänger einen Termin beim Jobcenter, können seine Leistungen um zehn Prozent gekürzt werden. Will er oder sie eine vorgeschlagene Arbeitsstelle nicht annehmen, kann die Behörde die Leistungen um 30 Prozent kürzen, beim zweiten Mal sogar um 60 Prozent.

Inge Hannemann, bis vor kurzem Mitarbeiterin im Jobcenter Hamburg-Altona, findet das unmenschlich und willkürlich. Die gelernte Speditionskauffrau und studierte Journalistin weigerte sich, ihre Kunden zu sanktionieren, publizierte die Gründe dafür in ihrem Blog Altonabloggt und ist mit ihrer Kritik seit Wochen in vielen Medien.

„Ich habe mich nur noch geschämt“

„Auch ich habe in meiner Vergangenheit sanktioniert“, erklärt Hannemann, die wegen einer rheumatischen Erkrankung schwerbehindert ist. „Eine Dummheit, die ich heute umso mehr bereue, als mir klar wurde, was ich damit anrichte. Bei diesen Menschen habe ich mich persönlich entschuldigt und die Gespräche gesucht. Inzwischen sind mir die Gründe des Nichterscheinens bekannt. Es waren Menschen, die ich nicht an den Tisch bekommen habe.

Die Gründe für das Nichterscheinen waren die Ängste vor dem Jobcenter, vor einer neuen Arbeitsvermittlerin, die ja vermutlich nur wieder in einen Ein-Euro-Job vermitteln möchte. Eine Arbeitsvermittlerin, die einen ebenso großen Druck ausüben wird, wie sie zuvor erlebt haben. Gebrochene junge Menschen. Aussagen von Menschen, die ihr Leben vor sich haben. Ich habe mich nur noch geschämt und dieses auch so klar ausgedrückt.“

Die Zeitung kennt schon die Kündigung

In dieser Woche wurde die „Hartz-IV-Rebellin“ von ihrem Arbeitgeber, der Hansestadt Hamburg, „freigestellt“. Obendrauf bekam Hannemann zusätzlich ein Hausverbot für alle Jobcenter. ROLLINGPLANET war eines der ersten Onlinemagazine, das darüber berichtete – nun sorgt der Fall ebenso international für Schlagzeilen.

Wie der österreichische „Standard“ heute meldet, wurde Hannemann – keine Überraschung – nun auch gekündigt. Bemerkenswert: „Den endgültigen Rausschmiss“ hat Hannemann, wie sie dem „Standard“ erzählt, noch nicht schwarz auf weiß erhalten. Der Redakteurin einer deutschen Tageszeitung liege dagegen dieses Schriftstück bereits als Kopie vor. Wie es dazu gekommen ist, weiß Hannemann nicht.

(RP)

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2 Kommentare

  • Willi Schroeder

    Das ist die Willkür des Staates

    26. April 2013 at 16:21
  • Lothar Epe

    Im Moment sieht mir das danach aus, als wenn das „zuständige“ Sozialgesetzbuch sich nicht an das Grundgesetz halten würde.

    Und insofern dürfte das auch bei den Mitarbeitern der Fall sein, die das anders handhaben als Inge Hanneman, und das sind ja offenbar eine ganze Menge.

    Wie auch immer: Eine mutige Frau!

    LG Lothar

    5. Mai 2013 at 18:12

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