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Lieblinks (43): Kunstwerke von Mund- und Fußmalern

Die Künstler stellen auf ihrer neuen Webseite beeindruckende Arbeiten vor. Anlass für ROLLINGPLANET, an Erich Stegmann zu erinnern.

Mit dem Pinsel im Mund gemalt: Flotter Dreier von Erich Stegmann (Foto: VDMFK)

Mit dem Pinsel im Mund gemalt: Flotter Dreier von Erich Stegmann (Foto: VDMFK)

Der Künstler: Erich Stegmann (1912–1984) (Voto: VDMFK)

Der Künstler: Erich Stegmann (1912–1984) (Voto: VDMFK)

Sie sind eine ebenso ungewöhnliche wie beeindruckende Kunstszene: Mund- und Fußmaler. Kreative, die mit dem Pinsel im Mund oder zwischen den Zehen ihre Bilder erschaffen, weil es ihnen aufgrund einer Behinderung von Geburt an, durch Krankheit oder Unfall nicht möglich ist, ihre Hände zu benutzen.

Einer der ersten Unternehmer in Deutschland, der diese faszinierende Kunstrichtung unterstützte, war Michael Heil, rollstuhlfahrender Geschäftsführer der Firma Rehability (auch wichtigster Sponsor von ROLLINGPLANET). Über seine Stiftungsinitiative „Brave Art zur Förderung talentierter junger Behinderter in der Kunst“ trommelte er hierzulande bereits vor Jahren für die Mund- und Fußmaler und organisiert regelmäßig Stipendien und Ausstellungen.

Neue Webseite mit Online-Shop

Nun gibt es eine neue Webseite der Mund- und Fußmalende Künstler Verlag GmbH in Stuttgart, die ROLLINGPLANET (gerade jetzt, aber beileibe nicht nur für die Last-Minute-Einkäufe vor Weihnachten gerne empfiehlt): Der Eigenverlag der „Vereinigung der Mund- und Fussmalenden Künstler“ (VDMFK) vertreibt über www.mfk-verlag.de Artikel mit Reproduktionen von mund- und fußgemalten Motiven. Der Erlös kommt den Künstlern zugute.

Der Gründer der VDMFK war Arnulf Erich Stegmann (1912–1984), der mit zwei Jahren an Kinderlähmung erkrankte. Schon früh begann er, mit dem Stift oder Pinsel im Mund zu schreiben und zu malen. Seine sozialkritischen Bilder brachten ihm 1934 eine 15-monatige Inhaftierung wegen „staatsfeindlicher“ Gesinnung ein. Auch nach seiner Entlassung im März 1936 behielten die Nazis ihm im Auge – Stegmann flüchtete vor ihnen nach St. Jodok am Brenner.

Im Jahr 1957 gründete Stegmann in Liechtenstein die VDMFK mit 18 Mitgliedern. Bis zu seinem Tod im Jahr 1984 gehörten der Vereinigung 200 Mund- und Fußmaler aus 37 Ländern an. Heute sind es nahezu 850 Künstler in 77 Ländern, die in der Vereinigung organisiert sind.

