Lebenshilfe hat eine neue Vorsitzende und einen neuen Namen

(Fast) sowjetische Verhältnisse: Die frühere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt bekam fast 90 Prozent der Stimmen. Der Verband verzichtet außerdem ab sofort auf „geistig Behinderte“ in seinem Namen.

Die Neue. der Alte und gemischte Gurken: Ulla Schmidt folgt auf Robert Antretter (Mitte) (Foto: Rolf K. Wegst)

Ulla Schmidt (SPD) aus Aachen ist erwartungsgemäß (ROLLINGPLANET berichtete) neue Vorsitzende der Lebenshilfe. Sie wurde heute auf einer Delegiertenversammlung in Marburg mit 89,64 Prozent der Stimmen für vier Jahre gewählt. Die 63-Jährige löst den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Robert Antretter ab. Der 73-Jährige kandidierte nach zwölf Jahren an der Spitze nicht mehr und ist nun Ehrenvorsitzender. Dem neuen Bundesvorstand gehört auch der Präsident des Bundessozialgerichts, Peter Masuch aus Kassel, an.

Willkommenskultur erwünscht

Schmidt – Lehrerin für Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt Rehabilitation lernbehinderter und erziehungsschwieriger Kinder – nannte als Hauptaufgaben die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und die Inklusion, also das gemeinsame Lernen und Leben von behinderten und nichtbehinderten Menschen: „Wir müssen Verbündete finden, um Menschen mit Behinderung noch stärker in die Mitte unserer Gesellschaft zu holen.“ Mit der Lebenshilfe wolle sie die Strukturen der Gesellschaft so verändern, „dass eine Willkommenskultur herrscht, dass jede und jeder das Beste aus seinem Leben machen kann, dass jede und jeder am Tisch Platz haben kann“.

Neuer Name für den Verband

Neben der Neuwahl wurde auf der Mitgliederversammlung auch über einen neuen Verbandsnamen entschieden. Statt „Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung“ wird die Selbsthilfeorganisation in Zukunft nur noch „Bundesvereinigung Lebenshilfe“ heißen. Der neue kurze Name, der im Zeichen der Inklusion Offenheit für alle Menschen signalisieren soll, wurde nach engagierter Debatte mit 81,16 Prozent der Stimmen angenommen.

Mit 135.000 Mitgliedern zählt die Lebenshilfe zu den größten deutschen Selbsthilfeorganisationen.

(dpa/RP)

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1 Kommentar

  • Michael Ziegert

    Der Name, „der im Zeichen der Inklusion Offenheit für alle Menschen signalisieren soll“.
    Tja, liebe Lebenshilfe, da sieht man mal wieder, dass das Wort „Inklusion“ mittlerweile auch völlig sinnfrei verwendet wird. Denn „Hilfe zum Leben“ – was Lebenshilfe ja wohl heißen soll – bedeutet bei näherer Betrachtung keineswegs, dass da Leute auf Augenhöhe miteinander umgehen. Da wäre ein noch größerer Schritt nach dem Vorbild von „Aktion Sorgenkind“ wird „Aktion Mensch“ meines Erachtens sinnvoll gewesen.

    Vielleicht liest hier jemand mit, der von der „engagierten Debatte“ berichten kann?

    23. September 2012 at 09:06

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