Links und rechts, Kontrolle und Vertrauen

Verena Bentele begeistert beim Wirtschaftsforum in Kitzbühel die Business-Elite.

Die Paralympcis 2010 in Vancouver haben das Leben von Verena Bentele (hier nach dem Gewinn der Goldmedaille beim 1 km Klassik-Sprint der sehbehinderten Langläufer) verändert. (Foto: Julian Stratenschulte dpa)

Die Paralympcis 2010 in Vancouver haben das Leben von Verena Bentele (hier nach dem Gewinn der Goldmedaille beim 1 km Klassik-Sprint der sehbehinderten Langläufer) verändert. (Foto: Julian Stratenschulte dpa)

Die ehemalige Biathletin und Ski-Langläuferin Verena Bentele (gewann zwöf Mal paralymische Goldmedaillen und vier WM-Titel) findet Zeit, neben ihrem Job als Behindertenbeauftragte der Bundesregierung und Stadträtin der Stadt München Vorträge in eigener Sache zu halten: Die seit ihrer Geburt blinde 32-Jährige ist beim Quality Life Forum des Wirtschaftsforums in Kützbühel aufgetreten – und hat die Business-Elite begeistert. „Kontrolle und Vertrauen“ lautete ihr Thema, „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“ (so auch der Titel ihres im Februar erschienenen Buches) ist ihre Empfehlung.

Ihren Ratschlag unterstrich sie mit einer persönlichen Erfahrung: Am 10. Januar 2009 verließ sie sich bei den Deutschen Meisterschaften auf ihren sehenden Begleitläufer, der ihr zuruft, sie solle nach links in die Spur fahren. Aber da ist keine Spur. Bentele fliegt durch die Luft, schlägt auf etwas Hartem auf. Bei dem Sturz reißt sich Bentele das Kreuzband, bricht sich den rechten Ringfinger, Leber und eine Niere sind verletzt. Ihr Begleitläufer hatte links und rechts verwechselt. „Nach diesem Unfall erfuhr ich das erste Mal, wie es ist, wenn man Angst hat“, so Bentele.

„Daran denken, was man schon geschafft hat“

Sie verlor das Vertrauen in ihren Begleitläufer, das Vertrauen, mit hoher Geschwindigkeit Berge herunter zu fahren. Danach bewegte sie sich vorsichtiger durchs Leben als zuvor: „Ich versuchte, was ich bisher gar nicht an mir kannte, jeden Schritt zu kontrollieren; mir fehlte der Mut, einfach loszurennen.“

Dennoch habe sie sich dazu überwunden, ein Jahr später bei den Paralympics 2010 in Vancouver teilzunehmen – dort gewann sie fünfmal Gold. „Die Erfahrungen von Vancouver haben mich gelehrt, dass man mit jedem Hindernis, das man überwindet, an Stärke gewinnt. Hat man Schwierigkeiten mit einem Hindernis, sollte man daran denken, was man schon geschafft hat.“ Ihrem Publikum in Kützbühel gab Ventele mit auf den Weg: „Nur wer genau weiß, was er möchte und wer Visionen hat, wird auch an seinem Ziel ankommen.“

(ag)

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