Menschen mit Epilepsie wollen raus aus der Stigmatisierung

Gesellschaftliche Vorurteile machen Betroffenen immer noch das Leben schwer. In Mainz tagen an diesem Wochenende Selbsthilfegruppen.

Leuchtskulptur am Eingang zur Epilepsie-Monitoring-Einheit im Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf in Hamburg. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Leuchtskulptur am Eingang zur Epilepsie-Monitoring-Einheit im Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf in Hamburg. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Epilepsiekranken wird häufig noch mit Vorurteilen begegnet. „Wir wollen raus aus der Stigmatisierung“, sagte Stefan Conrad, Vorsitzender der Deutschen Epilepsievereinigung, vor einer Tagung seines Dachverbands von Selbsthilfegruppen an diesem Wochenende in Mainz. „Das ist eine Krankheit, mit der man eigentlich leben kann – ich spreche aus eigener Erfahrung“, sagte Conrad. Angesichts verbreiteter Vorurteile neigten Betroffene oft dazu, sich zurückzuziehen und zu isolieren. In den Selbsthilfegruppen gebe es vielfache Hilfestellung zur Befreiung ihrer Lebensmöglichkeiten.

Das Auftreten von Epilepsie im Alter nehme zu, erklärt die Leiterin des Epilepsiezentrums Hessen an der Uni-Klinik Marburg, Susanne Knake. Umso wichtiger werde angesichts des demografischen Wandels das Zusammenwirken von medizinischer Betreuung und sozialer Beratung. „Durch die richtige Therapie kann man Lebensläufen eine andere Wendung geben, da hat sich in den letzten 20 Jahren viel getan“, sagte die ebenfalls an der Tagung teilnehmende Professorin.

Fortschritte in der Therapie

Wichtig ist nach Angaben der Expertin eine frühzeitige Erkennung mit Hilfe von EEG- und MRT-Bildern. Dabei komme es auf die sorgfältige Auswertung der Befunde an, möglichst in enger Zusammenarbeit von Radiologen und Neurologen. „Mit der richtigen Diagnose und einer spezifischen Behandlung kann man vielen Patienten helfen, die früher als nicht therapierbar galten“, erklärte Knake.

Zu den Hinweisen auf eine mögliche Epilepsieerkrankung gehören zum Beispiel kurzfristige Absencen, also vorübergehende Aussetzer im Bewusstsein, ein starrer Blick mit Nesteln der Hände oder kurze heftige Bewegungen im Schlaf. „Es lohnt sich, gerade am Anfang einer Erkrankung genau hinzuschauen“, riet die Professorin.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGFE) erkranken etwa ein Prozent aller Menschen an einer Epilepsie, bei der es sich um eine Störung im Zusammenwirken der insgesamt etwa 20 Milliarden Nervenzellen des Gehirns handelt. Epileptische Anfälle können einzeln oder wiederholt auftreten, fokal (an einem bestimmten Ort im Gehirn) oder generalisiert (also das ganze Gehirn umfassend).

Der Epilepsievereinigung gehören nach Angaben Conrads rund 1.000 Mitglieder an. Zu der Tagung in Mainz mit dem Thema „Epilepsie kann jeden treffen – in jedem Alter“ werden rund 80 Teilnehmer erwartet.

(dpa)

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