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Malu Dreyer: Meine Nase, meine Behinderung, mein Mann

Immer diese Fragen: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin gibt Auskunft über sich.

Das ist sie: Die selbstgeliebte Nase von Malu Dreyer (Foto: dapd)

Zu der Nase gibt es natürlich auch ein Gesicht: Malu Dreyer ist eine der sympathischsten Politikerinnen Deutschlands (Foto: dapd)

Ach, wie die Zeit vergeht, aber die Nase war schon immer da: Malu Dreyer 2002 nach ihrer Ernennung zur neuen Arbeits- und Sozialministerin für Rheinland-Pfalz (Foto: Alexander Heimann/ddp)

An Multipler Sklerose (MS) nicht nur erkrankt, sondern daran auch leidend – selbst wenn das Opfer letzteres ständig verneint und „mit niemanden tauschen möchte“. Nicht nur behindert, sondern auch heroisch. Ganz klar: Die neue rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ist ein Fall für „Bild“ („Deutschlands tapferste Politikerin“) und andere Medien.

Damit wir nicht gleich mit dem Rollstuhl anfangen müssen, nimmt sich ROLLINGPLANET erst mal die Nase von Malu Dreyer vor. Am vergangenen Montag veröffentlichte der „Focus“ 13 Fragen an und 13 Antworten von Marie Luise Dreyer. „Was gefällt Ihnen an sich besonders?“, erkundigten sich die Münchner. „Meine Nase“, antwortete die 51-Jährige. Damit wäre das also auch geklärt.

Ihre Lebensweisheit gehört zu jenen Sätzen, die einen bei Online-Flirtbörsen sofort abschrecken, eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu wählen, passt aber praktischerweise irgendwie zu MS: „,Carpe diem‘– genieße den Tag.“

„Sie leiden an multipler Sklerose. Sind Sie in Ihrem Umgang mit der Krankheit ein Vorbild für Menschen mit einer Behinderung?“ fragt „Focus“. Dreyer: „Ich würde mich freuen, wenn ich andere dazu ermutigen könnte, sich nicht behindern zu lassen.“

Und wir erfahren via „Focus“: Dunkle Schokolade ist für die Politikerin eine echte Versuchung.

„Der Rollstuhl gibt mir Freiheit“

Heute nun ein Interview in „Bild am Sonntag“: „Die neue Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz leidet an Multipler Sklerose – Malu Dreyer: ,Der Rollstuhl gibt mir Freiheit‘.“

Malu Dreyer bezeichnet Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wie schon in einem „Bunte“-Interview als Vorbild (ROLLINGPLANET berichtete). „Es wird von allen akzeptiert, dass er ein sehr leistungsfähiger Minister mit großer Verantwortung ist und sich dabei ganz selbstverständlich im Rollstuhl bewegt“.

Damit habe er sehr viel für einen normalen Umgang mit Behinderten getan. Schäuble sitzt seit einem Attentat 1990 im Rollstuhl. Dreyer nutzt den Rollstuhl für längere Strecken. Sie habe aber nie daran gezweifelt, dass sie trotzdem Ministerpräsidentin sein könne.

“Wir probieren das jetzt mal aus“

Klaus Jensen (61), SPD­-Oberbürgermeister von Trier, schiebt seine Frau Malu Dreyer am Mittwoch durch den Hof der Staatskanzlei (Foto: dpa)

Vor dem Rollstuhl ist sie einige Zeit zurückgeschreckt. „Es hat mich Überwindung gekostet, den Rollstuhl überhaupt zum ersten Mal zu benutzen“, sagte die 51-Jährige der Zeitung. Als sie längere Strecken nicht mehr zu Fuß gehen konnte, habe ihr Mann Klaus in einem Urlaub auf Lanzarote gesagt: „Komm, hier kennt uns keiner. Wir probieren das jetzt mal aus.“

Dreyer berichtete, sie und ihr Mann seien mit dem geliehenen Rollstuhl den ganzen Tag am Meer unterwegs gewesen. „Ich habe gefühlt, wie ich Freiheit zurückgewinne. Im Rollstuhl“, sagte sie.

Multiple Sklerose „schränkt mich nur in meiner Mobilität ein. Gott sei Dank lebe ich in einer Zeit, in der es tolle Hilfsmittel gibt. Der Rollstuhl ist immer in meinem Reisegepäck dabei. Und für kürzere Wege stütze ich mich einfach beim Gehen auf den Arm einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters.“

Mit dem Begriff „Krüppel“ kann sie im übrigen nichts anfangen: „Krüppel ist ein Begriff aus vergangenen Zeiten, den ich nicht verwenden möchte.“

Zum „Bild“-Interview


Alle ROLLINGPLANET-Berichte über Malu Dreyer


(RP/dapd/dpa)

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