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MDR weitet (endlich) barrierefreies Angebot aus

„Die Nachricht des Jahres“: Der Sender übersetzt wieder Nachrichtensendung in Gebärdensprache.

Moderatorin Anja Petzold in "MDR um 12" (Pressefoto)

(dapd-lth) – Der Mitteldeutsche Rundfunk baut sein barrierefreies Nachrichtenangebot aus. Das Magazin „MDR um zwölf“ werde ab dem 29. Mai in die Gebärdensprache übersetzt, teilte die Drei-Länder-Anstalt am Dienstag in Leipzig mit. Die zusätzliche Version werde über die Internet-Mediathek verfügbar sein. Damit folge der Sender seinem erklärten Ziel, allen Mediennutzern einen barrierearmen Zugang zu seinen Programmangeboten zu sichern. Der Sender reagiert damit auch auf die Forderung von Gehörlosenverbänden in den vergangenen Wochen.

Um die Barrierefreiheit seines Programms zu erhöhen, sei das finanzielle Engagement verdoppelt worden, hieß es weiter. Was genau die Übersetzung von „MDR um zwölf“ in die Gebärdensprache kostet, wollte eine Sprecherin auch auf Nachfrage nicht sagen.

Es lohnt sich, „nie aufzugeben“

Vertreter von Gehörlosenverbänden begrüßten die Ankündigung. Alfons Rogge, der Vorsitzende des Verbandes der katholischen Gehörlosen Deutschlands, sagte, dies sei „eine der schönsten Nachrichten“ für Gehörlose überhaupt. Vielleicht sei es für sie sogar „die Nachricht des Jahres“. Der Fall zeige, dass es sich lohne, „nie aufzugeben“.

Hintergrund der Entscheidung des Senders ist die bereits zum 29. April erfolgte Einstellung der MDR-Sendung „Länderzeit“. Sie konnte wegen der Abschaltung der analogen Satellitenübertragung nicht weiter ausgestrahlt werden. Die „Länderzeit“ war seit 1998 als eine der wenigen Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen in die Gebärdensprache übersetzt worden. Pläne, den Wegfall der Gebärdensprachübersetzung der „Länderzeit“ durch die Untertitelung anderer Nachrichtensendungen zu kompensieren, waren bei vielen Gehörlosen auf Ablehnung gestoßen. Untertitel seien kein angemessener Ersatz, hieß es. Die Gebärdensprache sei für viele Gehörlose die Muttersprache.

Trotz Kritik: Untertitel statt Gebärdensprache

Unabhängig von solcher Kritik will der MDR laut Mitteilung künftig noch mehr Sendungen als bisher mit Untertiteln ausstatten, um sein barrierefreies Angebot weiter zu stärken. „Zurzeit werden die technischen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen, um die von vielen gewünschte Live-Untertitelung der drei Landesmagazine ‚Sachsenspiegel‘, ‚Sachsen-Anhalt heute‘ und ‚Thüringen Journal‘ Anfang des kommenden Jahres zu realisieren“, hieß es.

Schon jetzt würden Formate des Senderverbunds Das Erste mit Untertiteln im MDR ausgestrahlt beziehungsweise wiederholt. Darunter seien unter anderem Folgen der Reihen „Tatort“, „Polizeiruf 110“ und „In aller Freundschaft“ sowie „Brisant“, „Günther Jauch“, „Menschen bei Maischberger“ und „Anne Will“.

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