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„Lebenstraum inklusive“: Keine Zweckgemeinschaft, sondern eine WG

Am Freitag startet ein bislang einmaliges Wohnprojekt mit Behinderten und Studierenden in Sachsen-Anhalt.

Innenhof des Konvikts (Foto: Schlesisches Konvikt)

Innenhof des Konvikts (Foto: Schlesisches Konvikt)

In Halle eröffnet ein bisher in Sachsen-Anhalt einzigartiges Wohnprojekt mit sieben überwiegend mehrfach behinderten Menschen im Alter von 25 bis 35 Jahren und 60 Studierenden. Bei Sachsen-Anhalts erster selbstbestimmten Wohngemeinschaft für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf sollen sich Behinderte und Nichtbehinderte im gemeinsamen Wohnen unter einem Dach gegenseitig bereichern, teilte Projektleiterin Claudia Schmidt in der Saalestadt mit.

Sämtliche behinderten Bewohner sind rund um die Uhr auf Begleitung und Betreuung angewiesen. Bislang habe jemand, der durch seine Behinderung einen hohen Unterstützungsbedarf hat, vergeblich in Sachsen-Anhalt nach Angeboten für ein selbstbestimmtes Wohnen suchen müssen. Um dies zu ändern, wurde ein bereits bestehenden Studienhaus (Konvikt) für mehr als 400.000 Euro umgebaut.

Gefördertes Projekt

Träger des Projekts sind die evangelische Stiftung Schlesisches Konvikt in Kooperation mit dem Verein „Lebens(t)raum“ aus Halle. Die Räume der Wohngemeinschaft haben laut Schmidt eine Grundfläche von insgesamt 338 Quadratmetern. Die Kosten für die barrierefreie Umgestaltung des Konvikts betrugen mehr als 400.000 Euro.

Vor fast genau einem Jahr begannen die Umbauarbeiten (Foto: Schlesisches Konvikt)

Vor fast genau einem Jahr begannen die Umbauarbeiten (Foto: Schlesisches Konvikt)

Das Projekt wurde gefördert durch das Programm „Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Lotto-Totto GmbH Sachsen-Anhalt.

Auf ihrer Webseite schreiben die Initiatoren:

„Wer in Halle durch seine Behinderung einen hohen Unterstützungsbedarf hat, kann entweder bei seinen Angehörigen oder im Heim wohnen. Angebote zum selbstbestimmten Wohnen in den eigenen vier Wänden gibt es hier nicht. Das soll sich ändern!

Wir bauen um, damit bei uns bald sieben Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf bis ins hohe Alter selbstbestimmt wohnen können. Doch bei uns bedeutet dies nicht nur, gemeinsam mit den Studierenden unter einem Dach zu wohnen, sondern auch gemeinsam zu leben und an unserem kulturellen und geselligen Leben teilzuhaben.

Wir werden einander im Garten begegnen, zusammen grillen, Hausmusikabende und Sommerfeste feiern, Plätzchen backen oder beim Public Viewing in unserm Garten den Toren entgegenfiebern. Im Zusammenleben und gegenseitiger Unterstützung werden wir einander bereichern.“

Studierende kümmern sich ehrenamtlich

Die Behinderten teilen sich Leistungen eines Pflegedienstes, Studierende kümmern sich um sie ehrenamtlich vor allem im Freizeitbereich. Das Modellprojekt mit dem Titel „Lebenstraum inklusive“ wird am Freitag mit einem Gottesdienst eröffnet.

(RP)

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1 Kommentar

  • Silke Schneider

    Wow, ich bin begeistert von dieser Art zu wohnen. Ich selbst habe vor Jahren versucht ein ähnliches Projekt in Rostock ins Leben zu rufen, was leider nicht geklappt hat.
    Heute lebe ich barrierefrei in einem Wohnprojekt, was nicht speziell für Menschen mit und ohne Behinderung ausgelegt ist, aber trotzdem sehr viel Wert auf nachbarschaftliche Unterstützung und Miteinander legt.

    18. Oktober 2013 at 10:42

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