Michel ist ein Trottel, Holzkopf, Dussel, Depp – und ein Held

Für Kinder: Zwei neue Mutmach-Bücher, die ein wenig mit uns zu tun haben: „Keine Angst vor Ungeheuern!“ und “Streichholzburgen“.

Chris Wormell: „Keine Angst vor Ungeheuern!“

Es kann keine Berge mit der Faust platthauen und nicht mal einen Grizzlybären unzerkaut runterschlucken. Die Menschen rennen zwar schreiend vor dem Ungeheuer davon – doch unter seinesgleichen gilt das Riesen-Pelztier schlicht als Versager. Und das Monster leidet schlimm unter dieser Missachtung seiner Persönlichkeit.

In „Keine Angst vor Ungeheuern!“ kann dieses Problem keiner besser verstehen als der kleine Michel. Seine Mitmenschen trauen ihm überhaupt nichts zu, schimpfen ihn einen Trottel, Holzkopf, Dussel, Depp. Und nur weil die Dorfbewohner bei der Flucht vor dem Ungeheuer schreien, wer sich dem nahenden Untier entgehen stellen wollte, der müsste schon ein Trottel, Holzkopf, Dussel, Depp sein, bleibt Michel stehen – und erlebt eine ungeheuere Überraschung.

Der britische Autor und Illustrator Chris Wormell erzählt mit klaren Worten in Sprechblasen und auf das Wesentliche reduzierten Bildern, dass Jedermann eine Begabung hat, auch wenn er vielleicht Zeit braucht, sie zu entdecken. Eine witzige, hintersinnige Bilderbuch-Geschichte über Toleranz und ungeheuren Ungeheuer-Mut.

Keine Angst vor Ungeheuern: Sauerländer, Mannheim, 32 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-411-81136-6. Ab 4 Jahren

Bettina Obrecht: “Streichholzburgen“

Jan würde so gern einen Hund haben. Aber die Eltern sind dagegen. Ja, wenn seine Schwester Lisa sich einen Hund wünschen würde, dann bekäme sie ganz bestimmt einen, ist Jan überzeugt. „Es hat damit zu tun, dass ich nichts Besonderes bin“, sagt Jan im Roman „Streichholzburgen“ von Bettina Obrecht.

Die autistische Lisa sei einfach etwas Besonderes, und deswegen gelte für sie eine Ausnahme, so Jan. „Das ist aber ungerecht“, meint Jans Freundin Mara. Doch Jan steht zu Lisa – auch dann noch, als die überforderten Eltern überlegen, ihre Tochter in einer Behinderteneinrichtung unterzubringen. Jan, dessen Welt aus so vielen Eindrücken und Empfindungen besteht, sucht immer neue Wege, um in die isolierte Gefühlswelt seiner Schwester vorzudringen.

Obrechts Erzählung ist ein starkes Plädoyer für Offenheit und Normalität im Umgang mit behinderten Menschen.

Streichholzburgen: Bloomsbury Verlag, Berlin, 120 Seiten, 12,90 Euro, ISBN 978-3-827-05507-1. Ab 10 Jahren

(dpa)

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