Das war Arnulf Erich Stegmann

Über den Gründer der VDMFK
Es gibt Menschen, die es trotz großer Schwierigkeiten schaffen, Herr ihres Schicksals zu werden und große Dinge zustande bringen: Im Jahr 2012 wäre Arnulf Erich Stegmann (1912–1984) 100 Jahre alt geworden. Wenn wir auf sein Leben zurückblicken, sehen wir viele Hindernisse, die er scheinbar mühelos überwunden hat, und zudem konnte er noch eine weltweite Organisation gründen.
Der erste Schicksalsschlag traf A. E. Stegmann, als er zwei Jahre alt war und durch Kinderlähmung den Gebrauch seiner Hände verlor. Schon früh begann er, mit dem Stift oder Pinsel im Mund zu schreiben und zu malen. Sein künstlerisches Talent und der unbändige Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit ermöglichten es ihm, an der Fachhochschule für Buchgewerbe und Grafik in Nürnberg zu studieren. Bereits mit 20 Jahren begann er, seine Künstlerkarten und Grafiken im Eigenverlag zu vertreiben, und konnte so von seiner Kunst leben. Die Themen seiner Bilder waren jedoch nicht immer für das breite Publikum geeignet, denn er malte recht sozialkritische Bilder. Diese Bilder brachten ihm 1934 eine 15-monatige Inhaftierung wegen staatsfeindlicher Bilder ein. Nach seiner Entlassung im März 1936 verließ er Nürnberg und zog nach Deisenhofen in der Nähe von München.
Die Zeit bis zum Kriegsende
Als er nach dem Gefängnisaufenthalt den Pinsel wieder in den Mund nahm, stellte er fest, dass sich seine starke Halsmuskulatur zurückgebildet hatte und er den Pinsel nicht wie bisher führen konnte. Es dauerte zwei Monate, bis er wieder denselben Leistungsstand wie vor seiner Inhaftierung erreicht hatte. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs blieb Stegmann unter Beobachtung der Nationalsozialisten, die ihm das Malen und Publizieren seiner Werke untersagten und ihn verfolgten. Anfang 1944 floh er nach St. Jodok am Brenner. Dort blieb er sechs Monate lang. Danach reiste er an den Bodensee weiter und von dort an den Chiemsee, wo er sich bis Kriegsende versteckt hielt. Er verbrachte die Zeit – trotz Verbots – mit Malen.
Neustart in Deisenhofen
Nach dem Krieg kehrte Stegmann wieder nach Deisenhofen zurück und heiratete in zweiter Ehe Traudl Billmeier, mit der er später zwei Kinder hatte. Während seiner Zeit auf der Flucht war ihm schon klar geworden, dass die Nachkriegszeit für ihn finanziell schwierig werden würde, denn wer hatte in dieser Zeit Geld für Kunst? Außerdem war das Papier knapp und er konnte keine Karten drucken lassen. Aber Not macht erfinderisch: Bei einem Schreiner ließ sich Stegmann kleine Holztafeln in Kartenformat anfertigen, auf denen er mit Bleistift das Bild vorzeichnete und anschließend kolorierte. So entstanden kleine Gemälde, die sich wunderbar in Souvenirläden an die amerikanischen GIs verkaufen ließen. 1948 gründete er den Dennoch-Verlag in Deisenhofen und konnte seine Arbeiten wieder auf klassische Weise vervielfältigen. Dank der finanziellen Unabhängigkeit konnte Stegmann sich seinen nächsten Wunsch erfüllen: Reisen. Wie viele andere Maler war er von Italien fasziniert und bereiste mit seinem Fahrer und einem umgebauten Wohnwagen das Land so oft wie möglich.
„Weißt du, ich habe viel Glück.“ – Die Idee der VDMFK
An einem Tag im Jahr 1952 befand sich Stegmann in Burano in Italien und sagte zu seinem Assistenten: „Weißt du, ich habe so viel Glück. Ich kann mich und meine Familie selbst versorgen und nach Belieben verreisen. Aber was ist mit all den anderen Menschen auf der Welt, die behindert sind wie ich, die zwar Talent zum Malen haben, aber auf ihre Familien oder auf Sozialhilfe angewiesen sind, wenn sie überleben wollen? Wenn sie sich doch alle organisieren könnten!“ So entstand das Konzept, eine internationale Vereinigung von Künstlern zu gründen, die mit dem Mund oder dem Fuß malen. Wichtig erschien ihm, dass die Mitglieder ein gewisses künstlerisches Talent vorweisen und sie von den Einnahmen des Verkaufs leben konnten. So begann Stegmann seine Talentsuche rund um die Welt. Die meisten Künstler, die er besuchte, waren mit Stegmann auf einer Linie: Es komme nicht darauf an, wie das Bild entsteht, sondern einzig und allein darauf, dass künstlerische Ausdruckskraft zu erkennen sei. Die behinderten Künstler wollten kein Mitleid, sondern Anerkennung für ihre Arbeit.
Die Gründung der VDMFK
Im Jahr 1957 wurde in Liechtenstein dann schließlich die „Vereinigung der Mund- und Fussmalenden Künstler“ mit 18 Mitgliedern gegründet. Stegmann wurde auf Lebenszeit als Präsident der Vereinigung gewählt. Die Suche nach Künstlern ging dabei stetig weiter. Bis zu Stegmanns Tod im Jahr 1984 gehörten der Vereinigung bereits 200 Mund- und Fußmaler aus 37 Ländern an. Heute sind es nahezu 850 Künstler in 77 Ländern, die in der Vereinigung organisiert sind.

(Quelle: VDMFK)

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