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Nordrhein-Westfalen vor der Landtagswahl: Ministerpräsidentin Kraft bekennt sich zur Inklusion

ROLLINGPLANET-Tagebuch: Kinderwagen kontro Rollstuhl +++ Pflegeverein für MS-Patienten vor dem Aus +++ Körper-Integritäts-Identitäts-Störung

TAGEBUCH
DIENSTAG, 11. APRIL 2017
Nordrhein-Westfalen

Ministerpräsidentin Kraft bekennt sich zur Inklusion

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (Foto: dpa)

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (Foto: dpa)

In einem Leserinterview betont die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) gut vier Wochen vor der Landtagswahl, dass ihre Regierung den Gesamtprozess der Inklusion nicht stoppen werde. Auf die Frage „Werden Schulen mit der Inklusion überfordert?“ antwortet die Politikerin:

„Eine inklusive Gesellschaft ist das Ziel, das sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergibt, die Deutschland unterschrieben hat. Dazu gehört auch der Anspruch für Kinder mit Handicap, eine Regelschule zu besuchen. Nordrhein-Westfalen geht den Weg Schritt für Schritt. Wir haben seit 2010 1,2 Milliarden Euro allein in schulische Inklusion investiert, auch in zusätzliche Lehrerstellen und Weiterbildung. Ich weiß, dass noch nicht alles rund läuft und wir an einigen Stellen nachsteuern müssen. Dabei geht es auch um die Zusammenarbeit mit den Kommunen, die für die Unterstützung durch Integrationshelfer zuständig sind. Aber um es klar zu sagen: Wir werden den Gesamtprozess der Inklusion nicht stoppen. Der Elternwille zählt und der grundsätzliche Anspruch auf einen Platz an der Regelschule wird nicht in Frage gestellt.“ WAZ

Nahverkehr

Potsdam: Kinderwagen kontra Rollstuhl

Straßenbahn an der Potsdamer Haltestelle Schiffbauergasse. (Archivfoto: Michael F. Mehnert/Wikipedia, CC BY 2.5)

Straßenbahn an der Potsdamer Haltestelle Schiffbauergasse. (Archivfoto: Michael F. Mehnert/Wikipedia, CC BY 2.5)

Potsdamer mit Behinderung bemängeln die fehlende Barrierefreiheit im Nahverkehr der Stadt. So seien noch immer nicht alle Haltestellen für Rollstuhlfahrer geeignet, außerdem stünden Rollstuhlfahrer zunehmend in Konkurrenz zu Kinderwagen. Zudem lasse die Höflichkeit gegenüber Menschen mit Behinderung bei so manchem Bus- und Tramfahrer zu wünschen übrig. All dies kam beim jüngsten Potsdamer Forum für Menschen mit Behinderung zur Sprache – bei dem auch Vertreter der Verkehrsbetriebe Rede und Antwort standen.
Vor allem der mangelnde Platz durch die wachsende Zahl von Kinderwagen wurde gleich von mehreren Rollstuhlfahrern angesprochen. Eltern seien nun mal schneller als Rollstuhlfahrer unterwegs und deshalb meist als Erste im Bus oder in der Tram, berichtete ein Betroffener. Weil der „Mobilitätsbereich“ dann besetzt sei, habe man als Rollstuhlfahrer dann oft das Nachsehen. Tagesspiegel

Bundestag

Bundesregierung beurteilt Teilhabe von Menschen mit Behinderung positiv

Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) wird die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am sozialen Leben fördern und der Tendenz der Vereinsamung entgegenwirken. Dessen zeigt sich die Bundesregierung in ihrer Antwort (18/11834) auf eine Bundestagsanfrage (18/11314) der Fraktion Die Linke überzeugt. Aus der Antwort geht unter anderem hervor, dass immer mehr Behinderte in ambulanten statt in stationären Wohnformen betreut werden. (hib/CHE)

