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Menschen mit Lernschwierigkeiten werden bis zu dreimal häufiger krank als Menschen ohne Behinderung

Bewegung, Ernährung, Umgang mit Krisen, Arztgespräche und anderes mehr: vdek und KHSB veröffentlichen Projekt-Broschüre zur Gesundheitsförderung.

Titelblatt der neuen Gesundheitsbroschüre von vdek und KHSB.

Titelblatt der neuen Gesundheitsbroschüre von vdek und KHSB.

Menschen mit Lernschwierigkeiten werden bis zu dreimal häufiger krank als Menschen ohne Behinderungen – oft mit schwerem Verlauf und längerer Krankheitsdauer. Um ihre Gesundheitschancen zu erhöhen, haben der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) und die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) eine neue Broschüre herausgegeben. Die Publikation stellt die Ergebnisse des KHSB-Forschungsprojektes GESUND! vor und gibt Werkstätten für behinderte Menschen Materialien an die Hand, mit denen sie das gesundheitsfördernde Verhalten ihrer Beschäftigten mit Lernschwierigkeiten anregen können.

Die Inhalte der Broschüre lassen sich, so die Autoren, auch auf andere Bereiche der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen übertragen. Beim Projekt GESUND! wurden Beschäftigte mit Lernschwierigkeiten einer Berliner Werkstatt in einem Kurs zu „Gesundheitsforschern“ ausgebildet und so an die Gesundheitsförderung herangeführt. Anhand von Themen wie Bewegung, Ernährung, „Umgang mit Krisen“, „Arztgespräche“ und „Das Herz“ lernten sie, selbstbestimmt Einfluss auf ihre eigene Gesundheit zu nehmen. Das Projekt GESUND! wird vom vdek und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Es ist Teil des Forschungsverbundes für gesunde Kommunen (PartKommPlus).

Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, würdigte das Projekt und die vdek-Publikation: „Das Projekt GESUND! macht Menschen mit Lernschwierigkeiten zu handelnden Experten in eigener Sache und bindet sie direkt in die Gesundheitsförderung ein. Das ist eine Herangehensweise, die genau dem Motto der Behindertenrechtskonvention entspricht: ‚Nicht über uns ohne uns‘. Ich hoffe, dass die Broschüre dazu beiträgt, die Inhalte des Lichtenberger Projektes auf viele andere Einrichtungen zu übertragen.“

Noch wenige entsprechende Angebote

Ulrike Elsner, vdek-Vorstandsvorsitzende, erklärte: „Die Ersatzkassen und der vdek setzen sich dafür ein, dass Gesundheitsförderung und Prävention auch bei den Menschen ankommen, die davon oft nur schwer erreicht werden. Seit über 30 Jahren engagieren wir uns z. B. im Rahmen der Selbsthilfeförderung für Menschen mit Behinderungen. Das innovative Konzept der KHSB zielt auf eine Gruppe, für die es noch wenige entsprechende Angebote gibt. Das hat uns überzeugt. Mit unserer Broschüre wollen wir einen Beitrag zur Verbreitung dieses Konzepts leisten. Wir hoffen, damit zur Gesundheit möglichst vieler Menschen beizutragen.“

Prof. Dr. Reinhard Burtscher, Leiter des Projektes GESUND! an der KHSB, sagte: „Unsere Wirkungsanalyse zeigt, dass es gelungen ist, eine forschende Haltung bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu befördern. Es wurde das individuelle Interesse geweckt, sich mit Gesundheitsfragen in verschiedenen Lebensbereichen auseinanderzusetzen. Alle Beteiligten entwickelten mit viel Neugierde und Spaß am Lernen ihr Gesundheitsbewusstsein und ihre Gesundheitskompetenz weiter.“

Die kostenlose Praxishilfe „Gesundheitsförderung mit Menschen mit Lernschwierigkeiten“ umfasst rund 170 Seiten und enthält unter anderem umfangreiche Lernmaterialien für den „Gesundheitsforscher“-Kurs. Das Heft ist zum Teil in einfacher Sprache verfasst. Ab Mitte Juni 2017 wird es bundesweit an 730 Werkstätten für Menschen mit Behinderung verschickt. Die Broschüre sowie zusätzliche Online-Lernmaterialien gibt es ebenfalls kostenfrei zum Download auf der Website des vdek unter www.vdek.com/projektgesund.

(PM)

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