Landshut: Einer der größten deutschen Studiengänge für Gebärdensprachdolmetschen startet

Bayerns Behindertenbeauftragte Irmgard Badura betrachtet das als ihren Verdienst.

Studierende und der Landshuter Gehörlosenverein symbolisierten den Abbau von Kommunikationshürden mit Hilfe der Gebärdensprache. (Foto: Hochschule Landshut)

Studierende und der Landshuter Gehörlosenverein symbolisierten den Abbau von Kommunikationshürden mit Hilfe der Gebärdensprache. (Foto: Hochschule Landshut)

Für gehörlose Menschen sind Gebärdensprachdolmetscher sehr wichtig. Im Beruf, bei Behördengängen oder auch sonst im Alltag ist dies häufig die einzige Möglichkeit, mit der hörenden Welt zu kommunizieren. Aber es gibt in Deutschland auch einen eklatanten Mangel an Gebärdensprachdolmetschern.

Seit diesem Herbst bietet die Hochschule Landshut (Bayern) einen neuen Studiengang an. Er wurde gemeinsam mit den Verbänden der gehörlosen Menschen und der Berufsvertretung der Gebärdensprachdolmetscher erarbeitet. Mit 20 Studierenden in der ersten Phase ist er bereits jetzt einer der größten Studiengänge in diesem Fachbereich in Deutschland.

Irmgard Badura (Pressefoto)

Irmgard Badura (Pressefoto)

„Meine Idee ist Wirklichkeit geworden. Seit diesem Herbst können junge Menschen in Landshut Gebärdensprachdolmetschen studieren“, freut sich Irmgard Badura, Beauftragte der bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung. „Die Hochschule Landshut bietet einen sehr attraktiven und innovativen Studiengang an. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die schlechte Versorgung mit Gebärdensprachdolmetschern in Bayern mittelfristig zu verbessern.“

Am Mittwoch wurde der Studiengang feierlich mit geladenen Gästen aus Hochschule und Politik am Landshuter Campus eröffnet. Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler und Hochschulpräsident Prof. Dr. Karl Stoffel lobten die enge und konstruktive Zusammenarbeit der beiden staatlichen Institutionen bei der Entstehung des Studienangebots.

Lücke im Angebot der bayerischen Hochschulen

Der Studiengang ist in Süddeutschland laut einer Pressemitteilung einzigartig. Die Hochschule Landshut will damit dem akademischen Mangel begegnen und so auch eine Voraussetzung für eine Inklusion in Bayern und darüber hinaus schaffen. Staatssekretär Sibler betont: „Das neue Studienangebot schließt eine Lücke im Angebot der bayerischen Hochschulen. Mit der akademischen Ausbildung zum Gebärdensprachdolmetscher können wir einen wertvollen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe für Menschen mit Behinderungen leisten. Denn die zukünftigen Absolventen helfen als Sprachmittler dabei, Barrieren in der Kommunikation zu überwinden.“

Ein Ziel des Studiengangs ist es, die Kultur der Gehörlosen zu vermitteln und somit zu einem guten Miteinander beizutragen. „Da Dolmetschen auch das Vermitteln zwischen Kulturen beinhaltet, erwerben die Studierenden nicht nur die notwendigen Sprach- und Dolmetschkompetenzen, sondern auch fundierte Kulturkenntnisse“, erklärt die Studiengangleiterin Prof. Dr. Uta Benner.

„Die Hochschule Landshut selbst, aber auch die Landespolitik haben hier in relativ kurzer Zeit Großartiges geleistet. Bis hin zu einer richtig guten Teilhabe von gehörlosen Menschen in Bayern ist es noch ein weiter Weg. Ein wichtiger Schritt ist dieser Studiengang. Durch eine bessere Versorgung mit Gebärdensprachdolmetschern erhoffe ich mir auch eine bessere Beteiligung dieser Bevölkerungsgruppe. Dabei sind die Dolmetscher auch Mittler hin zur Kultur der gehörlosen Menschen, die gepflegt, bewahrt und bekannter gemacht werden muss“, so Irmgard Badura abschließend.

Weitere Informationen: www.haw-landshut.de/gebaerdensprachdolmetschen

(RP/PM)

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