Justiz

Schwerbehindertenverfahren: Baden-Württemberg setzt auf papierlose Akten

Baden-Württemberg weitet die Nutzung elektronischer Akten aus. Im Rahmen zweier neuer Pilotprojekte sollen die Landkreise Biberach und Karlsruhe künftig elektronisch mit dem jeweils zuständigen Verwaltungs- und Sozialgericht kommunizieren. Den Anfang macht ab dem 3. Juli der Landkreis Karlsruhe, wie das Justizministerium heute mitteilte. Ausgewählten Kammern des Sozialgerichts werden vor allem bei Schwerbehindertenverfahren nur noch papierlose Akten vorgelegt. Dadurch können demnach allein im Landratsamt Karlsruhe 2300 Meter Papierakten gespart werden, sagte der Karlsruher Landrat Christoph Schnaudigel.
Baden-Württemberg war im vergangenen Jahr bereits bundesweit Vorreiter in Sachen elektronische Akte. Im Juni wurde der papierlose Dokumentenverkehr an jeweils vier Kammern des Landgerichts Mannheim und des Arbeitsgerichts Stuttgart eingeführt. (dpa/lsw)

Ziemlich beste Freunde

Ein Mann reist 700 km, damit die 18-Jährige Emily nicht allein zum Abschlussball muss

Andrew Duffy und Emily Wheeler.

Andrew Duffy und Emily Wheeler.

Andrew Duffy, ein ehemaliger Soldat der US-Armee, ist seit Jahren mit den Eltern von Emily Wheeler befreundet. Die Schülerin mit Down-Syndrom fiebert ihrem Abschlussball entgegen, doch keiner ihrer Mitschüler möchte die 18-jährige dorthin begleiten. Als Andrew Duffy davon hört, zögert er keine Sekunde und reist 700 Kilometer zu ihr, um für sie da zu sein. Er begleitet sie zum Ball, tanzt mit ihr, weicht nicht von ihrer Seite. Später am Abend wird Emily sogar zur Abschlussball-Königin gekürt. (ag/Bunte)

Nervenkrankheit

Heute ist Welt-Parkinson-Tag

In Deutschland leben schätzungsweise bis zu 280.000 Menschen mit Parkinson. Charakteristische Kriterien dafür sind zum Beispiel Zittern, langsame Bewegungen und Sprachstörungen. Vor 200 Jahren (1817) beschrieb der Arzt James Parkinson erstmals die Symptome. Das Problem: Es könnten zehn Jahre vergehen, bis solche Störungen bei Erkrankten auftreten, Nervenzellen sind dann bereits in großer Zahl geschädigt. Betroffene berichten, dass sie aber entgegen vieler Vorurteile trotzdem einen lebenswerten Alltag führen können. ROLLINGPLANET

MONTAG, 10. APRIL 2017
Rollstuhlbasketball

RSV Lahn-Dill: Nicolai Zeltinger tritt zurück

Der langjährige Head Coach von RSV Lahn-Dill, Nicolai Zeltinger (45), hat zur Saison 2017/18 seinen Rücktritt bekannt gegeben. Nachfolger wird sein Co-Trainer Ralf Neumann (53). ROLLINGPLANET

Rollstuhlbasketball

Rhine River Rhinos möglicherweise zurück in die Regionalliga

Das Team der Rhine River Rhinos. (Foto: Rhine River Rhinos)

Das Team der Rhine River Rhinos. (Foto: Rhine River Rhinos)

Der Aufsteiger aus Wiesbaden stürmte in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga 2016/17 bis in die Playoffs – wird aber in der kommenden Saison möglicherweise nicht mehr in der höchsten Klasse antreten können, sondern in der Regionalliga neu anfangen. Grund ist eine Finanzierungslücke von 200.000 Euro, die bei einem Verbleib in der Bundesliga entstünde. ROLLINGPLANET

Engagement

Alexander-Otto-Stiftung: 400.000 Euro für Projekte im Hamburger Sport

Die Alexander-Otto-Sportstiftung fördert weitere
Sportprojekte in Hamburg mit einem Gesamtvolumen von 400.000 Euro. Das gab die Stiftung heute bekannt. „Viele unserer neuen Förderprojekte sind integrativ und inklusiv angelegt, um gerade Kindern und behinderten Menschen den Zugang zum Sport zu erleichtern“, sagte Alexander Otto, der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung. Der Unternehmer und Mäzen hat seine Sportstiftung 2006 gegründet, die seither 14 Millionen Euro für Projekte bezuschusste.
Die Stiftung fördert aktuell unter anderem die Rollstuhlbasketball-WM 2018 in Hamburg. Im Behinderten-Sport ist es die größte Veranstaltung nach den Paralympischen Spielen. Insgesamt 28 Teams werden im August 2018 in den Wettbewerben der Frauen und Männer den Weltmeister ausspielen. Spielort ist die Inselparkhalle im Stadtteil Wilhelmsburg. Zum sechsten Mal lobt die Stiftung in diesem Jahr ihren mit 30.000 Euro dotierten Werner-Otto-Preis im Behindertensport aus. Zudem stockt die Sportstiftung ihren hamburgweiten Flüchtlingsfonds um 10.000 Euro auf für Vereine und Institutionen, die Sportangebote für Flüchtlinge schaffen. (RP/dpa/lno)

