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Mexiko, wie es Donald Trump so nie kennenlernen wird: Keine Mauer, sondern viele „Engel der Liebe“

Die sehbeeinträchtigte Studentin Vera Janhsen machte in San Cristóbal de las Casas ein einjähriges Praktikum bei behinderten Menschen.

Vera Janhsen (Foto: Nikolas Golsch/TU Dortmund)

Vera Janhsen (Foto: Nikolas Golsch/TU Dortmund)

Ein subtropisches Klima, wasserfallähnlicher Regen am Nachmittag, dünne Luft auf gut 2000 Metern Höhe – gewusst hatte Vera Janhsen (28), Studentin der Sonderpädagogik an der TU Dortmund, dass ihr das Praktikum bei der Organisation Ángeles de Amor in Mexiko einiges abverlangen würde. Die extremen Umstände zu erleben ist aber mehr als wissen, wie sie feststellte. Und trotzdem: Sie würde wieder zu den „Engeln der Liebe“ nach Mittelamerika gehen, um dort in einer Schule für Menschen mit Behinderungen zu arbeiten. Dabei ist Vera Janhsen selbst beeinträchtigt.

Dass sie Spanisch lernen muss, war der TU-Dortmund-Studentin klar, als sie in Mexiko ankam. Doch sie hoffte, zunächst mit ihren Englisch-Kenntnissen „durchzukommen“. Dass man aber im Süden des Landes, in San Cristóbal de las Casas, nur Spanisch spricht und versteht, war für sie dann doch eine Überraschung.

Mexiko ist eine Bundesrepublik in Nordamerika, die 31 Bundesstaaten und den Hauptstadtdistrikt Mexiko-Stadt umfasst. Im Norden grenzt Mexiko an die Vereinigten Staaten von Amerika (USA), im Süden und Westen an den Pazifischen Ozean, im Südosten an Guatemala, Belize und an das Karibische Meer, im Osten an den Golf von Mexiko.
Mit einer Gesamtfläche von fast zwei Millionen Quadratkilometern ist Mexiko das fünftgrößte Land auf dem amerikanischen Doppelkontinent, global liegt das Land an vierzehnter Stelle. Weltweit liegt Mexiko mit einer Bevölkerungszahl von etwa 120 Millionen Menschen auf Platz elf und ist das einwohnerreichste spanischsprachige Land.

Und so begann Vera Janhsens Praktikum an der Schule der Organisation Ángeles de Amor mit einem Intensivkurs Spanisch. Dass sie zudem in ihrer Mobilität durch das Wetter beschränkt wurden und fast nur in den späten Nachmittagsstunden die Schulgebäude verlassen konnte, hatte Vera Janhsen auch nicht eingeplant. Sie ist – neben ihrer Sehbeeinträchtigung – stark lichtempfindlich, war jedoch davon ausgegangen, sich mit Sonnenschutzcreme mit extremem Lichtschutzfaktor auch in der mexikanischen Sonne bewegen zu können: Die hohen Temperaturen, die Luftfeuchtigkeit und ihr Schwitzen ließen die Sonnenmilch und damit den Sonnenschutz aber zerfließen.

„Ich habe gelernt, Menschen nicht nach Strukturkategorien zu sehen“

Keine idealen Rahmenbedingungen für ihren Aufenthalt also. Aber trotzdem: „Ich würde wieder hingehen“, sagt Janhsen, „es hat sich gelohnt.“ Das Praktikum sei durchaus eine Empfehlung für anderer Interessierte, die wie Janhsen über den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ ins Ausland gehen wollen.

Nach der Kunststunde präsentieren die „Chicos“ und Vera Janhsen die Ergebnisse der Aufgabenstellung „Knettiere“. (Foto:  privat/TU Dortmund)

Nach der Kunststunde präsentieren die „Chicos“ und Vera Janhsen die Ergebnisse der Aufgabenstellung „Knettiere“. (Foto: privat/TU Dortmund)

Vera Janhsen arbeitete in der Schule der Organisation Ángeles de Amor. In einem Land, in dem behinderte Menschen oft versteckt und nicht gefördert und integriert werden und wo viele vor sich hinvegetieren, haben es sich die „Engel der Liebe“ zur Aufgabe gemacht, Erwachsene mit Behinderungen sowohl medizinisch als auch psychologisch zu begleiten und zu unterstützen.

Zudem vermittelt die Organisation Schulbildung. 17 Jahre zählte der jüngste der 25 „Chicos“, gut 50 die älteste Schülerin, um die sich das Team – zwei Lehrer – mit der TU-Studentin in der Schule der Organisation kümmerte. „Es gab viele Möglichkeiten, in dem Projekt mitzuarbeiten“, sagt Janhsen. Die Studentin brachte vor allem ihr Wissen im schulischen Bereich ein. Außerdem bot sie für die Freizeit einen Kochkurs an. Sie knüpfte an die Erfahrungen an, die sie in den vergangenen Jahren gesammelt hatte – begonnen bei ihrer eigenen Ausbildung über außerschulische Praktika mit Menschen mit Behinderung bis hin zu ihrem Sonderpädagogik-Studium. „Ich habe gelernt, Menschen nicht nach Strukturkategorien wie behindert oder nicht-behindert zu sehen, sondern grundsätzlich in ihrer Individualität wahr und ernst zu nehmen“, sagt sie. Diesen Umgang wünscht sie sich auf für sich selbst.

Von Inklusion weit entfernt

Mit vielen neuen und sehr unterschiedlichen Erfahrungen ist Vera Janhsen zurück nach Deutschland gekommen. Die Lage beeinträchtigter Menschen in Mexiko sei mit der in Deutschland überhaupt nicht zu vergleichen. „Von Themen wie Inklusion ist man in der mexikanischen Provinz weit entfernt“, sagt sie. Auch fehlte es in der Schule an elementarsten Unterrichtsmitteln wie etwa Schulbüchern oder einem Kopierer. „Wir haben Aufgaben von Hand auf Zettel geschrieben“, berichtet sie. Trotzdem sind die „Engel der Liebe“ in der Region ein Leuchtturmprojekt im Umgang mit Menschen mit Behinderungen. Für Vera Janhsen Anlass genug, ihre Masterarbeit über diesen Bereich zu schreiben.

(PM/mit freundlicher Unterstützung der TU Dortmund)

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