Kurz-Interview mit DBS-Chef Beucher: „Ich habe feuchte Augen gekriegt“

Friedhelm Julius Beucher, Verbandspräsident des Deutschen Behindertensportverbands, zieht ein positives Fazit der 14. Paralympics und distanziert sich von Wojtek Czyz.

Friedhelm Julius Beucher om Londoner Olympiastadion (Foto: Julian Stratenschulte dpa)

Mit Platz acht ist das deutsche Team wieder unter den Top Ten, wie fällt ihr Fazit der Spiele von London aus?

Das ist wunderbar, ich habe bei den Erfolgen unserer Athleten mehr als einmal feuchte Augen gekriegt. Wir sind glücklich, aber wir bleiben nur glücklich, wenn wir uns den Zukunftsaufgaben stellen. Hochleistungssport kann nicht mehr unter voller Ausübung eines Berufes gemacht werden. Etwa 80 Prozent unseres Teams sind noch Amateure. Wir müssen öffentliche Mittel und private Gelder gut einsetzen. Das Problem ist nicht mit Sparhaushalten zu lösen.

Der Eklat um Sprinter Wojtek Czyz und seinen Vorwurf der Vorteilnahme durch ein künstliches High-Tech-Knie gegen Heinrich Popow hat das Abschlusswochenende getrübt. Wie bewerten sie den Vorfall?

Das war nur ein Streiflicht, aber wir sind natürlich verärgert, wenn innerhalb der Mannschaft Leute aufeinander losgehen. Die sachliche Grundlage ist nicht vorhanden. Es gibt keinen Maulkorberlass und keine Sanktionen, aber Wojtek kriegt keinen Beifall.

Hat mit der Professionalisierung im Behindertensport auch der Konkurrenzkampf verstärkt Einzug gehalten?

Vor dem Wettkampf zeugt so ein Verhalten von Unprofessionalität, ist unfair und gehört sich nicht. Das sind die Niederungen des Hochleistungssports und erinnert an Verhaltensweisen wie bei Boxern, die sich wie zwei Kampfstiere gegenüberstehen. Ähnliche Negativbeispiele gibt es auch im Profifußball. Das ist nicht tolerabel. Ich liebe ja Leute, die querstehen, sich aber nur über das Querstehen zu definieren, ist etwas wenig. Dabei ist Wojtek ein Topathlet und hat das mit drei Medaillen nachhaltig unterstrichen.

(Britta Körber und Manuel Schwarz, dpa)


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