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Mein erstes Mal: Es ist ein Buch

ROLLINGPLANET-Redakteur Lothar Epe hat ein Sammelband herausgegeben. Hier erzählt er, warum ihn das ziemlich erregt.

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Sie wollen mal einen selig aus der Wäsche guckenden Rollstuhlfahrer erleben? Der jeden – ob ihm bekannt oder fremd – erleuchtet anlächelt, als befände er sich gerade in einem Hare-Krishna-Tempel oder auf Wolke Sieben. Einen erwachsenen Mann mit Kinderlähmung beobachten, der glücklich vor sich hinsummt, nur weil einige Kisten neben ihm stehen? Dann kommen Sie mich besuchen!

Wer erinnert sich nicht an seine erste Liebesbeziehung. An sein erstes Mal. An die Flugzeuge im Bauch, die sich plötzlich und wie aus dem Nichts eingestellt haben. An die dadurch verursachte innerliche Erregung, die Dich zu zerreißen drohte. An die völlig sinnfreien Aktionen, die dazu führten, dass Du Dich auf einmal selbst nicht mehr kanntest. Daran, dass Dein Gehirn komplett ausgeschaltet war. Wie Du auf einmal Dinge gemacht hast, die von außen betrachtet zu einer Menge Unverständnis geführt haben. Bei denen selbst sehr verständnisvolle Mitmenschen spontan äußerten: „Der hat sie ja nicht mehr alle!“

Wie mein erstes Mal war? Das will ROLLINGPLANET nicht veröffentlichen! Aber das kann ich dafür berichten: Das erste eigene Buch in den Händen zu halten, führt – mindestens – zu einem genauso ekstatischen Zustand. Lust pur. Ein ganz besonders erregender Augenblick, wenn Du jungfräulich in Deinem ersten eigenen Buch herumblätterst.

Wovon hier wohlgemerkt nicht die Rede ist: Von einem potentiellen Bestseller. Auch nicht von einem Pulitzerpreis-verdächtigen Erstlingswerk. Vielmehr handelt es sich um die Poliomyelitis (Kinderlähmung) und deren Spätfolgen, die acht verschiedene und von dem Post-Polio-Syndrom betroffene Autoren in einem Biografieprojekt aus ihrer ganz persönlichen Sicht darstellen. Nur einige wenige Beiträge sind von mir selbst verfasst. Aber ich habe das Buch redaktionell betreut. Über einen langen Zeitraum. Und es ist mein Baby!

Das auch noch! Probleme beim Druck

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Über zwei Jahre lang hat es gedauert, bis das Werk endlich in Druck gehen konnte. Zunächst galt es, Autoren zu finden. Nicht ganz so einfach bei einem „Exotenthema“ wie den Spätfolgen der Poliomyelitis. Die Finanzierung musste geklärt und beantragt werden. Eine Lektorin musste gefunden werden. Und zwar eine, die einerseits möglichst kein Geld kostet, aber dennoch ein Profi ist und mit der ich im Team möglichst optimal zusammen arbeiten könnte.

Nachdem endlich alle Beiträge eingetroffen waren, musste das Buch redigiert werden. Dabei war ich unter anderem dafür verantwortlich, dass einerseits die Korrekturen der Lektorin eingearbeitet wurden und andererseits der persönliche Stil der Autoren/innen nicht darunter litt. Was für ein Rumgeeiere! Immer wieder waren Details mit den Autoren zu klären. Die alle mindestens genauso sensibel sind wie ich. Und zum Schluss hin gab es noch ein paar gehörige Geburtswehen in Form von technischen Schwierigkeiten, die sich aber erst zeigten, als die Manuskripte als Druckvorlage bereits in der Druckerei waren. Dagegen war die Produktion meiner Söhne ein echtes Kinderspiel.

Da ist das Neugeborene

Ja, und jetzt liegt es vor mir. Das Buch. Druckfrisch. Die Exemplare stehen in Kartons und dekorativ platziert in der Mitte meines Wohnzimmers auf dem Boden. DIN A-4-Format, Hardcover, schönes dickes, sich wohlig anfühlendes 90-Gramm-Papier. Vierfarbiger Umschlag, die Inhaltsseiten schwarz-weiß. Und mit einem Schrifttyp, mit dem auch viele Sehbehinderte klar kommen dürften. Ein großartiges Lesebuch ist es geworden. Mit Kurzgeschichten und Gedichten. Auch eine Reportage und ein Interview sind dabei. Und immer autobiografisch.

Auch noch einen ganzen Tag nach der Lieferung aus der Druckerei reißen diese Lust und Verzückungen nicht ab, die mich ergreifen, wenn ich das Buch anfasse und völlig aufgeregt darin herumblättere. Und immer wieder erwische ich mich dabei, wie diese verführerische Lust Besitz von mir ergreift, ohne dass ich auch nur annähernd dazu in der Lage wäre, das Ganze rational zu betrachten und meine Gedanken zu kontrollieren. Es ist ein Buch. Das erste Mal – ich werde es nie vergessen.

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Bestellungen

Das Buch „Begegnungen mit der Poliomyelitis – eine Erkrankung bekommt ein Gesicht“ ist erschienen bei der „Euregionalen Initiative für Kinderlähmungsfolgen Aachen e. V.“ und kostet einschließlich Versandgebühren 20 Euro.

Bestellungen sind ab sofort möglich unter:

[email protected] oder Telefon 02406/8042930

Die Auslieferung erfolgt unmittelbar nach Eingang des zu erstattenden Betrages auf folgendes Konto:

Euregionale Initiative für Kinderlähmungsfolgen Aachen e. V. (Eika e. V.)
Kontonummer: 1071528382,
Bankleitzahl: 390 500 00
Sparkasse Aachen

(RP)

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5 Kommentare

  • Jana

    Herzlichen Glückwunsch!
    Klingt wie das Gefühl,dass ich hatte, als ich in meinem ersten eigenen selbst finanzierten Auto sapß 🙂

    8. Dezember 2013 at 17:21
  • Lothar Epe

    Vielen Dank, Jana!

    9. Dezember 2013 at 09:52
  • Mathilde

    Hallo Lothar,
    ich habe das Buch verschlungen und von einigen Poliobiographieen war ich sehr berührt. Ich bin bis jetzt noch gut mit PPS weggekommen. Aber Kämpfen habe ich auch gelernt.
    Das Äußere des Buches ist ansprechend und der Text gut lesbar,
    Vielen Dank für dein erstes Buch und ich wünsche Dir reißenden Absatz.
    Mathilde

    10. Dezember 2013 at 10:16
  • Mathilde

    Hallo Lothar,
    herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Buch. Ich habe es verschlungen und war von einigen Polios berührt. Das Buch ist sehr ansprechend auf gemacht und gut zu lesen.
    Ich wünsche Dir reißenden Absatz
    Mathilde

    10. Dezember 2013 at 10:19
  • Lothar Epe

    Hallo Mathilde,

    vielen Dank fpr Dein Feedback! Freut mich sehr, dass Dir das Buch gefällt. LG Lothar

    10. Dezember 2013 at 12:02

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