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Mecklenburg-Vorpommern: Landtagsdebatte erstmals mit Gebärdensprach-Übersetzung

SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Nieszery will, dass es nicht bei einer gelegentlichen Maßnahme bleibt.

SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Nieszery (Foto: SPD)

SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Nieszery (Foto: SPD)

Als Malu Dreyer (hat MS) im Januar als neue Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz antrat, setzte sie ein Zeichen, indem sie anordnete, dass Gebärdensprachdolmetscher ihre erste Regierungserklärung übersetzen. Im Mai gab es solch eine Premiere in Sachsens Landtagssitzung. Nun folgt Mecklenburg-Vorpommern den Beispielen.

Der Landtag in Schwerin engagiert erstmals Gebärdensprachdolmetscher für eine Debatte. Sie sollen am Donnerstag die Diskussion über einen Antrag der Regierungsfraktionen SPD und CDU für Medikamenten-Beipackzettel, die auch für Blinde lesbar sind, für Gehörlose übersetzen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Nieszery geht noch weiter: Er schlug am Dienstag vor, die Landtagssitzungen generell von Gebärdensprachdolmetschern für Hörgeschädigte übersetzen zu lassen. Das sei in anderen Landtagen bereits üblich, so Nieszery.

„Man muss darüber reden“

In Mecklenburg-Vorpommern hingegen werde eine ganze Bevölkerungsgruppe ausgeblendet. Die Landtagsdebatten werden live im Internet übertragen. Dabei sollte der Gebärdensprachdolmetscher zu sehen sein, forderte Nieszery. „Das kostet viel Geld“, räumte er ein (na ja, so viel Geld ist das auch nicht, findet ROLLINGPLANET). „Aber man muss darüber reden.“

Barrierefreiheit beziehe sich auch auf die Teilhabe an aktuellen politischen Debatten, betonte sein Fraktionskollege Julian Barlen. Nach Angaben der Landtagsverwaltung kostet eine Gebärdensprachdolmetscher-Stunde 55 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Weil die Debatte über die Medikamenten-Beipackzettel länger als eine Stunde dauern soll, würden zwei Dolmetscherinnen engagiert, sagte Landtagssprecher Dirk Lange.

(RP/dpa)

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