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Markus Rehm: Beginnt jetzt eine neue Ära des Behindertensports und der Inklusion?

Am Morgen danach: Der europäische Leichtathletik-Verband drückt sich vor Entscheidung.

Markus Rehm mit Freundin Vanessa Low (Foto: dpa)

Markus Rehm mit Freundin Vanessa Low (Foto: dpa)

Der Europäische Leichtathletik-Verband EAA wird nicht über eine Startrechtgenehmigung für den unterschenkelamputierten Weitspringer Markus Rehm entscheiden. „Der europäische Kontinentalverband kann diese Entscheidung nicht treffen, dies muss der Weltverband IAAF tun“, erklärte EAA-Generaldirektor Christian Milz auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Die EAA will unverzüglich Gespräche mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und der IAAF führen.

Der Leverkusener Paralympics-Sieger hatte am Samstag bei den deutschen Meisterschaften der Nichtbehinderten sensationell den Titel gewonnen und mit 8,24 Metern die Norm für die Europameisterschaften vom 12. bis 17. August in Zürich übertroffen. „Jetzt müssen wir schnell handeln“, sagte Milz.

Der Fall Rehm sei aber nicht mit dem von Oscar Pistorius vergleichbar. Der südafrikanische 400-Meter-Läufer hatte sich vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) das Startrecht bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen erstritten. „Das CAS-Urteil war auf den Einzelfall bezogen und nicht generell auf alle Athleten“, sagte Milz.

Wojtek Czyz glaubt an eine neue Ära des Behindertensports

V.l.n.r.: Markus Rehm (Gild), Wojtek Czyz (Silber) und der Däne Daniel Jorgensen freuen sich über ihre Medaillen bei den Paralympics 2012 in London (Foto: dpa)

V.l.n.r.: Markus Rehm (Gild), Wojtek Czyz (Silber) und der Däne Daniel Jorgensen freuen sich über ihre Medaillen bei den Paralympics 2012 in London (Foto: dpa)

Der mehrfache Paralympics-Sieger Wojtek Czyz, der sich im August vergangenen Jahres aus dem aktiven Sport zurückgezogen hat, sieht den gestrigen Sieg von Rehm bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften als Durchbruch der Inklusion, also der gleichberechtigten Teilhabe von allen Menschen. „Eine neue Ära das Behindertensports bricht an“, sagte der 33-Jährige laut einer Mitteilung zum Erfolg seines früheren Clubkollegen von Bayer Leverkusen.

„Damit setzt er eine Entwicklung fort, die unter anderem von Oscar Pistorius bereits vor einigen Jahren eingeleitet wurde“, meinte Czyz zur Leistung von Rehm. Der südafrikanische 400-Meter-Läufer Pistorius nahm als erster beidbeinig amputierter Sportler an den Olympischen Spielen 2012 in London teil. Genau wie bei Pistorius deute sich bei Rehm nun eine Debatte um die Vergleichbarkeit von Leistungen an.

„Dabei dreht es sich bemerkenswerterweise nicht um die Frage, ob Behinderte gegenüber ihrer nichtbehinderten Konkurrenz einen Wettbewerbsnachteil hinnehmen müssen, sondern ob im Gegenteil die Prothese ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschafft“, erklärte Czyz, dessen Biografie „Wie ich mein Bein verlor und so zu mir selbst fand“ im August erscheint.

(dpa)

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