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Menschen mit Behinderung sollen bessere Heil- und Hilfsmittel bezahlt bekommen

Gesetzgeber plant Verbesserungen – das soll sich konkret bei der Versorgung mit Rollstühlen, Windeln oder Krankengymnastik ändern.

Krankenkassen dürfen künftig nicht mehr nur auf den Preis von Hilfsmitteln schauen, sondern müssen auch deren Qualität Berücksichtigen. (Symbolfoto Rollstuhl: Shutterstock)

Krankenkassen dürfen künftig nicht mehr nur auf den Preis von Hilfsmitteln schauen, sondern müssen auch deren Qualität Berücksichtigen. (Symbolfoto Rollstuhl: Shutterstock)

Im September verabschiedete die Regierung einen Gesetzentwurf zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (ROLLINGPLANET berichtete). Damit soll auch der sogenannte Windel-Skandal beendet werden – so zwingen Krankenkassen inkontinente Menschen oftmals zu schlechten Produkten, um Geld zu sparen. Das gilt auch für viele andere Hilfsmittel wie Rollstühle. Nun ist bekannt (heute tagte der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages), welche konkreten Verbesserungen der Gesetzgeber bei der Heil- und Hilfsmittelversorgung plant:

  • Krankenkassen dürfen künftig nicht mehr nur auf den Preis von Hilfsmitteln schauen, sondern müssen auch deren Qualität berücksichtigen und ihren Versicherten eine Auswahl zwischen verschiedenen Hilfsmitteln ermöglichen, ohne dass sie draufzahlen müssen. Dies muss regelmäßig kontrolliert werden.
  • Versicherte müssen von den verordnenden Leistungserbringern und den Kassen ausreichend beraten werden, welche Hilfsmittel, die die Kassen übernehmen, für sie geeignet sind.
  • Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spitzenverband) muss bis Ende 2018 das Hilfsmittelverzeichnis grundlegend aktualisieren.
  • Heilmittel werden weiter vom Arzt verordnet, der Therapeut bestimmt aber Auswahl und Dauer der Therapie (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie) sowie Häufigkeit der Behandlungseinheiten. Diese „Blankoverordnungen“ sollen vorerst in einem Modellvorhaben getestet werden.
Der Unterschied zwischen Heil- und Hifsmitteln
Heilmittel unterstützen die Heilung – etwa eine Sprechtherapie nach einem Schlaganfall oder Krankengymnastik nach einem Unfall. Hilfsmittel dagegen helfen ein gesundheitliches Defizit auszugleichen, ohne es tatsächlich zu lindern, also Windeln bei Blasenschwäche oder ein Rollstuhl bei Lähmungen.
Heilmittel sind medizinische Dienstleistungen oder Behandlungen, die von Vertragsärzten verordnet und von speziell ausgebildeten Therapeuten erbracht werden. Arzneimittel sind also in diesem Sinne keine Heilmittel. Für Heil- wie Hilfsmittel gibt es einen Leistungskatalog.

(RP/dpa)

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12 Kommentare

  • Sabine Mueller

    hört hört – man darf gespannt sein…

    13. Februar 2017 at 12:57
  • Michael Follner

    Schöner Gedanke – nur die Realität schaut anders aus!

    13. Februar 2017 at 14:02
  • Sabine Winner

    Da sollten diese Idiotiotchen Ausschreibungen die die Kassen mit den Anbietern und Sanihäuser machen verboten werden.

    13. Februar 2017 at 14:22
  • Sonja Hille

    Das wäre ja mal achön… abwarten…

    13. Februar 2017 at 14:32
  • Maik Bendel

    abwarten und Tee trinken. Die Kassen finden immer ein Schlupfloch 🙁

    13. Februar 2017 at 15:13
  • Antje Lißner

    Hoffentlich gilt das dann auch für Rollatoren und alle Hilfsmittel die eine Behinderung ausgleichen Ich erwarte mal besser nicht zuviel.

    13. Februar 2017 at 15:46
  • T. Schneider

    Genau das gegenteilige passiert gerade. Die TK (ca. 10 Mio Versicherte) hat noch mal schnell (seit August 2016) die ableitenden Inkontinenzprodukte ausgeschrieben Ab 01.03.2017 stehen die Versicherten (ohne bisher nformiert worden zus sein) aktuell ohne Versorgungspartner für Katheter da. Die TK Bewahrt bisher Stillschweigen über den/ oder die Gewinner der Ausschreibung. Hier droht während des Gesetzgebungsverfahren ein neuerlicher Skandal im Bereich der Hilfsmittelversorgung. Teile der Industrie haben beute TK Kunden informiert.

    13. Februar 2017 at 16:05
  • Armin Goldy

    Pass bloß auf dass Sozialamt nicht die Grad der Behinderung sich runterziehen. Gerade beim besseres Hilfsmittel.

    13. Februar 2017 at 16:05
  • Petra Bangel

    Ich wäre dafür 👍👍👍👍👍👌🏼

    14. Februar 2017 at 09:12
  • Gabriela Demel

    Wie sieht es mit dem Freestyle Libre bei Diabetikern aus. Eine neue super Messmethode ohne Stechen. Mein Mann hatte zwei Schlaganfälle innerhalb von vier Tagen. Hat nur drei Finger wo ich stechen kann. Er ist links halbseitig gelähmt und kann sich nicht mehr selber messen. Unsere KK, AOK Rheinland Pfalz/ Saarland übernimmt nur 150€ für drei Monate. Kosten aber 425€, musste 275€ dazu bezahlen.
    Audi BKK übernimmt komplett alles. Ikk Südwest 80 %, Techniker KK in etwa auch. Ich bin so wütend, denn die Teststreifen für Accuchek Kassetten, sind weit aus teurer. Begreife die Unterschiede nicht. Mit dem Freestyle Libre ist man viel flexibler und die Gefahr einer Unterzuckererung ist emens gering, da mein Mann sich wieder selber messen kann mit Hilfe der Sensoren.

    14. Februar 2017 at 13:10
  • Alexandra

    Die Lipödem-Patientinnen (die ja im hohem Stadium häufig gehbehindert sind) bekommen seit Anfang diesen Jahres keine manuelle Lymphdrainage verodnet obwohl diese für einige Stunden die schmerzen lindern können.

    14. Februar 2017 at 17:48
  • Tom Schneider

    Da ist die TK dem Gesetz nochmals zurvor gekommen und hat Katheter und andere ableitenden Inkohilfsmittel ausgeschrieben. Eine sehr bedenkliche Entscheidung und ab 01.03. bindend. Hier kann es zu einem weiteren „Windelskandal“ kommen,

    18. Februar 2017 at 17:46

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