Mehr Hörtheater in Hamburg? Bürgerschaft zickt rum

Immerhin: Kulturausschuss beschließt Antrag zur Audiodeskription an Hamburger Theatern.

Deutsches Schauspielhaus Hamburg (Foto: Schauspielhaus, CC BY 2.5)

Deutsches Schauspielhaus Hamburg (Foto: Schauspielhaus, CC BY 2.5)

Am vergangenen Freitag beschäftigte sich der Kulturausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft mit einem Antrag der CDU-Fraktion zur Erweiterung des Angebots an Theateraufführungen mit Audiodeskription für blinde und sehbehinderte Menschen in Hamburg. Er entschied auf Basis des Antrags, dass der Senat bis März 2017 die finanziellen Möglichkeiten für die Ausstattung der drei staatlichen Theaterhäuser mit Streaming-Technologie prüfen solle. Darüber hinaus habe er jährlich zu den Fortschritten bezüglich der Quantität des Angebots und der Gespräche mit Musical-Häusern Bericht zu erstatten.

Heiko Kunert, Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg e.V. (BSVH) begrüßt den Beschluss der Bürgerschaft, die finanziellen Möglichkeiten für eine Ausstattung der staatlichen Häuser mit Streaming-Technologie prüfen zu lassen: „Sollten entsprechende Systeme in der Hamburgischen Staatsoper, dem Deutschen Schauspielhaus und dem Thalia Theater installiert werden können, wäre eine wichtige Voraussetzung für ein regelmäßiges Angebot geschaffen.“

„Chance vertan“

Auch das Vorhaben, in Zukunft Gespräche mit den Musical-Theatern in Hamburg zu führen, hält Heiko Kunert für einen wichtigen Schritt. „Hamburg ist die wichtigste Musical-Stadt in Deutschland und sehr stolz darauf“, so Kunert gegenüber ROLLINGPLANET. „Es wäre deshalb ein wichtiges Signal, dieses Angebot auch den 3.000 blinden und zirka 40.000 sehbehinderten Hamburgerinnen und Hamburgern zugänglich zu machen“.

Kunert kritisiert jedoch, dass die Einbindung der Interessenvertretung blinder und sehbehinderter Menschen, anders als im Antrag vorgesehen, nicht aufgegriffen wurde. Dieser hatte den Senat dazu aufgerufen, gemeinsam mit der Betroffenenvertretung in Hamburg ein Konzept zur Umsetzung zu entwickeln und regelmäßig über den Status zu berichten. Auch ein verbindliches Bekenntnis zu einem Ausbau des Angebots fehle ihm, so Kunert. Die Forderung, zu prüfen, wie die staatlichen Theaterhäuser ihr Angebot an Audiodeskription auf einmal monatlich erhöhen können, wurde gestrichen. Kunerts Fazit: „Zwei Theaterstücke im Jahr sind viel zu wenig. Der Kulturausschuss hat die Chance vertan, für einen zügigen und spürbaren Ausbau der Audiodeskription in Hamburg zu sorgen.“

(RP/PM)

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