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„Made for my Wheelchair“: Open-Source-Produkte von Rollstuhlfahrern für Rollstuhlfahrer

Attraktiv, modern und cool: Ein neues Projekt stellt Do-it-yourself-Anleitungen für Transport & Stauraum, Fahren im Schnee sowie Beleuchtung vor.

Projektteilnehmerin Hannah Schmidt zeigt eine Do-it-yourself-Lösung für einen beleuchteten Rollstuhl. (Foto: Made for my Wheelchair/Jonas Schubert)

Projektteilnehmerin Hannah Schmidt zeigt eine Do-it-yourself-Lösung für einen beleuchteten Rollstuhl. (Foto: Made for my Wheelchair/Jonas Schubert)

„Open Source“ (offene Quelle) ist ein Begriff, der ursprünglich aus der IT-Szene kommt. Er bezeichnet Software, deren Quelltext öffentlich ist und von allen eingesehen, geändert und – meistens kostenlos – genutzt werden kann. Das führt auch dazu, dass viele Aktive gemeinsam an Lösungen arbeiten, die allen zur Verfügung stehen, oder dass sich Lösungen durchsetzen, die es sonst nicht auf den Markt gebracht hätten. Demokratisch und frei lautet in vielen Fällen das Prinzip. Weltweit profitieren davon täglich Millionen Nutzer. Beispiele dafür sind Mozilla oder Wikipedia.

In der Rollstuhlbranche ist dieser Ansatz noch kaum verbreitet. Rollstuhlfahrer/innen sind in der Regel auf die herkömmlichen, nicht selten teuren Industrie-Angebote angewiesen. „Made for my Wheelchair – Open Source Add-Ons von und für Rollstuhlfahrer“ ist deshalb ein bemerkenswertes Projekt. Es will jenseits der bislang bekannten Pfade den Alltag von Rollstuhlnutzern erleichtern und bereichern. Dass uns dabei die Macher ziemlich viele englische Begriffe um die Ohren werfen, sei dabei verkraftet. (Add-Ons sind übrigens kleine, praktische Erweiterungen, die ein existierendes Produkt ergänzen.)

Zum Selberbauen: Anhänger für E-Rollstuhl. (Foto: Made for my Wheelchair)

Zum Selberbauen: Anhänger für E-Rollstuhl. (Foto: Made for my Wheelchair)

Von Bedürfnisanalyse über Ideenentwicklung, Prototyping und Testing hat ein Team von Rollstuhlnutzern, Technikern und Designern über ein Jahr gemeinsam an Lösungen gefeilt. Nicht nur die Nutzbarkeit, auch die ästhetische Seite wurde laut den Initiatoren berücksichtigt: „Wir wollen, dass der Rollstuhl nicht nach Krankenhaus aussieht und mehr Liebe ins Design fließen lassen,“ fasst der auf allen Kanälen erprobte Projektpate und Sozialhelden-Gründer Rául Krauthausen eine übergeordnete Idee von „Made for my Wheelchair“ zusammen, das von Makea Industries GmbH, Fab Lab Berlin und be able e.V. ins Leben gerufen wurde. Krauthausen weiter: „Ich finde, dass Rollstuhle bei weitem noch nicht das sind, was sie sein könnten: attraktiv, modern und cool.“

Zum Nachbauen und individuell anpassen

Mit einem Rollstuhl-Hackathon (eine Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“, mit der ein gemeinsamer Auftritt von Software- und Hardwareentwicklern gemeint ist) auf dem Do-it-yourself (DIY)-Festival „MakerFaire“ startete das Projekt vor einem Jahr. Drei Themen stehen seither im Mittelpunkt: Transport & Stauraum, Fahren im Schnee sowie Beleuchtung. Insbesondere Kriterien wie Umsetzbarkeit, Zeitaufwand bei der DIY-Herstellung, Kosten, Ästhetik und Nutzbarkeit für Rollstuhlfahrer spielten dabei eine zentrale Rolle.

Das Ergebnis: Mithilfe von Open-source-Anleitungen lassen sich Produkte nachbauen und individuell anpassen. Ein Beleuchtungsset mit Modulen für Frontal-, Rück- und Unterbodenbeleuchtung; ein Transportanhänger für Einkäufe, Gepäck oder eine Begleitperson. Auch Laien sollen in der Lage sein, die Produkte „open lights“ und „open trailer“ mit geringem zeitlichen und finanziellen Aufwand im DIY-Verfahren herzustellen. Anleitungen und Datensätze sind auf digitalen Plattformen unter Creative Commons Lizenz veröffentlicht (allerdings derzeit nur in Englisch):

www.instructables.com
www.thingiverse.com

„Made for my Wheelchair“ live erleben

Auf der Abschlussveranstaltung des Projekts in Berlin und der Rehacare in Düsseldorf können Besucher die Anleitungen in Workshops direkt mit dem Projektteam erproben:

Große Abschlussveranstaltung am 29. September 2017 im Fab Lab Berlin (Prenzlauer Allee 242) ab 15 Uhr, Anmeldungen bei Weiwei unter: [email protected]

Workshops und Projektpräsentation gibt es auf der Rehacare in Düsseldorf vom 4.-7. Oktober 2017 (Halle 04/Stand 4G03).

Webseite: www.madeformywheelchair.de/

Gefördert wird „Made for my Wheelchair“ unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Partner sind Otto Bock Mobility Solutions GmbH und Sozialhelden e.V. „Made for my Wheelchair“ ist Gewinner des Wettbewerbs „Light Cares – Photonische Technologien für Menschen mit Behinderungen“ des Bundesforschungsministeriums.

(RP/PM)

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