""

Mann ohne Puls: Geht doch – nur mit der Disco klappt’s nicht

Jan-Lukas Hülsebus ist Deutschlands tausendster Kunstherzpatient. Dabei handelt es sich nicht immer nur um eine Zwischenlösung bis zu einer Transplantation. Von Alexandra Stahl

Der Direktor der Klinik für Herzchirugie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Professor Dr. Axel Haverich (r), hält dem Patienten Jan-Lukas Hülsebus das Kunstherz „Heartmate II“ an die Brust. (Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Der Direktor der Klinik für Herzchirugie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Professor Dr. Axel Haverich (r), hält seinem Patienten Jan-Lukas Hülsebus das Kunstherz „Heartmate II“ an die Brust. (Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Kein Puls und trotzdem am Leben: So geht es Menschen mit einem Kunstherzen. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben Ärzte einem 18-Jährigen einen weit verbreiteten Typen dieser Kunstherzen eingesetzt.

Damit sei dieses System zum tausendsten Mal in Deutschland genutzt worden, teilte die Klinik am Dienstag mit. Kunstherzen überbrücken als Pumpsystem in der Regel die Zeit bis zu einer Transplantation. Sie unterstützen ein schwaches Herz – sind aber kein kompletter Ersatz dafür.

Erhalten hat das tausendste Kunstherz vom Typ „Heartmate II“ Jan-Lukas Hülsebus aus Papenburg. Seit Januar lebt der ehemalige Tiefbaufacharbeiter mit der kleinen künstlichen Pumpe, denn Mitte Dezember diagnostizierten Ärzte bei ihm eine schwere Herzschwäche. Dass er keinen Puls mehr hat, sieht man ihm nicht an.

Als ob nie etwas gewesen wäre

„Es geht mir bestens, als ob nie was gewesen wäre“, sagte Hülsebus. Nur ins Schwimmbad oder in die Disco darf er mit dem Gerät nicht. Die Gefahren, zum Beispiel eine Infektion, sind zu groß. Hülsebus gibt sich gelassen: „Mir persönlich ist das egal, ob ich zu Hause sitze oder Party mache.“

„Vor dem Hintergrund, dass es in Deutschland viel zu wenig Spenderherzen gibt, gewinnen Herzunterstützungssysteme an Bedeutung“, sagte Axel Haverich, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie.

Kunstherzen würden in Deutschland seit 1987 eingesetzt, deutschlandweit seien es vergangenes Jahr rund 800 gewesen. Zwischen fünf und sieben verschiedene Kunstherzen-Typen kämen dabei zum Einsatz.

Patienten reagieren unterschiedlich

„Die Lebenszufriedenheit der Patienten wechselt“, berichtete Haverich. Viele seien anfangs zufrieden und später genervt von dem Gerät. Andere dagegen zögen es einer Herztransplantation vor.

Ursprünglich galten Kunstherzen nur als Übergangslösung bis ein Spenderherz zur Verfügung steht. Da aber immer mehr ältere Menschen an Herzschwäche litten und die Zahl der Spenderorgane den Bedarf bei weitem nicht decke, würden die Geräte teils auch als dauerhafte Lösung eingesetzt.

(dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN