„Listen to the Silence“: Von einem gehörlosen Jungen, der das Leben tanzt

Das Leipziger Dokfilm-Festival zeichnet den Beitrag der georgischen Regisseurin Mariam Chachia aus.

„Listen to the Silence“: Wie ein Märchen beginnt dieser bezaubernde Film über eine Schule für gehörlose Kinder irgendwo in Georgien. (Foto: opyo)

„Listen to the Silence“: Wie ein Märchen beginnt dieser bezaubernde Film über eine Schule für gehörlose Kinder irgendwo in Georgien. (Foto: opyo)

Das Leipziger Dokumentarfilmfestival hat am Samstagabend seine Preise verliehen. Eine mit 10.000 Euro dotierte Goldene Taube ging an den ukrainischen Filmemacher Sergei Loznitsa für seinen Streifen „Austerlitz“, teilte das Festival mit. Loznitsa hatte für seinen Schwarz-Weiß-Film Besucher von Konzentrationslagern beobachtet. Der Streifen kommt am 15. Dezember bundesweit in die Kinos. Im Deutschen Wettbewerb für den langen Dokumentar- und Animationsfilm wurde Thorsten Trimpop für seinen Film „Furusato“ über die Nachwirkungen der Nuklearkatastrophe von Fukushima ausgezeichnet.

Mariam Chachia erzählt eine Geschichte, die Mut macht

Im Wettbewerb „Next Masters“ konnte sich die georgische Regisseurin Mariam Chachia für „Listen to the Silence“ (Höre der Stille zu) über 10.000 Euro Preisgeld freuen. Ihr Film erzählt die Geschichte eines gehörlosen Jungen, der durch Tanz eine Ausdrucksmöglichkeit für sich findet.

Wie ein Märchen beginnt dieser bezaubernde Film über eine Schule für gehörlose Kinder irgendwo in Georgien. Und genauso soll es auch sein. Manchmal brauchen wir einfach Geschichten, die Mut machen. Wie die von Luka, dem Träumer, der mit dem Temperament eines kleinen Wirbelsturms in der Stille seines Körpers lebt. Bei uns würde man einen Jungen wie Luka vermutlich als hyperaktiv beschreiben und auf Ritalin setzen. An der georgischen Peripherie hingegen sagen die Lehrer: „Ihm fehlen halt die Eltern.“ Oder: „Das sind eben Jungs, die müssen mal raufen.“

Für ihre Erzählung über diesen unwahrscheinlichen Ort hat die georgische Filmemacherin Mariam Chachia eine bestechend einfache Form gewählt: In einem Klassenzimmer malt ein Mädchen Bilder zu Texten, die auf einer Tafel geschrieben stehen und die beschreiben, wie Luka sich fühlt. Zwischen diesen Kapiteln erleben wir die Schule, die Kinder, Streitereien, den glücklichen Luka und den unglücklichen, eine kleine Liebesgeschichte. Und die Stille. Plötzlich werden die Geräusche ausgeblendet, und wir hören – ein wattiges Nichts. Die Welt der Kinder. Lukas Welt. Dann kehren die Geräusche auf die Leinwand zurück und wir sehen den Tanz derer, die keine Musik hören können. Wie die Revue der Gehörlosen.

(dok-leipzig.de/Matthias Heeder)

Insgesamt wurden bei der 59. Ausgabe des Festivals in diesem Jahr 21 Preise vergeben. Mit einem Preisgeld von insgesamt 77.000 Euro ist das Festival nach eigenen Angaben die am höchsten dotierte Leistungsschau für Dokumentarfilm in Deutschland. Das Festival, das schon zu DDR-Zeiten eine Institution war, endet am Sonntag. Alles zusammen waren 309 Streifen zu sehen.

(dpa)

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