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Leichtathletik: „Wir reden nicht von Inklusion, wir leben Inklusion“

Erfolgreich, obwohl es vorher Sorgen gab: Erstmals ermittelten die Leichtathleten aus Niedersachsen/Bremen ihre Meister in Hannover gemeinsam mit dem Behinderten-Sportverband Niedersachsen (BSN).

Diskuswerfer Sebastian Dietz feierte einen Weltrekord (Foto: SV Ahle)

Das Experiment unter dem Motto „Wir reden nicht von Inklusion, wir leben Inklusion“ ist nach Angaben der Organisatoren geglückt.

Und die sind nach dem vergangenen Wochenende erleichtert. „Wer Neuland betritt, ist nicht vor Sorgen und Ängsten gefeit“, heißt es in einem Bericht des Niedersächsischen Leichathletik-Verbandes: „Und so ging es natürlich auch den Verantwortlichen der ersten gemeinsamen Landesmeisterschaften. Klappt die Wettkampforganisation, können die Anforderungen an die Logistik gehalten werden, geht das Neben- und Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Athleten und Athletinnen? Am Abend des ersten Wettkampftages konnten dann alle erleichtert und befreit aufatmen: das Experiment ist gut angelaufen.“

„Wir haben mit diesen Meisterschaften bei den Menschen und den Medien große Aufmerksamkeit erregt. Die anderen Landesverbände haben auf uns geschaut“, erklärte Rita Girschikofsky als Präsidentin des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes. „Unsere Sportler hatten bislang kaum Gelegenheit, sich vor einer solch engagierten Zuschauerkulisse zu präsentieren. Super“, sagte Anders Spielmeyer, der Leistungssport-Koordinator im BSN.

Weltrekord für Sebastian Dietz

Bei den Behindertensportlern setzte der 27-Jährige Sebastian Dietz (SV Ahle, T/F 36) im Diskuswurf den Höhpunkt des ersten Wettkampftages. Die geworfenen 39,62 Meter im letzten Versuch bedeuteten nicht nur Deutschen Rekord in seiner Startklasse, sondern auch eine Verbesserung der alten Weltrekordmarke um 64 Zentimeter und zudem einen großen Schritt für Dietz in Richtung Paralympics-Teilnahme im August in London.

Wer ist dieser Dietz? Nach einem schweren Autounfall mit mehreren gebrochenen Rückenwirbeln drohte eine Querschnittslähmung. Aber der damals 19-Jährige rappelte sich auf und lernte wieder zu laufen. Dennoch blieb er in seinen Bewegungen eingeschränkt. So sind keine Drehungen im Wurfkreis möglich, vielmehr schleudert er den einen Kilogramm schweren Diskus stehend aus der Schnellbewegung des rechten Arms und Oberkörpers heraus. Auch der linke Arm ist nicht richtig belastbar.

Anna-Lena Freese (Foto: Privat/Facebook)

Bei den Nichtbehinderten erzielte Sprinterin Anna-Lena Freese vom FTSV Jahn Brinkum das beste Resultat. Die 200 m-Spezialistin siegte über 100 Meter unangefochten in 11,84 Sekunden, profitierte dabei aber von einer großen Rückenwind-Unterstützung. Schnellster Mann war am Samstag und Sonntag in Hannover Jannik Rehbein vom FSV Sarstedt. Er feierte über 100 Meter (10,85 Sekunden) und 200 Meter (22,08 Sekunden) einen Doppelsieg.

Das kühle und nasse Wetter verhinderte Spitzenleistungen. Zudem waren einige Top-Athleten wie 800 Meter-Läufer Sören Ludolph (LG Braunschweig) und Hochspringer Eike Onnen (LG Hannover) nicht am Start. Onnen übersprang bei einem Meeting in Regensburg 2,26 Meter.

(dpa/lni/RP)

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1 Kommentar

  • Ernst - Werner Dietz

    ich frage mich wo bleibt das öffentliche Interesse an solchen Leistungen, weder die
    Bildzeitung (die haben mehr interesse an den Freundinen der Fußballspüieler) noch sonst einen Überregionale Presse hat sich da für intressiert, was ein Junger Mensch da leisten muss.
    Wo bleiben unsere Politiker?????
    Ich sage zu Sebastian, nur weiter so.

    8. Juli 2012 at 08:53

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