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„Märkische Oderzeitung“ zum Inzesturteil: ROLLINGPLANET bleibt die Spucke weg

ROLLINGPLANET hat den Kommentar, den die Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe veröffentlicht, mehrmals gelesen. Wir sind fassungslos oder überfordert: Entweder handelt es sich bei den Zeilen um einen skandalösen Beitrag – oder wir haben sie nicht verstanden.

Die „Märkische Oderzeitung“ (Frankfurt/Oder) schreibt:

Märkische Oderzeitung

Da das Inzestverbot nur den Beischlaf – nicht aber andere Praktiken – umfasst, ist seine Zielrichtung klar: Es sollen keine behinderten Nachkommen gezeugt werden. Immerhin beträgt das Risiko durch die Kombination genetischer Ähnlichkeit mehr als 40 Prozent. Diese Tatsache müsse ungeachtet der Erinnerungen an die nazistische Euthanasie von Behinderten gelten, verfügte das Verfassungsgericht 2008 und führte auch den Schutz der Familie als Grund an. Denn mit welchem Familienbild wächst ein Kind auf, dessen Mutter gleichzeitig die eigene Tante ist? Unter dem Aspekt der Gleichbehandlung tun sich jedoch deutliche Mängel auf. Denn Behinderten ist der Beischlaf nicht verboten, obwohl auch sie möglicherweise behinderte Nachkommen zeugen. Gleichzeitig ist der einvernehmliche sexuelle Verkehr mit adoptierten erwachsenen Kindern straffrei oder auch der homosexuelle Kontakt zwischen Geschwistern. Der Makel des Gesetzes ist seine Löchrigkeit.

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3 Kommentare

  • Michael Ziegert

    Blah. So ein typischer Leitartikel, bei dem der Verfasser sich für klug hält, wenn er alles in Frage-Form formuliert ohne selbst wirklich Stellung zu beziehen. Das darf man getrost auch Feigheit nennen.

    Denn er könnte ja auch klar sagen: Ich bin dafür, jeglichen Sex ohne Einschränkung der gesetzlichen Regelung zu entziehen.

    Oder er könnte sagen: Sex zwischen Behinderten gehört verboten.

    Beides traut er sich natürlich nicht.

    Statt dessen schreibt er so was:

    Soll man also das bewusst eingegangene erhöhte Risiko zur Erzeugung behinderten Nachwuchses bestrafen? Das wäre ein dramatischer Eingriff in die Privatsphäre, der sich zudem aus historischen Gründen verbietet.

    Und hier offenbart sich die Geisteshaltung dann endlich: Es sind die „historischen Gründe“, die das unmöglich machen. Ergibt umgekehrt: Wenn es die „historischen Gründe“ nicht gäbe… – dann wäre ein Verbot von Sex zwischen Menschen mit Behinderung sehr wohl möglich. Oder gar von ihm erwünscht…?

    Würg.

    13. April 2012 at 10:25
  • Schmidt

    Quelle wikipedia zum Stichwort „Inzest“: „In neuerer Zeit wird verschiedentlich argumentiert, dass das Inzestverbot im Prinzip überflüssig sei, da die genetisch bedingten Risiken für den aus Inzest resultierenden Nachwuchs bekannt seien und das Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung höher zu werten sei. Zudem sei das Ziel eines solchen Verbots unklar, da die Verhütung potenziell erbkranken Nachwuchses kein Ziel des Staates sei.“

    Bei dem Abschnitt bleibt mir auch die Spucke weg – abgesehen davon, ist er echt schlecht geschrieben. Pfui, dem Autor des Artikels, auus dem dieser Absatz stammt.

    Seinen Artikel beendet der dann so: „Dem könnte der Gesetzgeber abhelfen. Die Frage ist nur: Wie? Für eine Abschaffung fehlt eine politische Mehrheit. Soll man also das bewusst eingegangene erhöhte Risiko zur Erzeugung behinderten Nachwuchses bestrafen? Das wäre ein dramatischer Eingriff in die Privatsphäre, der sich zudem aus historischen Gründen verbietet. Als Alternative bliebe nur eines: Ein Verbot sämtlicher sexueller Kontakte naher Verwandter. Damit würde das Gesetz jedoch auf die Einhaltung bestehender Moralvorstellungen abzielen. Und das ist nicht der Sinn des Strafrechts.“

    Aber natürlich ist nur der obige Auszug überall im Internet zu finden. Der Ganze Artikel hier: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1016943/

    Schlecht geschrieben, ganz schlecht.

    13. April 2012 at 12:20
  • Monika Schwaiger (via Facebook)

    was für ein widerwärtiges Schmierblatt!

    13. April 2012 at 15:58

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