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Medikamententests in DDR: Firmen und Ärzte sollen aufklären

Eine auf zweieinhalb Jahre angelegte Untersuchung soll am 15. Juni starten.

Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn (Foto: dpa)

Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn (Foto: dpa)

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat Verantwortliche der umstrittenen Medikamententests in der DDR aufgefordert, zur Aufklärung beizutragen.

Dies wäre sowohl für die damals beteiligten westlichen Firmen als auch für frühere DDR-Ärzte eine Chance, dieses Kapitel aufzuhellen, sagte Jahn am Donnerstagabend in Berlin bei einer Diskussion unter dem Motto „Geschäfte mit der Diktatur“.

Seit 1991 sei bekannt, dass westliche Firmen gegen Devisen in der DDR großangelegte Arzneimittel-Studien in Auftrag gaben, sagte Jahn. Erst jetzt beginne ein Forschungsprojekt.

Fast alle Großen sollen mitgemacht haben

Die Berliner Charité wird die Tests wissenschaftlich untersuchen. Das auf zweieinhalb Jahre angelegte Projekt unter Leitung des Charité-Medizinhistorikers Prof. Volker Hess soll am 15. Juni starten. Das Bundesinnenministerium übernimmt rund 70 Prozent der Finanzierung.

Nach ersten Schätzungen sind in mehr als 50 Kliniken 400 bis 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben worden. Mehr als 50.000 Patienten sollen nach derzeitigem Wissensstand daran teilgenommen haben – viele möglicherweise unwissentlich. Für die Testreihen haben westdeutsche Firmen viele hunderttausend D-Mark gezahlt, wie aus Akten im Bundesarchiv hervorgeht.

Fast alle großen Unternehmen der Branche sollen sich daran beteiligt haben, darunter Bayer, Schering, Hoechst, Boehringer, Pfizer, Sandoz und Roche.

(RP/dpa)

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