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Leichtathletik-Revolution: Paralympicsgewinner Rehm siegt gegen Nichtbehinderte

Der gehandicapte Weitspringer sorgt für eine Sensation – und Chaos.

Markus Rehm gewann Gold bei den Paralympics 2012 in London – jetzt macht er auch die Normalos fertig. Da sind Proteste vorprogrammiert. (Foto: dpa)

Markus Rehm gewann Gold bei den Paralympics 2012 in London – jetzt macht er auch die Normalos fertig. Da sind Proteste vorprogrammiert. (Foto: dpa)

Der unterschenkelamputierte Weitsprung-Weltrekordler Markus Rehm hat seinen ersten Wettkampf mit nichtgehandicapten Athleten gewonnen. Der 25-Jährige stellte bei den Nordrhein-Meisterschaften in Leverkusen am Samstag mit 7,61 Metern zudem einen deutschen Hallenrekord in seiner Klasse auf.

Zunächst wurde der Leverkusener aber aus der Wertung genommen und der nichtgehandicapte Tobias Alt mit 6,96 Metern als Sieger in den Ergebnislisten geführt. Am Sonntag wurde bekanntgegeben, dass die Entscheidung revidiert wurde und Rehm auch offiziell der Sieger ist.

„Da bleibt Gesprächsbedarf“

„Was für ein durcheinander! Mein erster Wettkampf in Konkurrenz mit den nichtgehandicapten Athleten war alles andere als unkompliziert. Schöner Einstieg in das Wettkampf-Jahr 2014 und ein großes Zeichen der Schiedsrichter und des Verbandes. Danke dafür, aber ich denke da bleibt Gesprächsbedarf!“, schrieb Rehm auf seiner Facebook-Seite.

Paralympics-Sieger Rehm will es dem südafrikanischen Prothesen-Sprinter Oscar Pistorius gleich tun und auch bei Wettkämpfen der Nichtbehinderten starten. In diesem Jahr peilt er einen Start bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften an. Bis jetzt aber schließt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) Athleten, die Prothesen oder weitere Technologien benötigen, von Wettkämpfen gegen Nichtgehandicapte aus (ROLLINGPLANET berichtete: Markus Rehm: Sensationell wie einst Bob Beamon – aber nicht jedem passt das.)

(dpa)

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3 Kommentare

  • Udol

    Ich finde auch als Behinderter die Kritik durchaus berechtigt. Beim Weitsprung z.B. kommt es durchaus auf die sportliche Technik an, entscheidend ist aber die Sprungkraft in den Beinen. Wenn man aber Prothesen statt Beinmuskeln hat, verschafft man sich evtl. einen Vorteil, denn die Prothesen können theoretisch eine höhere Sprungkraft haben als menschliche Muskeln es jemals haben könnten. Ihr könnt euch die Folgen selber ausmalen: Zum einen haben Behinderte aus Entwicklungsländern mit fast zwangsläufig schwächerer Ausstattung keine Chance gegen westliche Highend-Prothesensportler. Zum Anderen können Behinderte wieder ausgeschlossen werden, diesmal, weil sie sich einen Vorteil verschaffen, der nichts mit Training, Disziplin oder sportlicher Leistungsfähigkeit zu tun hat.

    20. Januar 2014 at 11:26
  • Michael Heil

    Da sieht mal wieder die ganze Tragik unserer Gesellschaften… Tritt man aus seinem Bereich heraus und vergleicht sich mit anderen, heißt es bei unvorhergesehenem Erfolg: die hat ja beim Gesangswettbewerb den Mitleidsbonus, oder der rennt oder springt schneller und höher wegen Technikvorteilen. Dass die ganze verlogene Bande sich seit jahrzehnten mit Doping bescheißt, ist eine Sache. Dann aber auch noch beleidigt sein, dass einer, der da bisher schön aufgehoben im Behindertensport nebenher lief, jetzt anderen die Butter vom Brot streicht, ist eine Schwäche, die wir uns nicht leisten sollten. So wird Inklusion nix…….

    22. Januar 2014 at 16:44
  • Dani

    Daumen hoch und volle Zustimmung für Michael.

    Solange wir schön bei „unserem“ Sport bleiben, werden wir so bewundert, weil wir ja ach so tolle Leistungen bringen. Aber sobald jemand in die „Sphären“ der Nichtbehindertensports vorstößt, bekommt man es mit der Angst zu tun. Und es kann natürlich kaum sein, dass ein Mensch m. Behinderung da mithalten kann, das muss ja fast zwangsläufig der technische Vorteil sein.

    Es ist wie so oft „Wo ein Wille, da auch ein Weg“. Aber einfacher ist es ja, erstmal vorsorglich auszuschließen…

    22. Januar 2014 at 20:13

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