Geschwisterliebe

Damit er auch auf dem Spielplatz schaukeln kann: Naomi (8) kämpft für ihren autistischen Bruder

Naomis Brief an die Stadtverwaltung. (Foto: RTL)

Naomis Brief an die Stadtverwaltung. (Foto: RTL)

E Ein schöner Spielplatz ist ein Paradies für Kinder. Im schottischen Ort Hamilton war ein neuer Spielplatz für Naomi und Isaac auch zunächst ein Grund zur Freude. Doch dann fiel der 8-jährigen Naomi auf, dass ihr Bruder nicht auf dem Spielplatz spielen kann. Für Naomi war schnell klar: der Spielplatz muss für ihren Bruder geändert werden.
Sie beschloss, einen Brief an die Stadtverwaltung zu schreiben. Darin zu lesen war: „Ich mag ihren neuen Park, aber könnten Sie bitte noch eine behindertengerechte Schaukel machen? Isaac, mein Zwillingsbruder, kann sich nicht an den Ketten festhalten. Wir sind beide traurig – warum haben sie ihn vergessen?“ Der Brief war erfolgreich: Die Stadtverwaltung meldete sich bei Familie Gwynne und teilte ihr mit, dass sie eine behindertengerechte Schaukel installieren würde. Video: RTL

Öffentlicher Nahverkehr

Bahnhof Cuxhaven soll barrierefrei werden

Niedersachsen will 2017 den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs vorantreiben. Zu den bereits vorgestellten 261 Fördermaßnahmen erhielten 20 weitere Projekte Geld, teilte das niedersächsische Verkehrsministerium. Insgesamt fließen in diesem Jahr 144 Millionen Euro. Zu den größeren neu bewilligten Projekten gehören nach Angaben des Ministeriums auch der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs Cuxhaven, für den 2,25 Millionen Euro bereit stehen. (RP/dpa/lni)

Hannover

Pflegeverein für Multiple-Sklerose-Patienten vor dem Aus

Im Großraum Hannover sorgen sich zur Zeit rund 2.000 Patienten mit Multipler Sklerose (MS), wie sie weiter ambulant versorgt werden und wo sie demnächst ihre Infusionen bekommen. Nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen steht der MS-Pflegeverein Soforthilfe und Information durch Ambulante Versorgung (SIDA) vor dem Aus. Eine Insolvenz sei kaum noch abzuwenden. Denn die AOK Niedersachsen hat den Versorgungsvertrag gekündigt, wichtige Einnahmen fehlen. Das Verhältnis zwischen der Kasse und dem Pflegeverein gilt als zerrüttet: Hintergrund sind unter anderem Korruptionsvorwürfe gegen einen ehemaligen SIDA-Geschäftsführer, Gerüchte, Verdächtigungen und der Wegfall von sechsstelligen Spendeneinnahmen durch die Pharmaindustrie. NDR (I), NDR (II)

SONNTAG, 9. APRIL 2017
Der ganz normale Wahnsinn

Mann will sein Bein amputieren lassen – obwohl es gesund ist

Nick O’Hallaron

Nick O’Hallaron

Der Schotte Nick O’Hallaron findet, sein rechtes Bein gehöre nicht zu seinem Körper. Er leidet unter der sogenannten Körper-Integritäts-Identitäts-Störung (BIID). Mehrmals hat er versucht, die Gliedmaße loszuwerden, er ging bis zu einem Selbstmordversuch. Eine illegale Beinamputation scheiterte – der Mann, der versprach, einen Chirurgen für die OP zu organisieren, verschwand mit dem Geld. Video: Stern

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