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„Manipulation unerträglich“: Krankenkassen sollen Arztdiagnosen nicht mehr beeinflussen

Die Stiftung Patientenschutz spricht von kriminellen Vorständen und fordert ein Ende der „organisierten Machenschaften“.

Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. (Foto: dpa)

Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. (Foto: dpa)

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert ein Ende der Einflussnahme von Krankenkassen auf Arztdiagnosen. „Es ist unerträglich, dass die Krankenkassen weiterhin versuchen, aus der Manipulation von Patientendaten Profit zu schlagen“, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Das ist eine Straftat. Doch die Vorstände scheint das nicht zu interessieren.“

Ein Großteil der gesetzlichen Kassen setzt nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ trotz eines Verbots weiter fragwürdige Softwareprogramme für lukrative Arztdiagnosen ein. Laut Techniker Krankenkasse gaben 82 Prozent von 1000 befragten Medizinern an, schon von Kassen bei ihren Diagnosen beeinflusst worden zu sein.

Staatsanwaltschaften schrecken offensichtlich nicht ab

Dabei geht es um die Diagnose schwerer oder chronischer Krankheiten, für die die Kassen viel Geld aus dem Gesundheitsfonds erhalten. Aus finanziellen Interessen lassen die Kassen Patienten von Ärzten „kränker“ machen, als sie tatsächlich sind, lautet der Vorwurf. Seit April gilt ein Verbot der Beratung zur Kodierung, also der Zuordnung von Krankheiten zu vorgegebenen möglichen Diagnosen.

Brysch sagte, selbst Ermittlungen der Staatsanwaltschaften gegen Kassenvorstände würden die Verantwortlichen nicht abschrecken. „Jetzt muss hart durchgegriffen werden.“ Auch schienen viele der für regionale Krankenkassen zuständigen Landesversicherungsämter immer noch bei der Überwachung im Tiefschlaf zu sein. „Doch die organisierten Machenschaften gehen zu Lasten der Versicherten“, so Brysch.

Im September hatte das Bundesversicherungsamt laut „Spiegel“ die Kassen um Auskunft zu entsprechenden Programmen für Arztpraxen gebeten. Zwei Drittel der Kassen räumten demnach ein, möglicherweise nicht legale Programme einzusetzen. Diese würden nun angepasst.

(dpa)

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