Menschen schauen lieber den Sturm der Liebe als Paralympics

Trotz vieler spektakulärer Bilder sind es vor allem junge Menschen, die unsere Sportler in London nicht angucken. Zudem haben ARD und ZDF von wichtigen Wettkämpfen keine Live-Bilder. Dennoch sind die Beteiligten zufrieden.

„Sturm der Liebe“: Melanie Wiegmann, Moritz Tittel und Lucy Scherer posieren für die Fotografen. (Foto: DasErste)

Wie ROLLINGPLANET bereits nach dem ersten Wettkampf berichtete und vorhersagte, sind die Paralympics kein überragender Fernseherfolg – aber trotzdem als TV-Ereignis nicht zu verachten.

Die TV-Hitparade führen die zahlreichen Paralympics-Übertragungen aus London jedenfalls nicht an. Damit hatte zwar bei ARD und ZDF offiziell auch keiner gerechnet. Etwas mehr als die 560.000 Fernsehzuschauer, die den „Goldenen Mittwoch“ mit vier deutschen Siegen von 10.30 bis 16.00 Uhr im ZDF verfolgten, hätten es jedoch schon sein dürfen. Die zeitgleichen Serien „Rote Rosen“ (1,6 Millionen) oder „Sturm der Liebe“ (2,1 Millionen) verzeichneten deutlich höhere Quoten.

ARD macht es besser als ZDF

„Alles, was über die Millionen-Zuschauer-Grenze geht und mehr als zehn Prozent Marktanteil aufweist, ist gut“, sagte Peter Kaadtmann, gemeinsamer ARD/ZDF-Teamchef bei den Paralympics. Der ZDF-Redakteur ist etwas neidisch auf die Kollegen vom Ersten. Die ARD liefert an ihren Sendetagen nicht nur vormittags, sondern auch am Vorabend (18 Uhr) und gegen Mitternacht spektakuläre Bilder von den Weltspielen der Behinderten.

Dann ist das Interesse deutlich größer, die Zielwerte wurden mehrfach übertroffen. Die Vorabend-Sendung erreicht nach ARD-Angaben im Schnitt 1,05 Millionen Zuschauer, am späten Abend schauen immerhin 1,35 Millionen Fans zu. Der Marktanteil für die Mitternacht-Session beträgt ordentliche 11,5 Prozent.

„Wenn man sieht, wie gut die Einschaltquoten sind, muss man das in Sotschi und Rio fortsetzen. Nach oben geht immer mehr“, kommentierte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. Das sehen die Verantwortlichen von ARD und ZDF ähnlich. Sie und viele Sportfans ärgerten sich allerdings am Mittwoch, dass von den drei Goldmedaillen der deutschen Radsportler nur wenig im Fernsehen zu sehen war.

Oft keine Live-Bilder

„Das ist mir ziemlich sauer aufgestoßen“, sagte Kaadtmann. „Es gibt aber bei den Paralympics keine Live-Signale von Sportarten wie Rudern, Straßen-Radsport, Reiten, Schießen oder Segeln. Das ist für die Zuschauer nicht nachvollziehbar“, ergänzte der Teamchef. Auf eigene Kosten und „mit großen technischen Aufwand“ besorgte das ZDF doch noch einige Bilder von der Rennstrecke in Brands Hatch. Das im Vorfeld groß ankündigte Live-Erlebnis bei insgesamt 65 Stunden Sendezeit konnten diese aber nicht ersetzen.

Vor dem Abschluss-Wochenende sind die 1,80 Millionen Menschen für die Eröffnungsfeier der paralympische Quoten-Rekord. Der Marktanteil von 12,6 Prozent übertraf den Wert für die Eröffnungsfeier 2008 in Peking (11,5 Prozent). Auffällig ist das deutlich geringe Interesse der jüngeren TV-Zuschauer für die Paralympics. Bei den 14- bis 49-Jährigen fiel die Eröffnungsfeier mit nur 0,35 Millionen (5,7 Prozent) regelrecht durch.

(dpa)


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