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Markus Rehm, der Unbesiegbare

Am vierten Tag der Para-WM gewinnen Rehm, Sebastian Dietz und Johannes Floors Gold.

Markus Rehm ist nicht zu schlagen (Archivfoto vom 17. September 2016 nach dem Sieg im T44-Finale: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

Markus Rehm ist nicht zu schlagen (Archivfoto vom 17. September 2016 nach dem Sieg im T44-Finale: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

Angeführt vom unschlagbaren Markus Rehm, Gold-Lieferant Sebastian Dietz und dem neuen Prothesen-König Johannes Floors haben die deutschen Leichtathleten an einem goldenen Montag ihre Bilanz bei der Para-WM deutlich aufpoliert. Prothesen-Springer Rehm (Leverkusen) siegte im Weitsprung mit 8,00 Metern auch bei seinem neunten internationalen Großereignis. Dietz (Bad Oeynhausen) gewann mit Europarekord von 15,28 Metern im Kugelstoßen und ist seit drei Jahren in Wettkämpfen ungeschlagen.

Seinen ersten Einzel-Titel bei einer WM holte Johannes Floors (Leverkusen) in der einst von Oscar Pistorius beherrschten Klasse der Prothesen-Sprinter über 400 Meter mit Europarekord von 46,67 Sekunden. Speerwerfer Mathias Mester (Kaiserslautern) reichte sein Europarekord von 40,54 Metern in der Klasse der Kleinwüchsigen nur zu Rang drei.

Johannes Floors jubelte gestern in London nach seinem WM-Sieg über 400m T43 (Foto: Paul Harding/PA Wire/dpa)

Johannes Floors jubelte gestern in London nach seinem WM-Sieg über 400m T43 (Foto: Paul Harding/PA Wire/dpa)

Enttäuschung für Willing

Ebenfalls Bronze holte die bereits 57-Jährige Martina Willing (Potsdam/20,57 Meter) im Speerwurf. Für sie eine Enttäuschung: Vor zwei Jahren in Doha hatte sie noch Gold gewonnen, bei den Paralympics im Vorjahr Silber. Insgesamt hatte der DBS nach dem vierten Wettkampftag zehn Medaillen auf dem Konto: vier goldene, drei silberne und drei bronzene.

Hinzu kamen am Montag zwei vierte Plätze. Irmgard Bensusan verpasste einen Tag nach ihrem Gold-Lauf über 400 m über 100 m Bronze ebenso knapp wie die deutsche Nachwuchshoffnung Leon Schäfer. Der 20 Jahre alte Prothesen-Sprinter durfte sich aber über Bestzeit in Vorlauf und Finale freuen.

Rehm trotz Gold nicht ganz zufrieden

Rehm, Schützling der früheren Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius, gewann seit seinem Debüt bei den Senioren 2011 bei allen neun internationalen Großveranstaltungen Gold – inzwischen bei vier Weltmeisterschaften, drei Europameisterschaften und zwei Paralympics.

Dennoch war Rehm nur bedingt zufrieden. „Über den Titel bin ich glücklich, aber die acht Meter hätte ich gerne überboten“, sagte er. Der frühere Vize-Jugendmeister im Wakeboarden verlor sein linkes Bein, als er als 14-Jähriger nach einem Sturz ins Wasser von einem Boot erfasst wurde und das Bein in eine Schiffsschraube geriet.

Auch Dietz erwies sich wieder einmal als eine Bank für den DBS. Der 32-Jährige hatte schon bei den Paralympics 2012 (mit dem Diskus) und 2016 sowie den WM 2013 und 2015 den Sieg geholt. „Unter dem Strich muss ich zufrieden sein“, sagte Dietz: „Eigentlich wollte ich den Weltrekord. Den hab ich mir nun noch aufgehoben. Aber der wird auch noch kommen.“

Bei den Paralympics in Rio hatte Dietz für Aufmerksamkeit gesorgt, als er seiner Freundin nach dem Sieg einen Heiratsantrag machte. Der Administrator aus Bad Oeynhausen hat seit einem Autounfall eine inkomplette Form der Tetraplegie, einer Querschnittslähmung, bei der alle Gliedmaßen betroffen sind. Kurz zuvor hatte er wegen seines gesellschaftlichen Engagements eine Sonderaudienz bei Papst Franziskus im Vatikan erhalten.

Überglücklich war Mester, obwohl ihm im allerletzten Wurf noch Silber entrissen wurde: „Ich werde mich heute Abend erstmal belohnen. Ich glaube, ich werde diese Woche nicht mehr ins Hotel kommen.“

(dpa)

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