Lebenshilfe-Gründer gestorben: Warum Tom Mutters ein echter Held war

Er wurde 99 Jahre alt – „eine der ganz großen Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte ist von uns gegangen.“

Tom Mutters starb am 2. Februar 2016 in Marburg. (Foto: Lebenshilfe/Michael Bause)

Tom Mutters starb am 2. Februar 2016 in Marburg. (Foto: Lebenshilfe/Michael Bause)

Der Gründer und Ehrenvorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe, Dr. med. h.c. Tom Mutters, ist im Alter von 99 Jahren in Marburg gestorben. Das teilte die Organisation am Dienstag mit. Der gebürtig Niederländer hatte die Selbsthilfeorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien im Jahr 1958 in Marburg gegründet, zusammen mit Fachleuten und Eltern. Mutters habe zudem maßgeblichen Anteil an der Gründung der ZDF-Fernsehlotterie „Aktion Sorgenkind“, die heute „Aktion Mensch“ heißt.

Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, erklärte: „Heute empfinden wir alle in der Lebenshilfe tiefe Trauer. Tom Mutters war für uns ein echter Held, und er wird es immer bleiben. Nach dem furchtbaren Krieg, in dem etwa 300.000 kranke und behinderte Menschen als lebensunwert von den Nazis verfolgt und ermordet wurden, war es Tom Mutters, der die Familien dazu brachte, ihre geistig behinderten Kinder nicht mehr zu verstecken“.

„Hinwendung zum Nächsten“

Als UNO-Beauftragter für „Displaced Persons“ – so der Ausdruck für Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und andere Menschen, die von den Nazis verschleppt worden waren – lernte Tom Mutters in der Nachkriegszeit das Elend geistig behinderter Kinder in den Lagern und in der hessischen Anstalt Goddelau kennen. Er sagte einmal: „In ihrer Hilflosigkeit und Verlassenheit haben diese Kinder mir ermöglicht, den wirklichen Sinn des Lebens zu erkennen, und zwar in der Hinwendung zum Nächsten.“

„Tom, der Gründer“, wie er genannt wurde, war über Jahrzehnte der Motor der Lebenshilfe. In den Anfangsjahren reiste er kreuz und quer durch die Republik und brachte die Lebenshilfe-Botschaft in jeden Winkel des Landes: Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung gehören ohne Wenn und Aber dazu. Sie sind ein wertvoller Teil der Gesellschaft – sie brauchen nur mehr Unterstützung als andere. Das war seine Botschaft.

„Eine der ganz großen Persönlichkeiten“

Ein erstes großes Ziel der Lebenshilfe war erreicht, als in den 1960er- und 1970-Jahren die Schulpflicht schrittweise für geistig behinderte und schwer mehrfach behinderte Kinder eingeführt wurde. Bis dahin galten sie als bildungsunfähig. Auch als 1989 die Mauer fiel, wurde in Tom Mutters wieder der alte Pioniergeist wach. Es dauerte kein Jahr, da gab es schon rund 120 neue örtliche Lebenshilfen im Osten Deutschlands: von Annaberg-Buchholz bis Zeulenroda. Die Lebenshilfe hat nach eigenen Angaben deutschlandweit heute rund 130.000 Mitglieder.

„Mit Tom Mutters“, so Schmidt, „ist eine der ganz großen Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte von uns gegangen.“

(RP/PM/dpa/lhe)

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3 Kommentare

  • Alexandra Görner

    Gut, dass er die Lebenshilfe gegründet hat !

    2. Februar 2016 at 18:13
  • Josef Winter

    Der war echt super

    3. Februar 2016 at 07:57
  • Stefan Himbert

    Der kommt nie zur Ruhr wenn er Wüste was in seiner Lebenshilfe so alles läuft. Eltern werden nicht gehört ! Und dann noch isoliert ! = Inklusion

    3. Februar 2016 at 21:35

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