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Mein erstes Mal: Mit dem Rollator in den Zug

Viele ältere Menschen haben Angst vorm Ein- und Aussteigen. Nun bietet die Bahn Kurse an – darüber freut sich auch eine Rollatorfirma.

Rentnerin Margarete Wagner nimmt an einem Training der Deutschen Bahn (DB) für Rollator-Fahrer im Hauptbahnhof Bamberg (Bayern) teil. (Foto: David Ebener/dpa)

Rentnerin Margarete Wagner nimmt an einem Training der Deutschen Bahn (DB) für Rollator-Fahrer im Hauptbahnhof Bamberg (Bayern) teil. (Foto: David Ebener/dpa)

Margarete Wagner stockt der Atem. Noch nie ist sie mit ihrem Rollator Zug gefahren; zu groß schien ihr die Gefahr beim Ein- und Aussteigen. Jetzt steht die 81-Jährige mit ihrem Gehwagen am Bahnsteig, und die Türen des Regionalzugs öffnen sich.

„Dass ich es nicht rechtzeitig schaffe und mitgerissen werde, davor hatte ich am meisten Angst“, sagt die Bambergerin. Deshalb nahm sie gestern an einem speziellen Rollator-Training der Deutschen Bahn teil. Mit Tipps, Tricks und einem Hindernisparcours will das Unternehmen den älteren Menschen die Angst vor einer Bahnfahrt nehmen.

Viele trauen sich nicht

Margarete Wagner traut sich seit zehn Jahren nicht mehr, alleine mit dem Zug zu fahren (Foto: David Ebener/dpa)

Margarete Wagner traut sich seit zehn Jahren nicht mehr, alleine mit dem Zug zu fahren (Foto: David Ebener/dpa)

Immer mehr Gehbehinderte wollen laut Bahn-Sprecherin Birgit Pörner öffentliche Verkehrsmittel nutzen – trauen es sich aber oft nicht zu. „Dabei ist alles reine Übungssache.“

Außerdem biete die Bahn die Servicenummer 0180/6512512 an, bei der sich Betroffene melden können. Bei Fernreisen bekommen sie dann am Bahnsteig einen Helfer zur Seite gestellt, im Nahverkehr wird das Zugpersonal informiert. (Wie gut das in der Praxis klappt, lässt ROLLINGPLANET als bekennender Bahn-Hasser einfach mal unkommentiert.)

Margarete Wagner will es aus eigener Kraft schaffen: Sie steigt ein, und zwar rückwärts, weil das leichter geht. Die weißhaarige Rentnerin dreht sich um, setzt vorsichtig einen Fuß auf das Trittbrett zwischen Bahnsteigkante und Zug und zieht den Rollator in den Waggon. „Das geht ja“, sagt Wagner, „ich habe mir das schwerer vorgestellt.“

Rollatorfirma Topro kann sich freuen

Gelungener Schachzug der Rollatorhersteller Topro  (Foto: David Ebener/dpa)

Gelungener Schachzug der Rollatorhersteller Topro (Foto: David Ebener/dpa)

Die Zugfahrt nach Lichtenfels beendet das Rollator-Training in Bamberg. Die Nachfrage ist diesmal gering, doch bei den ersten beiden Schulungen in diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz war der Andrang groß.

Die Bahn will die Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit dem Rollatorhersteller Topro (kriegt bei „Stiftung Warentest“ regelmäßig gute Noten) deshalb erneut anbieten, das nächste Mal Ende September in Dresden. Für die norwegische Firma ein mehr als gelungener Marketing-Schachzug.

Das Angebot umfasst einen Hindernislauf am Bahnsteig, eine Zugfahrt mit dem Nahverkehr und eine Sicherheitsüberprüfung der Gehhilfen. Das Konzept kommt an: Im vergangenen Jahr wurde in 82 Städten ein solcher „Rollator Tag“ durchgeführt – insgesamt nahmen über 5.000 Personen teil, rund 4.000 „Rollator-Führerscheine“ wurden ausgegeben.

Margarete Wagner jedenfalls hat die Reiselust gepackt: Sie will endlich ihre Freundin in Augsburg besuchen. Nach mehr als zehn Jahren traut sie sich die Zugreise mit Rollator zum ersten Mal alleine zu.

(RP/Stephanie Kundinger, dpa)


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6 Kommentare

  • Nikole Müller

    wollen die einen veräppeln ? kurse zum einsteigen für rollatornutzer ? wenn man mal mit der bahn gefahren is , als behinderter (ich , rollifahrer )dann kann man was erzählen :)…besonders, wenn man sich als ziel e kleineren bahnhof ausgesucht hat /aussuchen musste …da bleibt man , wenn man pech hat , nicht nur im zug sitzen (wegen des niveauunterschiedes zug /bahnsteig und wenns keine kräftigen helfer gibt ), nee, auch stundenlang aufn bahnsteig , weils weder aufzüge noch rampen gibt 🙁 also, behindertenfreundlich /barrierefrei usw. sind die wenigsten bahnhöfe (ausser den grossen )..so das man als rollifahrer entweder e „heer „kräftige helfer mit haben muss und /oder eben „mut zum risiko „, wenn man die bahn als probates verkehrsmittel nutzen will /ansieht ..noch dazu weil es ja gerade die REGIOS sind, die man mit schwerbehindertenausweis kostenlos nutzen könnte …nicht aber die ICE .(und zu den ICE-bahnhöfen muss man ja auch erstmal kommen )..und wer die „doppelstockregios „kennt , der weiss, das es fast unmöglich ist , als rollifahrer /“rollatorschieber „:) da rein zu kommen !

    5. September 2013 at 10:48
  • Conny

    vielleicht sollten ja die Bahnleute erst mal richtig geschult werden…

    5. September 2013 at 12:46
  • Barbara Doppler

    ich auch Rollifahrer, selbes Problem wie Nikole! Und wenn man zum Einsteigen einen Kurs braucht dann is schon was im Argen!

    5. September 2013 at 14:00
  • Nikole Müller

    anstatt (frecherweise )kurse für „rolltaorbesitzer „anzubieten , die nicht mal annähernd die widrigkeiten berücksichtigen , die einem beim benutzen des öffendlichen verkehrs passieren können (mal vom miesen service der bahn ganz abgesehen )wäre es an der zeit , den öffendlichen nahverkehr für alte /behinderte überhaupt durchgängig nutzbar zu machen , wenn man bedenkt , das ja angeblich deutschland immer mehr „vergreist „und somit rollatorschieber und rollstuhlfahrer bald eherzum strasenbild gehören, als kinderwagen schiebende mütter /väter .

    5. September 2013 at 16:11
  • Christian

    Da muss die Bahn nachrüsten, denn es wird mit Sicherheit in Zukunft viel mehr ältere Menschen mit einem Rollator unterwegs sein.

    4. November 2013 at 22:46
  • Thomas

    Ganz zu schweigen von den hohen Stufen, die überwunden werden müssen, was einem gesunden Menschen mit schweren Koffern schon schwer fällt, haben viele ältere Menschen oftmals gar nicht die Kraft, die Türen beim Ein- und Aussteigen zu öffnen.

    Gerade vor zwei Tagen hab ich mit einem vollkommen gesunden jungen Mann gesprochen, der es nicht geschafft hat die Tür schnell genug zu öffnen. Die Bahn fuhr weiter und er musste eine Station später aussteigen.

    4. August 2014 at 18:48

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