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Louis Braille – Gutenberg der blinden Menschen

Ausstellung im Hamburger Museum der Arbeit vom 8. April bis 8. Juni 2014.

Braille schuf das tastbare Schriftsystem (Foto: Museum der Arbeit)

Braille schuf das tastbare Schriftsystem (Foto: Museum der Arbeit)

Das, was Johannes Gutenberg für die Sehenden, ist Louis Braille für die blinden Menschen. Mehr noch: Während Gutenberg eine Technik entwickelte, mit deren Hilfe Texte einer bestehenden Schrift drucktechnisch in höheren Auflagen reproduzierbar wurden, schuf Braille vor rund 200 Jahren ein neues tastbares Schriftsystem, das blinden Menschen Zugang zu umfassender Bildung ermöglichte (siehe auch ROLLINGPLANET-Bericht: Louis Braille: Der viel zu frühe Tod eines lächelnden Träumers.)

Das Museum der Arbeit Hamburg zeigt vom 8. April bis 8. Juni 2014 in Kooperation mit dem Blinden- und Sehbehinderten Verein Hamburg e.V., warum sich die einfache und geniale Erfindung des Louis Braille durchsetzen konnte und warum seine Schrift aus sechs Punkten heute weltweit Standard ist.

Entwicklung der Braille-Schrift

Louis Braille ist erst drei Jahre alt, als er sich beim Spielen mit einer Ahle am Auge verletzt. Beide Augen entzünden sich und zwei Jahre später erblindet er. Als Zehnjähriger bekommt Louis ein Stipendium für das „Institut für junge Blinde“ in Paris. Hier wird die sogenannte „Nachtschrift“ gelehrt. Der Offizier Charles Barbier de la Serre hatte aus 12 gestanzten Punkten einen abstrakten Zeichensatz entwickelt, der zur heimlichen Übermittlung von Kriegsnachrichten in der Nacht gedacht war.

Doch das umständliche Abtasten von Barbiers 12 Punkten von oben nach unten macht das Lesen zu schwierig. Louis Braille reduziert die Grundform auf sechs Punkte und bereits 1825 im Alter von 16 Jahren hat er sein Alphabet fertig gestellt. Die entstandenen Zeichen sind für blinde Menschen leicht lesbar. Auch das Schreiben gelingt mit Tafel und Stichel mühelos.

Die Ausstellung

In der Sonderausstellung „Louis Braille. Gutenberg der blinden Menschen“ haben Besucher die Gelegenheit verschiedene Blindenschriften zu ertasten. Gezeigt werden außerdem Hilfsmittel – von der Rillentafel über die Punkt-Punkt-SchriftMaschine bis hin zum modernen Computerarbeitsplatz –, mit denen blinde Menschen gestern wie heute die Braille-Schrift lesen und schreiben.

Für Schulklassen und Gruppen bietet das Museum der Arbeit spezielle Führungen mit praktischem Anteil an: Sehende Besucher können eine Einführung in die Geschichte der Blindenschrift buchen, bei der auch das Schreiben mit der Rillentafel geübt wird. Blinde und sehbehinderte Besucher ertasten Bleilettern in der Schauwerkstatt des Museums und prägen diese auf kräftigem Papier erhaben ein.

Vorträge

28. April, 18 Uhr
Ulrike Backofen, Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V.
Blindenselbsthilfe fällt nicht vom Himmel
Die Geschichte des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg e.V.

19. Mai, 18 Uhr
Ulrike Backofen, Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V.
Der blinde Zeuge. Hilflos oder Superheld?
Blindheit in den Medien

2. Juni, 18 Uhr
Torsten Wolfsdorff, Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V.
Einführung in die Ausstellung mit Grundkurs Braille

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