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Mein Opa stinkt gar nicht. Wie macht er das?

Senioren riechen anders als jüngere Menschen – und manchmal sogar angenehmer. Sprühen statt müffeln: Worauf es bei der Körperpflege ankommt. Von Sabine Maurer

Nasde rümpfen gilt nicht (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)

Nase rümpfen gilt nicht (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)

Er riecht alt. Wann immer die 41-jährige Frau ihren Vater zur Begrüßung umarmt, ist das ihr erster Gedanke. Sie hat recht, und ihr Vater ist keine Ausnahme: Der Körpergeruch verändert sich im Laufe des Lebens, alte Menschen riechen anders als junge.

„Früher hat man das nur vermutet, nach einer Studie weiß man es nun“, sagt Prof. Jessica Freiherr, Geruchsforscherin am Universitätsklinikum Aachen. Bei dieser Studie in Philadelphia, die vergangenes Jahr veröffentlicht wurde, erkannten junge Probanden den Geruch von alten Menschen eindeutig.

Alte riechen besser als junge Menschen

Und es gab eine Überraschung: Der „alte“ Geruch wurde im Vergleich zu den Ausdünstungen von jungen und mittelalten Menschen als am angenehmsten und wenigsten intensiv beschrieben.

Am schlechtesten kamen bei dieser Studie die jungen bis mittelalten Männer weg. Schuld daran war das männliche Sexualhormon Testosteron, dessen Abbauprodukte für einen sehr intensiven Geruch sorgen. Der Geruch von Frauen wurde als deutlich neutraler wahrgenommen.

Dass die Probanden in der amerikanischen Studie die Gerüche von alten Menschen als angenehm empfunden haben, liegt nach Meinung der Geruchsforscherin Freiherr an ihrer neutralen Einstellung: Sie wussten nicht, was sie riechen. „Wäre ihnen gesagt worden, das ist der Schweiß von alten Menschen, wäre die Bewertung sicherlich anders ausgefallen.“

Bei dem Projekt waren in Shirts in der Höhe der Achselhöhlen Pads eingenäht worden. Sie wurden drei Tage getragen und dann den Probanden unter die Nase gehalten.

„Der Kontext ist beim Geruch wichtig. Wird zum Beispiel beim Schnuppern an einem guten Käse an eine Socke gedacht, dann riecht er nach einem Käsfuß“, erklärt die Wissenschaftlerin. Sie vermutet, dass etwa der Besuch in einem Altersheim negativ empfunden und daher auch der Geruch so beurteilt wird.

Wie entsteht Körpergeruch?

Der Körpergeruch entsteht durch die Arbeit der Bakterien, wenn sie die Bestandteile des Schweißes zersetzen. Dieser besteht zu 99 Prozent aus Wasser, das verdunstet. Der Rest setzt sich zum Beispiel aus Harnstoffen, Harnsäure, Zucker und Ammoniak zusammen.

Die Bakterien fühlen sich vor allem da wohl, wo es warm und feucht ist – also etwa in den Achselhöhlen und an Fußsohlen, die in Schuhen luftdicht verpackt sind. Sie finden dort so viel Nahrung, dass sie sich rasant vermehren – bis es irgendwann stinkt.

Was sich negativ auf den Geruch auswirkt

Manche ältere Menschen riechen weniger intensiv als in jungen Jahren. Denn die Hormone werden weniger, die Haut hat weniger Fett und Schutzstoffe, die Sekrete der Drüsen verändern sich. Für intensiven Körpergeruch gibt es – nicht nur im Alter – mehrere Gründe. Mangelnde Hygiene, Alkohol, Nikotin, bestimmte Lebensmittel und Übergewicht wirken sich immer negativ auf den Geruch aus.

„Ein weiterer Grund sind Krankheiten, die im Alter eben häufiger auftreten“, erklärt der Hautarzt Heiko Grimme aus Stuttgart. So riecht etwa der Atem von nierenkranken Menschen nach Urin. Außerdem kann bei den Senioren Inkontinenz ein Thema sein.

Eigener Geruch wird nicht wahrgenommen

Weiterhin nehmen ältere Menschen häufiger Medikamente ein, die den Geruch verändern. Hinzu kommen die Hautfalten. Auch in diesen feucht-warmen Stellen fühlen sich die Bakterien wohl.

Grimme nennt noch weitere mögliche Gründe: So würden manche Senioren Parfüms oder Seifen benutzen, die sie alt riechen lassen. Oder der muffige Geruch von altem Mobiliar in ihrem Haus setzt sich in ihrer Kleidung fest. Hinzu kommt noch der Geruchssinn, der etwa ab einem Alter von 55 Jahren langsam schlechter wird: Ältere Menschen können also schwerer als jüngere ihren eigenen Körpergeruch wahrnehmen.

“Man darf sich nicht vernachlässigen“

Der Hautarzt rät Senioren, bei diesem Thema auf jeden Fall sensibel zu sein und auf gute Körperhygiene zu achten. „Man darf sich nicht vernachlässigen.“

Die Geruchsforscherin Freiherr empfiehlt bei einem intensiven Körpergeruch, weite Kleidung aus Baumwolle oder anderen Naturfasern zu tragen. Benutzte Kleidung sollte nicht in den Schrank gelegt, sondern täglich gewaschen werden. „Die Bakterien sind sonst drin und leben im Schrank weiter.“

Für Menschen mit Inkontinenz empfiehlt Birgit Huber vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel in Frankfurt am Main absorbierende Produkte wie Einlagen, Slips oder Inkontinenzhosen. Von unfreiwilligem Urinverlust sind in Deutschland etwa vier Millionen Menschen betroffen, es sind vor allem Senioren im Alter über 65 Jahren.

Wie sage ich es?

„Für Menschen mit intensivem Körpergeruch sind auch parfümierte Produkte für Haut und Haar sowie stark wirkende Deos ratsam“, sagt sie. Deos hemmen die Vermehrung der Bakterien und überdecken den Geruch. Die Haut sollte vor dem Auftragen gereinigt werden. Außerdem gibt es noch die sogenannten „Antitranspirants“ – sie sorgen für eine geringere Schweißbildung und damit für weniger Bakterien und dezenteren Geruch.

Doch was können Personen im Umfeld tun, wenn ihnen Körpergeruch unangenehm auffällt? „Man sollte die älteren Herrschaften immer darauf ansprechen. Es droht sonst Isolierung und soziale Vereinsamung“, sagt Christa Roth-Sackenheim, Psychotherapeutin in Andernach. Daher sollten Angehörige oder Freunde es klar ansprechen: „Es ist hier ein unangenehmer Geruch, ich denke, der geht irgendwie von dir aus. Lass uns mal überlegen, wo der genau herkommt.“

(dpa)

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