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Mein Herz ist eine Kuh

Nach 15 Jahren Entwicklungszeit: Prothese in mehreren Ländern zum Test am Menschen freigegeben.

Das neuartige künstliche Herz verwendet Kuhgewebe (Foto:  Andreas Hermsdorf/pixelio.de)

Das neuartige künstliche Herz verwendet Kuhgewebe (Foto: Andreas Hermsdorf/pixelio.de)

Ein neuartiges künstliches Herz ist nach 15-jähriger Entwicklungszeit in mehreren Ländern zum Test am Menschen freigegeben worden. Die Prothese wurde von dem in Paris ansässigen Unternehmen Carmat entwickelt und kombiniert künstliche und biologische Teile. Zusätzlich verfügt das Herz über eingebaute Sensoren, Software und Mikroelektronik. Bislang ist erst ein künstliches Herz der US-Firma SynCardia für die Implantation beim Menschen freigegeben.

Temporäre Lösung bis zur Transplantation

Die Prothese wurde in Herzforschungszentren in Belgien, Polen, Saudi-Arabien und Slowenien für klinische Studien zugelassen. Die Mitarbeiter der Einrichtungen erhalten bereits die entsprechende Ausbildung und potenzielle Patienten werden ausgewählt, so Piet Jansen, der medizinische Direktor von Carmat. In Frankreich selbst sind noch zusätzliche Tests vor der Freigabe für die Implantation beim Menschen nötig.

Künstliche Herzen dienen in erster Linie als temporäre Lösung, bis ein Spenderherz zur Verfügung steht. Häufiger werden jedoch Herzunterstützungssysteme implantiert. Die Hauptprobleme bei einem künstlichen Herzersatz sind die Größe und die mechanische Belastung. Die Verwendungsdauer des derzeit gängigen Modells der Firma SynCardia liegt lediglich bei einem halben bis Dreivierteljahr. Für manche Herzprobleme könnten, so Experten, die komplett implantierten Kunstherzen die richtige Lösung sein.

Mit Kuhherz-Gewebe

Die Besonderheit des neuen Herzens von Carmat besteht in der Verwendung von Kuhherz-Gewebe in Verbindung mit künstlichen Teilen. Jene Oberflächen, die mit menschlichem Blut in Kontakt kommen, bestehen aus dem biologischen Material. Es vermeidet so das Problem der Blutgerinsel, die bei herkömmlichen künstlichen Oberflächen aus Plastik entstehen und das Risiko von Schlaganfällen erhöhen.

Laut Joseph Rogers von der Duke University wird so der Bedarf an Medikamenten gegen Blutgerinnung vermindert.

Im Herzen befinden sich weiterhin Sensoren, die Druckveränderungen erkennen können. Die Informationen werden an ein externes Kontrollsystem weitergeben, das den Pumprhythmus reguliert. Die notwendige Energie bezieht das Herz aus zwei ebenfalls extern getragenen Lithium-Ionen-Batterien.

(pte)

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